"Jugend als Querschnittsthema klingt gut – ist aber noch schwierig umzusetzen"

Ein Interview mit Wolfgang Schick, Landesjugendreferent im österreichischen Bundesland Salzburg.

Herr Schick, sind Sie von der jugendpolitischen Konferenz in Potsdam mit brauchbaren Ergebnissen nach Hause zurückgekehrt?

 Ja. Zum einen war die Veranstaltung sehr gut organisiert. Zum anderen hat sie den Vertretern der regionalen Ebene genau den Rückhalt gegeben, der für die Implementierung der Europäischen Jugendstrategie dort nötig ist. Ich hoffe, dass wir diese Art von Fachaustausch bald fortsetzen können.

Welchen Stellenwert hat die EU-Jugendstrategie bislang im Bundesland Salzburg?

In den verschriftlichten Grundlagen der Jugendpolitik des Landes Salzburg sind – für die Regierungsperiode bis 2014 – die acht Themenbereiche der EU-Jugendstrategie explizit genannt und festgehalten. Das bedeutet, dass wir es uns zum Ziel gesetzt haben, die vier allgemeinen Ziele unserer Jugendpolitik:

  • die Jugend wertzuschätzen;
  • der Jugend eine Stimme zu geben;
  • der Jugend Raum zu geben;
  • der Jugend Zuversicht zu geben;

insbesondere in diesen Themenbereichen umzusetzen. Jugendpolitische Priorität haben bei uns die Felder Integration, Migration, die Partizipation junger Menschen sowie die Stärkung der politischen Bildung.

Zudem wurde in Österreich das Wahlalter junger Menschen sowohl für Landes-, aber auch für Bundeswahlen auf 16 festgelegt. Jugendpolitisch ist das ein großer Erfolg.

Wie wird die EU-Jugendstrategie in Österreich denn umgesetzt?

Bei uns wurde eine Nationale Arbeitsgruppe (NAG) eingerichtet. An dieser Arbeitsgruppe sind der Bund, alle Bundesländer und die zentralen Jugendorganisationen (Bundes-Jugendvertretung) beteiligt. Die geschäftsführende Funktion wird von der Bundes-Jugendvertretung gemeinsam mit dem Dachverband Offene Jugendarbeit, dem Verein Jugendinfo.cc und der österreichischen Nationalagentur Jugend in Aktion wahrgenommen. Die NAG erfüllt dabei zwei zentrale Aufgaben der EU-Jugendstrategie: die inhaltliche Umsetzung in Österreich und die Durchführung des Strukturierten Dialogs.

Und an welchen Stellen läuft es bei der Umsetzung der EU-Jugendstrategie derzeit noch nicht so rund?

Schwierigkeiten haben wir vor allem dort, wo es darum geht, Jugendangelegenheiten zur Querschnittsmaterie zu machen. Hier gibt es doch noch sehr viel Widerstände aus anderen Politikbereichen.

Und positiv?

Gut läuft der Bereich, „der Jugend eine Stimme zu geben“. Hier finden derzeit eine Fülle von Veranstaltungen statt. Ob Jugendparlamente, Bezirksjugendgespräche oder runde Tische mit Politikern – das kann sich alles durchaus schon sehen lassen. Insgesamt kann man aber sagen: Ähnlich wie unsere deutschen Kollegen stehen auch wir noch am Anfang des Umsetzungsprozesses. Vorschläge für neue Arbeitsinstrumente wurden erarbeitet und befinden sich derzeit noch in der Abstimmung beim Bundesjugendministerium. Wir haben uns vorgenommen, uns nicht nur mit EU-Themen und ihrer Relevanz für Österreich zu beschäftigen. Wir wollen auch eigene österreichische Fragestellungen an der Schnittstelle zur EU entwickeln.

Wie kann die Strategie künftig denn noch stärker in den österreichischen Regionen verankert werden? Wer muss jetzt handeln?

Der Bund hat kürzlich seine neue Jugendstrategie vorgestellt, die ja stark von der EU-Jugendstrategie beeinflusst ist. Diese wird jetzt auch mit den Ländern diskutiert und voraussichtlich wird es in den Bundesländern ähnliche Umsetzungsschritte geben.

Wie wird die Bund-Länder-Zusammenarbeit in Deutschland aus österreichischer Sicht bewertet?

Wir sprechen dem eine hohe Bedeutung zu und wollen diese auch bei uns in den nächsten Jahren deutlich verstärken. Das ist zumindest der Wunsch der Länder. Seit dem EU-Beitritt Österreichs 1995 gab es da bei uns viel nachzuholen. Notwendige und mögliche Kooperationen wurden lange Zeit nicht in Betracht gezogen. Das ändert sich jetzt.

Und der Strukturierte Dialog?

Da können wir zufrieden sein. Die Nationale Arbeitsgruppe arbeitet von Anfang an engagiert und hat mit den vier Bundesländerveranstaltungen auch konkrete und wahrnehmbare Ergebnisse erzielt. Uns freut vor allem, dass viele junge Menschen an der Konsultation zur Beteiligung am demokratischen Leben mitgewirkt haben.

(Das Interview führte Marco Heuer im Auftrag von JUGEND für Europa)

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