Infopost: NRW-Ministerin Löhrmann schreibt sich mit EU-Kommissar Tibor Navracsics

Sylvia Löhrmann, Schul- und Bildungsministerin in Nordrhein-Westfalen, hat mit einem Briefwechsel dem EU-Kommissar für Bildung, Kultur, Jugend und Sport interessante Neuigkeiten entlockt.

„Liebe Ministerin“, schrieb EU-Kommissar Tibor Navracsics im Mai dieses Jahres, „vor mehr als einem Jahr haben wir gemeinsam die Pariser Erklärung (siehe auch NEWS) verabschiedet und nun erscheinen deren Ziele wichtiger denn je. Die aktuellen terroristischen Angriffe in Brüssel erinnern uns daran, dass der Kampf gegen gewalttätigen Extremismus auch die zugrundeliegenden Faktoren betreffen muss, die den fruchtbaren Boden für radikale Ideologien bilden. Wie Sie alle wissen, spielt Bildung in all ihren Formen, als Jugendaktivitäten, Kultur und Sport dabei eine zentrale Rolle.“

Ministerin Sylvia Löhrmann hatte sich 2015 als Bundesratsbeauftragte für den Bildungsministerrat mit dem Kommissar im Anschluss an die Sitzung, auf der die Pariser Erklärung von den Bildungsministerinnen und -ministern verabschiedet wurde, zu einem Gespräch getroffen. Navracsics präsentiert in seinem Brief nun die Maßnahmen der EU, die die Ziele der Erklärung unterstützen sollen. Öffentlich wurde der Brief durch die Antwort von Sylvia Löhrmann im August.

Maßnahmen angekündigt

Natürlich betont der Kommissar in seinem Schreiben Erasmus+ als zentrales Instrument. Er erwähnt die mehr als 400 Mio. Euro für transnationale Partnerschaften im Jahr 2016 und den 13-Mio-Euro starken Aufruf unter der Leitaktion 3 „Soziale Integration durch Projekte in den Bereichen allgemeine und berufliche Bildung und Jugend“ vom März dieses Jahres. Außerdem berichtet er von zwei Broschüren,

die die Maßnahmen und Politiken der Mitgliedstaaten zusammenfassen. Beide betreffen mal wieder nur den formalen Bildungsbereich.

Aber, so Navracsics, seien das nur erste Schritte. Um „das Beste aus unseren Fördertöpfen und Politikinstrumenten zu machen“ kündigt er für 2016 und 2017 weitere Maßnahmen an.

Für den Jugendbereich:

  • die Förderung des Dialogs durch virtuellen Austausch: „Erasmus+ Virtual Exchanges“ soll bis 2019 mehr als 200.000 junge Menschen aus Europa, dem Mittleren Osten und Afrika zusammenbringen. (Ein Vorschlag, der auf Twitter ein nur verhaltenes Echo auslöste, da so eine Plattform eine kontinuierliche Pflege und Moderation benötigt);
  • ein spezielles Toolkit mit Methoden und Fallbeispielen für das Training von Mitarbeitenden in der Jugendarbeit mit benachteiligten und marginalisierten Jugendlichen,
  • eine Stärkung des Europäische Freiwilligendienstes und dessen Öffnung für eine größere Bandbreite von Jugendlichen und Organisationen (mit mehr Mitteln 2017);
  • eine Verstärkung der Förderung von Graswurzel-Jugendprojekten in Erasmus+, neuer Akteure wie Kommunen und lokaler Initiativen in größeren Partnerschaften.

Weitere Ankündigungen sind:

  • die Mobilisierung von Fördergeldern: die Fortsetzung der Priorität „Umsetzung der Pariser Erklärung“ in der Förderung unter Erasmus+ für 2017;
  • mehr Wissen über gute Praxis: die Entwicklung eines politischen Rahmens für die Förderung von Inklusion und Grundwerten durch Bildung, ein Online-Kompendium guter Praxis zum Thema und für 2017 eine Studie (von Eurydice), die die Struktur, Inhalte und Praxis politischer Bildung bzw. des Politikunterrichts in den Mitgliedstaaten untersuchen soll;
  • die Unterstützung von Lehrkräften und Schulen: die Einrichtung eines Netzwerks von „Botschaftern für Inklusion“ („positive Rollenmodelle“ wie Unternehmer, Künstler, Sportler oder ehemalige Extremisten bzw. Aussteiger) sowie eine Erweiterung des „Europäischen Toolkits für Schulen“, eine Online-Plattform, die Beispiele guter Praxis bringt, sowie die Aufforderung nach mehr Lehrerfortbildungskursen zur politischen Bildung unter Erasmus+
  • sowie die Stärkung der Inklusion durch den Sport durch die Auslobung eines Preises für soziale Inklusion im Sport 2017.

Frau Löhrmanns Antwort ist natürlich ganz schulbezogen. Sie ist gespannt auf die „Botschafter für Inklusion“ und mahnt in Sachen „virtuellem Austausch“ an, dass die Face-to-face-Kommunikation durch nichts zu ersetzen ist. Ihr eigener, direkter Austausch mit Navracsics hat ja schon mal einen Briefwechsel erbracht.

Dr. Helle Becker im Auftrag von JUGEND für Europa

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