29.07.2007Freiwilliges Engagement

INVOLVE heißt Einbeziehen: Freiwilliges Engagement als Mittel zur Förderung der Integration

Ein europäisches Projekt hat das freiwillige Engagement von und für Migrantinnen und Migranten aus Drittstaaten untersucht.

via www.involve-europe.eu

Partner aus sieben EU-Ländern, darunter auch das INBAS-Sozialforschungs-Institut aus Deutschland, sammelten Fakten und Zahlen zu freiwilligem Engagement und Zuwanderung in ihren Ländern. "Freiwilliges Engagement" (in Deutschland eher "bürgerschaftliches Engagement") bezieht sich dabei auf alle unterschiedlichen Formen unentgeltlicher Aktivitäten, die Bürgerinnen und Bürger für andere aus freiem Willen zugunsten des Gemeinwohls ausüben, ob organisiert, unorganisiert oder im Rahmen eines institutionalisierten Freiwilligendienstes.

Ausgangspunkt für das INVOLVE-Projekt über die Integration von Drittstaatenangehörigen durch freiwilliges Engagement war die wachsende Bedeutung von Integrationspolitiken in Europa. Die EU hat ca. 20 Mio. "Drittstaatenangehörige" aufgenommen, also Personen, deren Staatsangehörigkeit nicht die eines der EU-25-Länder ist. Viele Mitgliedstaaten mussten sich von der Vorstellung verabschieden, kein "Einwanderungsland" zu sein. Dennoch ist ein erstaunlicher Mangel an umfassenden Konzepten und Strategien für die Bewältigung der Herausforderungen von Einwanderungsgesellschaften zu verzeichnen. Das Projekt sollte Kenntnisse über das freiwillige Engagement von Migranten sammeln und untersuchen, inwiefern freiwilliges Engagement Mittel der sozialen Integration und aktiven Partizipation von Drittstaatenangehörigen sein kann.

Vor allem die Beispiele "guter Praxis", Kulturprojekte, Gesundheit, Alter, Jugendliche, soziale Selbsthilfeprojekte, Publikations- und Radioprojekte, geben einen Einblick in verschiedene Ansätze bürgerschaftlichen Engagements sowohl von Migrantinnen und Migranten selbst, als auch im Rahmen von Kooperationsprojekten mit staatlichen und nicht-staatlichen Stellen. So werden die "Integrationslotsen" in Osnabrück vorgestellt, das Projekt "Hand in Hand: MIT Migranten FÜR Migranten (MiMi)", ein interkulturelles Gesundheitsprojekt in Frankfurt am Main, oder "gEMiDe - gesellschaftliches Engagement von Migrantinnen, Migranten und Deutschen", ein Projekt auf lokaler Ebene mit überwiegend türkischen und deutschen Frauen. Aus Österreich wird das Projekt "Jugendliche Migranten als Jugendleiter" des Wiener Hilfswerks beschrieben, aus Frankreich "EDL 14", ein Schul-Mentoring unter Einbeziehung von Eltern für Kinder, die überwiegend aus Migrantenfamilien stammen, oder das Kulturprojekt "Peupliers à Palabres" – "Junge Migranten melden sich zu Wort".

Das INVOLVE-Projekt zeigt, dass Migranten bei ihrer Integration und der Einbeziehung in freiwilliges Engagement noch mit großen Hindernissen konfrontiert werden. Dabei, so das Fazit der Projektbeteiligten, sei freiwilliges Engagement ein hervorragendes Mittel, um Grundkenntnisse über die Sprache, Wohnungswesen, Bildung, Gesundheit, Sozialdienste usw. zu vermitteln und Teilhabe durch nicht-formale und informelle Bildung zu fördern. Dies wiederum fördere die Beschäftigungsfähigkeit, aber auch generell die Handlungskompetenzen und die Zusammenarbeit von Zuwanderern und Nichtzuwanderern. Letzteres ermögliche es der Aufnahmegesellschaft, mit zunehmender Vielfalt umzugehen und Veränderungen zu bewältigen.

Sie empfehlen daher unter anderem, das freiwillige Engagement als Instrument in Integrationspolitiken und als Indikator für Integration in Migrantengemeinschaften anzuerkennen, es zu stärken, mehr Wissen darüber zu vermitteln, Migranten-Selbstorganisationen stärker zu unterstützen und deren Vernetzung mit traditionellen Organisationen auf lokaler Ebene anzuregen. Daneben müsste die interkulturelle Öffnung auf allen Regierungsebenen und innerhalb von traditionellen Organisationen betrieben werden – notfalls auch durch "top down"-Maßnahmen und die Schaffung eines geeigneten Rechtsrahmens für freiwilliges Engagement. Ein besonderer Schwerpunkt sollte auf jungen Migrantinnen und Migranten liegen sowie auf Flüchtlingen und Asylbewerbern. Außerdem müssten auf europäischer Ebene europäische Netze von Freiwilligenorganisationen und Migrantenselbstorganisationen geschaffen und Verbindungen für die Zusammenarbeit mit den nationalen Kontaktstellen für Integration geschaffen werden.

Die Forschungspapiere sind auf der Website von INVOLVE zugänglich.

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