Innovationsfreundlich: Deutscher Verein empfiehlt Angebote grenzüberschreitender Lernerfahrungen als integralen Bestandteil der kommunalen Jugendhilfeplanung

Der Deutsche Verein für öffentliche und private Fürsorge hat Empfehlungen zur Anerkennung und Förderung von grenzüberschreitenden Lernerfahrungen für junge Menschen auf kommunaler, regionaler und nationaler Ebene veröffentlicht.

Grenzüberschreitende Lernerfahrungen sind nach Auffassung des Deutschen Vereins (DV) alle Erfahrungen und Kompetenzen, die im Rahmen eines europäisch oder international ganzheitlichen Lernkontextes gewonnen werden.

Die Empfehlungen machen den persönlichen sowie den gesamtgesellschaftlichen Nutzen von Mobilitätsmaßnahmen für junge Menschen deutlich und führen Faktoren auf, die Voraussetzung für eine gelungene Mobilität sind. Der DV verweist dabei nicht nur auf den europäischen Integrationsprozess, sondern insbesondere auf die zunehmende Migration und Einwanderung. Beides führe zu veränderten Kompetenzanforderungen sowie zu einer globaleren Verantwortungsübernahme.

„Dabei wird ein ganzheitliches Bildungs- und Lernverständnis zugrunde gelegt und die Notwendigkeit der Einbeziehung aller Jugendlichen in solche Maßnahmen betont“. So holt der DV die Mobilitätmaßnahme aus dem traditionellen jugendhilfepolitischen Blick heraus: Mobilität sei nicht nur Angelegenheit der europäischen und internationalen Jugendarbeit im Sinne des § 11 SGB VIII. Es gelte vielmehr, grenzübergreifende Lernerfahrungen als Instrument für eine moderne Jugendpolitik zu begreifen und auszugestalten. In den fachpolitischen Anforderungen der Angebote, Maßnahmen, Konzepte sowie der Anerkennung begründen sich die Empfehlungen auf Erfahrungen aus der Praxis und auf Ergebnissen aktueller Studien.

In diesem Sinne betont der DV die Notwendigkeit für Strategien für die Beteiligung von benachteiligten Jugendlichen an grenzüberschreitenden Lernangeboten. Neben dem Bedarf an zielgruppenspezifischer Konzeption und Pädagogik wird insbesondere auch die Ansprache und Motivierung von benachteiligten jungen Menschen als Herausforderung angesehen. Neben der Empfehlung von Peer-to-Peer Maßnahmen als niedrigschwellige Informationsangebote wendet sich der Verein an die zuständigen Sachbearbeiter und Sachbearbeiterinnen in den Jobcentern vor Ort mit der Anregung, den vorhandenen Handlungsspielraum für die Förderung von Auslandsaufenthalten durch das SGB II und SGB III auszunutzen.

In der Frage der finanziellen Rahmenbedingungen geht der DV weiter als bisherige Beratungen, indem er empfiehlt, Angebote grenzübergreifender Lernerfahrungen zu einem integralen Bestandteil der kommunalen Jugendhilfeplanung zu machen. Durch die Verortung in der kommunalen Jugendhilfeplanung, die inhaltlich und finanziell durch den Jugendhilfeausschuss bestimmt werde, werde die Förderung von grenzüberschreitenden Lernerfahrungen zu einer regulären Aufgabe. Dies impliziere die Aushandlung von jugendpolitischen Schwerpunkten, fachlichen Standards und die finanzielle Ausstattung. Wichtig dabei sei, die verantwortlichen Jugendhilfeplaner und –planerinnen frühzeitig einzubinden.

Der Bund wird aufgefordert, ressortübergreifend zu prüfen, ob und wie sich mobilitätsfördernde Aspekte in bestehende Förderprogramme einbinden lassen. Bund und Länder sollten ihre Förderrichtlinien so ausgestalten, dass sich unterschiedliche Förderinstrumente besser kombinieren lassen. Damit spricht der Deutsche Verein bekannte Probleme an, die insbesondere immer wieder von freien Trägern als hinderlich kritisiert werden.

Der zweite Teil des Dokuments befasst sich ausführlich mit den Qualitätskriterien für Mobilität, von der Entwicklung integrierter kommunaler Konzepte, dem Aufbau von internationalen Kooperationen und Kontakten, der Vorbereitung, Begleitung und Nachbereitung bis hin zur Fort-und Weiterbildung der Fachkräfte und der Anerkennung von Mobilitätserfahrungen.

Der Deutsche Verein für öffentliche und private Fürsorge (DV) knüpft an das steigende Bewusstsein und fachliche Verständnis für die Bedeutung von grenzüberschreitenden Lernerfahrungen für junge Menschen an, das insbesondere durch die Entwicklung der Eigenständigen Jugendpolitik sowie der Umsetzung der EU-Jugendstrategie befördert wird. Die Empfehlungen wurden am 08. Mai 2012 vom Präsidium des DV verabschiedet. Die Vorarbeit zu wurde in einer Arbeitsgruppe „Grenzüberschreitende Mobilität“ sowie in dem Fachausschuss „Jugend und Familie“ des DV geleistet. Diese brachte Vertreter und Vertreterinnen von Wohlfahrtsverbänden, öffentlichen kommunalen und obersten Landesjugendbehörden sowie Praxis und Wissenschaft zusammen, die Expertise aus der europäischen und internationalen Jugendarbeit und -politik einbrachten.

Die Empfehlungen, die sich an Fach- und Führungskräfte in der Jugendhilfe und Jugendpolitik richten, stellen einen wichtigen Impuls und wichtige Anknüpfungspunkte an die Umsetzung der EU-Jugendstrategie auf kommunaler, regionaler und nationaler Ebene dar.

(Quelle: Deutscher Verein)

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