28.02.2005Themen der Jugendpolitik

Ján Figel – "Kommissar der Bürger"?

Ján Figel, der als erster EU-Kommissar nicht nur für Bildung, Jugend und Sport, sondern auch für Mehrsprachigkeit zuständig ist, hat erklärt, er wolle sich für ein bürgerfreundlicheres Europa einsetzen.

via Euractiv.com

Der sich selbst als "Bürgerschafts-Kommissar" bezeichnende Ján Figel erklärte in einem Interview mit den KollegInnen von Euractiv.com , er werde sich daher für ein "bürgerfreundliches" Europa einsetzen, in dem die Menschen ihre Sprache und Bürgerschaft für etwas Zusätzliches benutzen können und in dem ihre Ausbildung auch über nationale Grenzen hinaus anerkannt wird.

Er betonte, dass er sich aufgrund der begrenzten Rechtsgrundlage der Kommission und zahlreicher anderer Hindernisse vor allem auf die Umsetzung bestehender Initiativen konzentrieren werde.

Figel sagte ebenfalls, dass Mehrsprachigkeit mittlerweile ein politisches Thema sei, das hoch auf der Agenda der Kommission stehe - nicht zuletzt auch aufgrund der Bedeutung von Sprachen für die europäischen Kulturen, Identität(en), für die Kommunikation, Verständigung und Kohäsion.

Auf die Frage, in welchen Bereichen er einen Unterschied machen könnte, erwiderte er, dass es in erster Linie darum gehe, dafür zu sorgen, dass eine EU mit 20 Amtssprachen reibungslos funktionieren könne und ihre Verantwortung für rechtliche Klarheit und rechtsverbindliche Texte voll wahrnehmen könne. Figel will vor allem die Qualität der Kommunikation in den Vordergrund stellen, so dass die Bürger die EU besser verstehen. Er räumte ein, "manchmal können viele Minister, viele Sprachen und gefüllte Tagesordnungen aufgrund schneller, unklarer und langer Beiträge zu Missverständnissen führen".

Zur Frage, ob vor allem interne oder externe Übersetzungsdienste in Anspruch genommen werden sollten, erklärte Figel, er werde beide weiterentwickeln, obgleich interne Dienste eine bessere Qualität haben und "Qualität das wichtigste ist, weil, wenn man falsche rechtsverbindliche Texte hat, ist das wirklich ein desaströses Problem". Externe Übersetzer müssten kontrolliert werden, "was extra Kosten bedeutet".

Darauf angesprochen, ob er sich vorstellen könne, dass gewisse Bereiche der neuen Bildungsprogramme (2007-13) angesichts der möglichen Budgetobergrenze von 1 % des Bruttonationaleinkommens (BNE) der Mitgliedstaaten Priorität erhalten oder gestrichen werden würden, sagte Figel, dass er sich im Kontext der 25-Länder starken EU nicht vorstellen könne, dass Mobilitätsprogramme gestrichen werden würden.

Er beabsichtige vor allem auch, sich für eine angemessenere Verteilung der Studenten, die aus den östlichen Mitgliedsländern in den Westen gehen, und der Studenten aus den westlichen Mitgliedsländern, die in den Osten gehen, einzusetzen. Teil der Lösung würde darin bestehen, einfachere Verfahren einzuführen und den Beitrag, den die EU pro Student und Professor bezahlt, zu erhöhen. Der EU-Beitrag - im Rahmen des Erasmus-Programms durchschnittlich 150 Euro pro Person und Monat - sei derzeit zu niedrig.

In Bezug auf die EU-Länder, die die Umsetzung von Bildungsreformen verschleppen, beabsichtigt Figel nicht, diese "bloßzustellen", sondern durch ein Benchmarking-System "zu inspirieren und motivieren". Finnland und viele skandinavischen Länder seien Beispiele für Länder, die "gute Ergebnisse in den Bereichen Bildung, Innovation, Forschung und Produktivitätswachstum erzielen, ohne dass der soziale Zusammenhang und die Umwelt darunter leiden".

Hinsichtlich der Lancierung des 'Europass' (der einen standardisierten Lebenslauf und Belege für Sprachkenntnisse und Bildungsabschlüsse enthält) erklärte Figel, dass sich die Minister im Frühjahr auf das Mandat für ein grundlegendes Konzept für einen europäischen Qualifikationsrahmen einigen sollen. Dies sei "von entscheidender Bedeutung für echte Fortschritte im Bereich der gegenseitigen Anerkennung".

In Bezug auf den Sportbereich , in dem die Kommission mit Inkrafttreten der EU-Verfassung eine Rechtsgrundlage für unterstützende Maßnahmen erhalten würde, sagte Figel, dass er "ein wirkliches Plus (für Europa und internationale Beziehungen) sein kann, aber, wie jede menschliche Tätigkeit, kann er durch übermäßige Kommerzialisierung und Doping abgewertet werden". Er berichtete, dass Doping im Sport das Hauptthema seiner ersten Anhörung als Kommissar im Europäischen Parlament darstellte. Vor allem in Griechenland sei dies ein Riesenthema.

Figel fügte hinzu, dass ein größeres Konsultationsforum im Mai stattfinden solle, welches eine Gelegenheit für eine Bewertung des Europäischen Jahrs der Erziehung durch Sport (2004) sowie für Vorbereitungen der künftigen EU-Sportpolitik bieten werde.

Das komplette Interview in englischer Sprache finden Sie auf den Seiten von Euractiv.com