Haufenweise Kompetenzen: Die Teilnahme an JUGEND IN AKTION lohnt sich

JUGEND IN AKTION fördert Partizipation und aktive Bürgerschaft sowie die Weltoffenheit von Organisationen – so eine aktuelle Studie der Universität Innsbruck.

Bürgerkompetenz auf der ganzen Linie – so könnte man die Ergebnisse der Studie zusammenfassen, die die unmittelbaren Effekte von JUGEND IN AKTION auf die Teilnehmenden, aber auch auf die beteiligten Organisationen und das lokale Umfeld, untersuchte.

Die Studie, für die 3.470 Teilnehmerinnen und Teilnehmern und 1.215 Projektleitungen befragt wurden, wurde im Rahmen des europäischen Forschungsprojekts RAY (Research-based Analysis and Monitoring of the Youth in Action Programme) erstellt, das mit Hilfe der Nationalagenturen von 15 Programmländern seit 2008 das Programm evaluiert.

Aufs Individuum bezogen

Interpersonale, soziale und interkulturelle Kompetenzen sowie Sprachkenntnisse werden sowohl bei Teilnehmerinnen und Teilnehmer als auch Projektleitungen gefördert. Diese Kompetenzen umfassen nicht nur Fertigkeiten oder Wissen, sondern auch Haltungen und Werte wie Respekt vor anderen Kulturen und kulturellen Unterschieden, Solidarität, Toleranz und Freiheit, das Gefühl, Europäer zu sein, das Wissen und Interesse von und an Europa sowie an Jugendpolitik oder gesellschaftlichen Fragen. Eine Teilnahme am Programm, so die Forscherinnen und Forscher der Universität Innsbruck, stärkt alle Europäischen Schlüsselkompetenzen für Lebenslanges Lernen – zum Beispiel auch Unternehmergeist oder Lernkompetenz (Lernen zu lernen). Die Studie bestätigt damit auch auf europäischer Ebene die bisher auch an anderen Stellen erhobenen Erkenntnisse, zum Beispiel im Bericht zur nationalen Umsetzung von JUGEND IN AKTION in Deutschland „Unter der Lupe“.

Auch Organisationen lernen

Aber nicht nur auf der individuellen Ebene wurden Wirkungen ausgemacht. Signifikante Ergebnisse gab es auch für Effekte auf die beteiligten Organisationen oder Gruppen. So berichteten Projektleitungen, dass sie von einer Teilnahme am Programm vielfältig profitieren: Neben dem schon genannten individuellen Kompetenzerwerb qualifizieren sich Ehrenamtliche wie Mitarbeiterinnen und Mitarbeit der Jugendarbeit auch im Hinblick auf ihre pädagogischen Fähigkeiten, besonders natürlich für die Berieche nicht formale Bildung und internationale Jugendarbeit – 83% bestätigen dies. Nicht zuletzt glauben viele, dass sich ihre Berufschancen durch die Organisation europäischer Projekte verbessert haben. Gleichzeitig hat die Durchführung eines von JUGEND IN AKTION geförderten Projektes Wirkungen auf die Organisationen, und zwar unabhängig davon, ob diese im Projekt die Gastgeber- oder eine Gastrolle einnahmen. Sie werden internationaler und fühlen sich mehr als zuvor verpflichtet, Partizipation und aktive Bürgerschaft auch mit ihren anderen Aktivitäten zu fördern. So ist es auch nicht verwunderlich, dass die große Mehrheit der Projektverantwortlichen schon einmal oder häufiger an JiA-Projekten teilgenommen hat; eine Tatsache, die auch zur Qualitätsentwicklung der entsprechenden Maßnahmen beiträgt. Träger von JiA-Maßnahmen würden so zu „lernenden Organisationen“, so die Studie.

Und Inklusion?

Eine Grauzone scheint die Frage nach der Zusammensetzung der Teilnehmerschaft des Programms zu sein. Die Forscher berichten von einer deutlichen Zweitteilung der Teilnehmerschaft an JUGEND IN AKTION-Projekten. Auf der einen Seite gibt es die Gruppe der Jugendlichen, die gut ausgebildet, in Arbeit oder Freiwilligentätigkeiten sind. Hier weiß man, dass dies die Mehrheit der Programmbeteiligten ist. Und es gibt die Gruppe derjenigen, die das Programm besonders ansprechen will: Junge benachteiligte Menschen, die mit Hindernissen in Bildung, Arbeit, Mobilität und Teilhabe zu kämpfen haben. Obwohl nach einschlägigen Indikatoren wie Migrationshintergrund oder die Zugehörigkeit zu Minderheiten gefragt wurde, mögen die Forscher die Größe dieser Gruppe kaum einschätzen: Wer ist oder fühlt sich benachteiligt? Immerhin rechnen sich nach Frage 20-30% der Teilnehmenden selbst dazu. Und es ist ein Trend auszumachen: Die größte Gruppe von Verantwortlichen aus der Jugendarbeit, die an Trainings- und Netzwerkprojekten teilnehmen, arbeiten mit Benachteiligten.

Kritisch: Zuschnitt und Dauer

Kritisch beschäftigt sich die Studie mit den einzelnen Aktionen des derzeitigen Jugendprogramms. Hier gibt es deutliche Unterschiede in Effektivität und Effizienz. „Allrounder“ wie Jugendbegegnungen und Trainings- und Netzwerkprojekte schneiden am besten ab. Sie haben die deutlichsten Effekte in Bezug auf Breite und Intensität. „Spezialisten“ wie Jugenddemokratieprojekte oder Projekte des Strukturierten Dialogs fördern dagegen nur einige wenige Effekte und auch nicht in einer vergleichbaren Intensität wie die Allrounder. Ein Ergebnis aber wird die Jugendarbeit aufatmen lassen: „Es gibt keine Hinweise, dass die Projektdauer einen Effekt auf die Wirkungen hat.“

Nicht alles rosig

Auch wenn die Ergebnisse durchweg positiv sind: Es ist nicht alles rosig. Viele der an europäischen Projekten beteiligten Organisationen und Mitarbeiter leiden unter Ressourcenmangel – prekäre Arbeitsverhältnisse und eine mangelnde Absicherung in der Regelarbeit zuhause sind die Folgen.

Das Programm JUGEND IN AKTION wird auch weiterhin bis 2013 von RAY begleitet werden. Der vorliegende Bericht ist bisher der zweite und umfasst Daten, die zwischen November 2012 und Mai 2011 erhoben wurden. Ab Herbst 2012 sollen zusätzlich qualitative Methoden eingesetzt werden.

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