Interview vom 15.05.2013Peer Learning und EU-Transfer

Joanna Mazur (Polen): "Junge Leute müssen den Schritt vom Beobachter zum Akteur machen."

jugendpolitikineuropa.de sprach mit Joanna Mazur aus der Abteilung Strategie und Internationale Beziehungen des Polnischen Bildungsministeriums und Mitglied der EU-Ratsarbeitsgruppe "Jugend" über das Multilaterale Peer Learning-Projekt "Partizipation junger Menschen in einem demokratischen Europa".

JfE: Frau Mazur, Welche Themen haben Sie nach Berlin mitgebracht?

Mazur: Wir würden in Polen gern mehr darüber erfahren, wie man Jugendpartizipation in einzelnen Zielgruppen stärken kann, insbesondere bei denjenigen Jugendlichen, die weniger Möglichkeiten haben. Wir denken auch darüber nach, wie man eine bessere Verständigung zwischen Jugend und Politikerinnen und Politikern sichern kann. Und außerdem geht es uns um die Frage, wie man eine wirkungsvolle Jugendpolitik auf lokaler, nationaler und europäischer Ebene entwickeln kann. Das sind für uns alles wichtige jugendpolitische Themen.

JfE: Was erhoffen Sie sich von diesem Peer Learning-Projekt?

Mazur: Diese multilaterale Peer Learning-Kooperation bietet Möglichkeiten, Erfahrungen zwischen Beteiligten von unterschiedlichen Ebenen über das Thema Jugendpartizipation auszutauschen: Vertreterinnen und Vertreter von Ministerien sind ebenso involviert wie Wissenschaftler, Fachkräfte der Jugendarbeit, junge Menschen aus Jugendräten, Jugendorganisationen oder Jugendparlamenten und andere Expertinnen und Experten. Das ist der wahre Wert eines Peer Learnings - Teile eines Puzzles an einem Ort zusammenzubringen, so dass man das Thema aus unterschiedlichen Perspektiven diskutieren kann. Nicht zuletzt wird gute Praxis präsentiert, die für andere Länder anregend sein kann - darauf warte ich besonders!

JfE: Welchen politischen Stellenwert hat das Thema Jugendpartizipation in Polen? Welche besonderen Herausforderungen sind damit verbunden?

Mazur: In Polen wird die Partizipation junger Menschen als ein wichtiges Instrument für den Aufbau einer Zivilgesellschaft angesehen. Es gibt einen großen Bedarf, Mechanismen für eine Beteiligung und Konsultation an Entscheidungsprozessen auf lokaler, regionaler und nationaler Ebene einzurichten, damit junge Leute den Schritt vom Beobachter zum Akteur machen können. So planen wir neue Bedingungen für zivilgesellschaftlichen Aktivitäten, was verschiedener Formen von Nicht-Regierungsorganisationen einschließt.

JfE: Was sind die gegenwärtigen Trends in Sachen Jugendpartizipation in Polen? Welche Instrumente gibt es, junge Menschen in politische Entscheidungsprozessen einzubeziehen?

Mazur: In Polen versuchen wir zurzeit, die Wirkungen von Jugendpartizipation in der Öffentlichkeit sichtbarer zu machen. Das betrifft vor allem die Freiwilligenaktivitäten. Unter den strukturellen Maßnahmen gibt es zwei relativ neue, die den Einfluss junger Menschen auf politische Entscheidungen absichern sollen: Zum Einen wurde 2011 ein Nationaler Jugendrat eingerichtet. Und dann haben wir den europäischen Strukturierten Dialog, der die Beteiligung des Nationale Jugendrats und informeller Gruppen sowie Online-Konsultationen zu Fragen der Jugendpolitik umfasst.

JfE: Wie bewerten Sie dieses erste Treffen in Berlin? Hat es Ihren Erwartungen entsprochen?

Mazur: Wir stehen ja noch ganz am Anfang des Prozesses, deswegen ist es schwer, schon eine Bewertung dazu abzugeben, ob die Ergebnisse eine Wirkung auf die polnische Jugendpolitik haben können. Aber ich kann jetzt schon sagen, dass es nützlich war, von den Erfahrungen der anderen zu lernen!

(Das Interview führte Dr. Helle Becker im Auftrag von JUGEND für Europa)

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