"Jugendarbeiter lösen nicht die Probleme für Jugendliche, sondern sie helfen den Jugendlichen sich als Teil der Lösung zu begreifen"

Vom 2.- 4. November 2015 fand in Göteborg die erste Konferenz von InterCity Youth statt, dem neu gegründeten europäischen Netzwerk für kommunale Jugendbehörden. Mit dabei waren Teilnehmer und Teilnehmerinnen aus 18 europäischen Ländern.

Die Veranstaltung war eine Kooperation zwischen KEKS, dem schwedischen Netzwerk für kommunale Jugendbehörden sowie JUGEND für Europa und der schwedischen Nationalen Agentur des europäischen Programms Erasmus+ JUGEND IN AKTION.

Unterschiedliche Jugendarbeit – ähnliche Herausforderungen

Trotz der Tatsache, dass Jugendarbeit in den verschiedenen Ländern sehr unterschiedlich aufgestellt und in den verschiedensten Formen und Methoden daherkommt, so gibt es doch mehr Gemeinsamkeiten als Unterschiede. In vielen Ländern sind Ausgangsbedingungen, Themen, Zielgruppen und die damit verbundenen Herausforderungen ähnlich. Vor allem aber eint die Jugendarbeit (nicht nur) in Europa eines: die Unterstützung junger Menschen in ihrer persönlichen und sozialen Entwicklung.

Vor diesem Hintergrund  standen folgende Themen auf der Konferenz im Mittelpunkt:

  • Qualitätsentwicklung in der Jugendarbeit – Sichtbarmachung und Weiterentwicklung der Ergebnisse und Effekte von Jugendarbeit;
  • (Nicht-formales) Lernen in der Jugendarbeit;
  • Soziale Inklusion – Strategien zur Erreichung schwieriger Zielgruppen;
  • Integration und Toleranz – Jugendarbeit und die Arbeit gegen radikalen Extremismus.

In den Eingangsstatements wurde von allen Vortragenden die Besonderheit und der Wert von Jugendarbeit aus sehr verschiedenen Perspektiven gewürdigt. Jonas Agdur, Vorsitzender von InterCity und Geschäftsführer von KEKS, hob dabei einmal mehr die besondere Rolle der Jugendarbeiter hervor, die sich mit ihrer Fähigkeit zu improvisieren, mit dem Unplanbaren und Unkalkulierbaren zu arbeiten, in den Rhythmus von Jugendarbeit einfügen. "Jugendarbeiter lösen nicht die Probleme für Jugendliche, sondern sie machen die Jugendlichen zu einem Teil der Lösung", so Agdur.

Mariya Voyvodova, stellvertretende Bürgermeisterin von Göteborg, betonte die Bedeutung von Jugendbeteiligung für die Stadt und erwähnte die Wertschätzung der Stadt für ihr Jugendparlament, das ein gutes Instrument für Jugendliche böte um politischen Einfluss zu nehmen und sie gleichzeitig in ihrer persönlichen und sozialen Entwicklung voranbringe.

Schließlich erläuterte Ellen Durst von der EU Kommission Rolle und Funktion der Jugendarbeit in der europäischen Jugendpolitik. Jugendarbeit sei ein wichtiges Instrument der EU-Jugendstrategie und würde auf europäischer Ebene durch die Arbeit von Expertengruppen und Studien unterstützt.

Zusätzlich zu den oben genannten Themen stellten dann Referentinnen und Referenten aus den verschiedenen europäischen Ländern in Workshops spezielle Themen von Jugendarbeit aus ihren Ländern dar.

Das Netzwerk European Youth Capitals gab einen Einblick in die Schwerpunkte der einzelnen Städte, die das jeweilige Europäische Jugendhauptstadtjahr veranstaltet haben. Die Städte München, Helsinki und Thessaloniki gestalteten einen Workshop zusammen und ermöglichten einen vergleichenden Überblick ihrer Strategien und Strukturen von Jugendarbeit. Aus Deutschland wurde das Modellprojekt „Kommune goes international“ vorgestellt und gemeinsam über Ansätze diskutiert, internationale Jugendarbeit in kommunale Jugendarbeitsstrategien zu integrieren. Und schließlich gab es noch zwei Workshops zur Frage der Stärkung und Einbeziehung von jungen MigrantInnen und zur Arbeit mit LGBT (Lesbian, Gay, Bisexual und Transgender) - Jugendlichen. 

Ein Beispiel – das Netzwerk KEKS in Schweden

Eine Besonderheit in Schweden ist das Netzwerk KEKS (Hauptveranstalter der Konferenz). Ausgangspunkt von KEKS war es, klare und messbare Ziele zu formulieren, die in der alltäglichen Jugendarbeit auch anwendbar sind und sich vor allem auf diejenigen Wirkungen konzentrieren sollten, die Jugendarbeit erreichen will.

Das Netzwerk KEKS umfasst in Schweden heute 42 Kommunen, finanziert sich aus Mitgliedsbeiträgen, hat eine professionelle Struktur, einen Vorstand und eine bezahlte Geschäftsführung.

Äußerst beeindruckt waren die Teilnehmenden im Workshop vom Qualitätssystem, das von KEKS entwickelt wurde. Im  einem sogenannten Logbook, einem online basierten Dokumentationssystem, hält jede Einrichtung täglich fest, was an diesem Tag zu dokumentieren ist: Anzahl der Mitarbeiter, Angebotsstunden, Angebotsstunden, die von Jugendlichen organisiert werden, Art der Angebote, Besonderheiten, etc.

Die Datenbank bietet dadurch die Möglichkeit, die eigene Arbeit nach unterschiedlichen Gesichtspunkten zu analysieren, Entwicklungen zu verfolgen und sich mit anderen zu vergleichen.

Die Jugendlichen wiederum haben jedes Jahr die Möglichkeit Rückmeldungen dazu zu geben, wie sie die Arbeit erlebt und was sie gelernt haben. Dabei werden die Fragen so gestellt, dass sie von Jugendlichen gut verstanden und beantwortet werden können. Jugendliche machten, so berichtet das Netzwerk, insbesondere dann gerne mit, wenn sie das Gefühl hätten, dass ihre Rückmeldungen ernst genommen würden und sie das Geschehen in der Jugendeinrichtung tatsächlich mitbestimmen könnten.

Jährlich werden die Ergebnisse der jeweiligen sich beteiligenden Einrichtung zusammengefasst und ausgewertet, ein Vergleich mit den gesetzten Zielen wird gezogen und neue Ziele vereinbart. Aus den Einzelergebnissen der Kommunen erstellt KEKS einen Gesamtbericht.

Gemeinsame transnationale Projekte

Ziel der Tagung war es auch, relevante Themen für die weitere Zusammenarbeit im Netzwerk InterCity Youth zu identifizieren und die Realisierung möglicher gemeinsamer transnationaler Projekte auf den Weg zu bringen.

Die deutschen Teilnehmenden haben dabei u.a. folgende konkrete Ideen und Projektvorhaben mitgebracht (eine Auswahl):

  • eine Peer-To-Peer-Review in ausgewählten Stadtteilen zum Thema „Was sind förderliche Bedingungen um die Beteiligung von Mädchen noch zu verbessern“;
  • Prüfung der Nutzung und Übertragbarkeit des schwedischen Qualitätssystem von KEKS;
  • Erarbeitung  eines gemeinsamen Konzeptes für demokratische (politische) Jugendbildung;
  • Sichtung und Prüfung der Übertragbarkeit des „Young Peoples Well-being Report“ der Stadt Helsinki. Dieser Bericht könnte Vorbild sein für einen regelmäßigen kommunalen Jugendbericht.

Interessant war übrigens auch der Aspekt, dass es auf der europäischen Konferenz zu einem regen Austausch der anwesenden deutschen Städtevertreter kam, der auf nationaler Ebene nur allzu selten vorkommt. So kam zwischen den Vertretern Münchens und Kölns die Idee eines regelmäßigen Städteaustauschs in Fragen der Jugendarbeit auf.

Die nächste Konferenz des InterCity Youth Netzwerks findet voraussichtlich im Herbst 2016 in Mailand statt. Als ein möglicher Schwerpunkt wurde bereits das Thema „Jugendarbeit und jugendliche Flüchtlinge“ diskutiert.

Eine Beteiligung weiterer Kommunen auch aus Deutschland am Netzwerk InterCity Youth wäre für die Entwicklung der Jugendarbeit in Europa hilfreich und wünschenswert.

Mehr Informationen zur Konferenz und zur Mitgliedschaft bei InterCity Youth unter
www.intercityyouth.eu

(Quelle: JUGEND für Europa)

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