Internationale Jugendarbeit auf dem Land: Akteure und Herausforderungen am Beispiel Brandenburgs

Internationale Jugendarbeit ist in vielen kreisabhängigen Kommunen wieder verstärkt ein Thema. JUGEND für Europa traf in Potsdam die Projektarbeitsgruppe "Strategien zur Förderung der grenzüberschreitenden Jugendmobilität" mit fünf engagierten Kreisen bzw. kreisangehörigen Kommunen.

Aktuell beschäftigt sich die Arbeitsgruppe mit der Frage, gemeinsam mit europäischen Partnerkommunen, eine Strategische Partnerschaft zum Austausch guter Praxis im Programm Erasmus+ JUGEND IN AKTION zu beantragen. Die Strategische Partnerschaft böte die Chance, die unterschiedlichen Ausprägungen internationaler Jugendarbeit auf kommunaler Ebene im europäischen Vergleich zu ermitteln und voneinander zu lernen, mit welchen Mitteln sie ausgeweitet und vorangebracht werden kann. Das konkrete Thema der Strategischen Partnerschaft soll zusammen mit den europäischen Partnern festgelegt werden.

Das Land Brandenburg hat ein Personalkostenförderprogramm für Jugendarbeit, adressiert an die Landkreise, aufgelegt. Viele Kommunen sind bereit, die geforderte Eigenfinanzierung aufzubringen und koppeln dabei Jugendarbeit und Sozialarbeit bzw. Sozialarbeit an Schulen. So sei, unterstrichen die Mitglieder der Projektarbeitsgruppe, das Interesse an grenzüberschreitenden Maßnahmen in den Kommunen wieder gewachsen.

Brandenburg fördert seit drei Jahren die Arbeit dieser Arbeitsgruppe, finanziert eine begleitende Beratung und ist als Ministerium der „Motor“ der Netzwerkarbeit. Im Rahmen des Treffens mit JUGEND für Europa stellten die Teilnehmer den aktuellen Stand der Entwicklung der internationalen Jugendarbeit in ihren Kommunen vor. Daraus ergab sich ein interessanter Überblick über konkrete Herausforderungen und beteiligte Akteure, mit von Kommune zu Kommune sehr unterschiedlichen Chancen und Hindernissen.

Allerdings gibt es auch Hindernisse: Einige Bürgermeister betrachteten die eingangs erwähnten Stellenanteile als Teil des kommunalen Stellenplans und nutzen die Fachkräfte der Jugendarbeit auch für andere Aufgaben. Trotzdem schlossen sich beispielsweise in einem Landkreis Jugendarbeiter aus verschiedenen Kommunen zu einem planregionübergreifenden Netzwerk zusammen und führen mit vereinten Kräften ein großes internationales Jugendfestival über 7 Tage und mit Teilnehmern aus 6 Ländern durch.

Grenzüberschreitende Willkommenskultur

In einer kleinen Kreisstadt an der Oder stellt sich die Situation etwas anders dar. Dort gibt es eine sehr aktive Initiativgruppe von Jugendlichen mit guten Kontakten nach Polen und der selbstverständlichen flussübergreifenden Nutzung von Angeboten und Aktivitäten sowie dem aktiven Zugehen auf junge Flüchtlinge und ihre Beteiligung an lokalen Aktivitäten. Die Jugendlichen sind in dieser Kommune Multiplikatoren der Zukunft in Sachen „Mobilität im Kopf und im Raum“. Um die Initiativen zu stärken ist eine Stellenausweitung im Bereich der Jugendpflege möglich, allerdings fehlt es an geeigneten Bewerbern für die Kommune im abgelegenen Oderbruch.

Ein anderer Landkreis - ebenfalls an der Grenze zu Polen - eine andere Situation. Die internationale Arbeit und Jugendarbeit wird auf der Dezernentenebene hoch gehandelt, es gibt kreisübergreifend zwei Fachkräfte für Internationales, es gibt kommunale Mittel für die Förderung internationaler Jugendbegegnungen, der Förderbereich soll 2017 aufgestockt werden, die Jugendverwaltung ist aktiv. Zugleich werden die Mittel von den Trägern aber nicht konsequent abgefragt. Die Gründe für die Zurückhaltung sind unterschiedlich, so schaffen es Verwaltung oder kleine Träger vor Ort derzeit nicht, über „ihre“ Dorfgrenzen hinauszuschauen. Ziel ist hier zunächst, zwei Träger davon zu überzeugen, sich als Vorbild für andere international auf den Weg zu machen. Über allem steht die Frage, wie in diesem Landkreis eine nachhaltige Kultur internationaler Arbeit im Jugendbereich verankert werden kann.

Jugendliche sind weiter

Zusammenfassend kann festgehalten werden: Kommunale Strukturen sind kleinteilig und sehr von Personen abhängig. Die Kreisjugendämter sind oft weit weg. Einfallstore für internationale Jugendarbeit und europäische Impulse müssen vor Ort definiert und genutzt werden. Und oft sind Jugendliche in Sachen grenzüberschreitende Mobilität weiter als die Träger und Akteure, die ihnen eigentlich internationale Wege öffnen sollten. In jedem Fall bietet die landesweite Vernetzung der in den Landkreisen international tätigen Akteuren eine zusätzliche Chance, dass internationale und europäische Arbeit vor Ort gelingen kann.

JUGEND für Europa

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