01.01.2008Soziale Integration

Idealistische Ziele, pragmatisches Vorgehen: Experten empfehlen Integrationsstrategie

Die unabhängige Hochrangige Expertengruppe für die Integration ethnischer Minderheiten der EU-Kommission legt acht Strategieempfehlungen vor.

via Pressedienst der Europäischen Kommission

Die zunehmende Vielfalt innerhalb der Gesellschaften durch interne und externe Migrationsströme und zunehmende soziale Spannungen gab Vladimír Špidla, EU-Kommissar für Chancengleichheit, als Grund an, das Potenzial zur sozialen Integration ethnischer Minderheiten systematisch zu untersuchen. Die im Januar 2006 von der Europäischen Kommission unabhängige Hochrangige Expertengruppe für die Integration ethnischer Minderheiten legte nun ihren Bericht "Ethnische Minderheiten auf dem Arbeitsmarkt. Ein dringender Aufruf zur besseren sozialen Integration" vor.

Die Aufgabe der Gruppe unter dem Vorsitz der früheren Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth bestand darin, Barrieren aufzuzeigen, die Angehörige ethnischer Minderheiten an einer vollen Teilhabe am Arbeitsmarkt und an der Gesellschaft im Allgemeinen hindern, und bewährte Verfahren aus Politik und Wirtschaft herauszustellen. In der Gruppe kamen zehn Vertreterinnen und Vertreter internationaler Organisationen, der Medien, der Politik, von Gleichstellungsstellen und NGOs zusammen.

Die Gruppe konnte 14 wichtige Barrieren erkennen, die einer Eingliederung ethnischer Minderheiten auf dem Arbeitsmarkt entgegenstehen. Dazu gehören einmal der Mangel an Qualifikationen und dann die Tatsache, dass Qualifikationen in den EU-Mitgliedstaaten nicht anerkannt werden, fehlender Zugang zur allgemeinen und beruflichen Bildung, bürokratische Hindernisse, negative Anreize durch Sozialfürsorgesysteme und - was am wichtigsten ist - stereotype Vorstellungen, Vorurteile und Diskriminierungen. Durch diese Barrieren entsteht ein Teufelskreis, der sich von einer Generation zu nächsten verstärkt, wenn keine wirksamen Gegenmaßnahmen ergriffen werden.

Die Hochrangige Expertengruppe spricht folgende Empfehlungen aus:

  1. Die Eingliederung von Angehörigen ethnischer Minderheiten in die Gesellschaft, insbesondere in den Arbeitsmarkt, sollte zu einer Priorität auf der politischen Agenda werden.
  2. Die Einbeziehung der Chancengleichheit und der Gleichstellung von Frauen und Männern in alle Politikbereiche sollte weiterverfolgt werden.
  3. Spezielle Hürden, die der Eingliederung von Angehörigen ethnischer Minderheiten entgegenstehen, sollten ausgemacht und abgebaut werden.
  4. Man sollte eine nachhaltige, langfristige Strategie zu Gunsten integrativer Arbeitsmärkte mittels einer gezielten, aber nicht an ethnischen Gesichtspunkten ausgerichteten Vorgehensweise verfolgen.
  5. Es sollten unter Nutzung sämtlicher Möglichkeiten alle relevanten Akteure mobilisiert und die Beiträge von Angehörigen ethnischer Minderheiten zum Leben der Gesellschaft bewertet werden.
  6. Die erforderlichen Mittel sollten bereitgestellt werden.
  7. Das gegenseitige Lernen sollte durch Herausstellung bewährter Verfahren, Weiterentwicklung des Wissensstandes und Ausbau der analytischen Instrumente unterstützt werden.
  8. Im Mittelpunkt sollten insbesondere Maßnahmen zur Verbesserung der Lage von Roma hinsichtlich Bildung, Beschäftigung, Gesundheitsfürsorge und Versorgung mit Wohnraum stehen.
Die Gruppe machte unter anderem anhand vorbildlicher Verfahren in den Mitgliedstaaten deutlich, dass nur ein entsprechender Policy-Mix, bei dem ein pragmatischer Ansatz mit einer Betonung der Menschenrechte verbunden wird, nachhaltige Lösungen bieten kann, indem er die Aufgabenbereiche Diskriminierungsverbot, Chancengleichheit und Umgang mit der Vielfalt gleichzeitig angeht.

Auch die Vorsitzende Rita Süssmuth unterstrich, dass ein ganzheitlicher, multidimensionaler Ansatz erforderlich ist: "Unsere Maßnahmen müssen in Zusammenarbeit mit den ethnischen Minderheiten konzipiert und alle Akteure müssen einbezogen werden, von Behörden über Unternehmen und Gewerkschaften bis zu NGO. Der Bericht (...) zeigt auch auf, dass dringend mehr Informationen darüber benötigt werden, auf welche Weise Diskriminierungen, kulturelle Faktoren und soziale Benachteiligungen interagieren. Politikgestalter auf lokaler, regionaler, nationaler und europäischer Ebene müssen sich weiterhin mit diesen Fragen auseinandersetzen und dabei das Wissen und die Erfahrungen von Experten aus verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen nutzen."

Weitere Informationen finden sich auf der Website der Hochrangigen Expertengruppe

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