Zum zweiten Mal lud das YES-Forum (Youth and European Social Work Forum) Vertreterinnen und Vertreter der EU-Kommission und des EU-Parlaments zum politischen Gespräch in Brüssel ein. Soziale Integration, Jugendarbeitslosigkeit und die Zukunft der Jugendarbeit in Europa standen auf dem Programm.
Im Dezember 2014 trafen sich die Leitungen der Mitgliedsorganisationen des YES-Forums in Brüssel mit Mitgliedern der EU-Kommission und des EU-Parlaments zu einem Informations- und Meinungsaustausch. Zwei Tage lang gab es die Gelegenheit, Inputs und Diskussionsbeiträge zu jugendpolitisch relevanten Themen wie Bildung, Übergang oder die neuen EU-Initiativen für Beschäftigung und Integration zu besprechen.
Eine ernüchternde Bilanz zog Susanne Conze aus dem Politik-Referat der GD Beschäftigung, Soziales und Integration im Hinblick auf die prekärer werdende Situation vieler Jugendlicher in Europa. So stieg im Jahr 2014 der Anteil der 18- bis 30-Jährigen, die noch bei ihren Eltern lebten, auf 48% oder 36,7 Mio. junge Menschen. Durchschnittlich erst im Alter von 34-35 Jahren sind sie in der Lage, ein wirtschaftlich unabhängiges Leben zu führen. Nicht nur die viel beschrieene Jugendarbeitslosigkeit, so ihre Diagnose, hindere sie daran, ein eigenständiges Leben zu führen und berge das Risiko für Armut und Ausgrenzung, sondern auch lange Bildungs- und Ausbildungszeiten, Teilzeitarbeit oder Zeitverträge seien Unsicherheitsfaktoren dieser Lebensphase und das auch in reichen Ländern wie Dänemark oder Deutschland. Obwohl es gute Ansätze in den Mitgliedstaten gäbe (unter anderem nannte sie die „One-Stop-Shops“ in Deutschland, Stellen in der Arbeitsverwaltung, an denen alle notwendigen bürokratischen Schritte gebündelt angeboten werden), lägen die Schwächen in einer mangelnden Kooperation der Verwaltungsstellen und einer verzögerten Datenerfassung (und damit Identifizierung) Jugendlicher mit Risiko.
Mit Terry Reintke, 27-jährige deutsche EP-Abgeordnete der Grünen Fraktion und Mitglied im Ausschuss für Beschäftigung und Soziales, diskutierten die Organisationsvertreter über die die neuen EU-Initiativen für Beschäftigung und Integration. Reintke kritisierte den zu geringen Etat der Jugendbeschäftigungsinitiative. Einen besseren Weg der Mittelverteilung sieht sie in einem dezentralen Ansatz, bei dem Kommunen und Klein- und mittelständische Betriebe begünstigt werden und Mittel mit öffentlichen Krediten kombinieren können. Das oberste Ziel müsse sein, ausreichend bezahlte, nachhaltige Arbeitsplätze für die nachfolgende Generation zu schaffen und dafür die Spanne zwischen hoch- und geringqualifizierten Arbeitsplätzen zu verringern. Unter anderem trage dazu ein verlässliches Ausbildungs- und Bildungssystem bei, das nicht nur gut qualifizierten Auszubildenden oder Akademikern eine Chance geben dürfe.
Dr. Renate Heinisch, ehemaliges Mitglied des Europaparlamentes und zurzeit Mitglied des Europäischen Wirtschafts- und Sozialausschusses (EWSA), diskutierte mit den Anwesenden das Thema Übergänge von Schule in Beschäftigung. Sie stellte die Verpflichtung der Älteren heraus, den Nachwuchs zu fördern und forderte mehr intergenerative Zusammenarbeit. Als Beispiel nannte sie das Projekt „GoAct“, das eine europäische Strategie intergenerativen Lernens in vier Bereichen fördern will: Erwachsenenbildung, Arbeitsleben, frühkindliche Bildung und Interkulturalität.
Xavier Prats Monné, Generaldirektor der DG Bildung und Kultur, stellte heraus, dass Erasmus+ auf die gegenwärtigen Herausforderungen reagiere, indem es „Qualitätsbildung“, sowohl in formalen als auch in nicht formalen/informellen Settings repräsentiere. Er betonte allerdings auch, dass Bildung und Kultur auch ein komplexes Set von Werten beinhalte, die nicht in ökonomischen Begriffen aufgingen. Demzufolge müsse die Partizipation junger Menschen in Entscheidungsprozesse Priorität haben; sie seien die am meisten verwundbaren Akteure in dem ganzen Szenario. Erasmus+ böte die Chance, auch benachteiligte Jugendliche zu erreichen. Seine Tür sei immer offen, sagte er, um mit Organisationen über die besten Wege und Formate zu diskutieren – vorausgesetzt, die Maßnahmen lehrten die Jugendlichen auch etwas Konkretes, was sie in ihrem täglichen Leben nutzen können, wenn es nicht direkt zu ihrer Beschäftigungsfähigkeit beitrage. Nicht zuletzt müssten Organisationen auch besser erklären, welche Vorteile ihre Arbeit brächte – den Betroffenen, aber auch Förderern und schließlich auch der breiten Öffentlichkeit.
Der Bericht des YES-Forums zum „Policy Event“ enthält weiterführende Links zu den diskutierten Studien und Projekten.
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