23.03.2010Soziale Integration

Halbieren wäre was: EU-Strategie ignoriert Kinderarmut, sagt Eurochild

Die europäische Organisation Eurochild moniert, dass die von der Kommission vorgelegte EU-Strategie 2020 ihre wichtigste Zielgruppe ignoriert.

via Eurochild

19 Millionen Kinder in der Europäischen Union leben mit einem Armutsrisiko, das ist eines von fünf. Dennoch, so Eurochild, versäumt es die von der EU vorgeschlagene Leuchtturm-Initiative einer "Europäischen Plattform gegen Armut" Kinder als besondere Risikogruppe zu erwähnen. "Das Ziel, die Anzahl der Europäer, die unter der nationalen Armutsgrenze leben, um 25% zu reduzieren, begrüßen wir", sagte Jana Hainsworth, Generalsekretärin von Eurochild. Aber die allgemeine Armut zu reduzieren, bedeute nicht automatisch, dass die Kinderarmut zurückgeht. Die gesetzten Ziele sollten auf die unterschiedlichen Altersgruppen heruntergebrochen werden. Alles andere sei "eine Verletzung von Kinderrechten und eine Verschwendung von Humanpotenzial". Kinder haben ein höheres Armutsrisiko als die Gesamtbevölkerung, nämlich 20% im Vergleich zu 16%. Kinderarmut hat auch eine langfristige Wirkung auf den wirtschaftlichen Wachstum Europas. Allerdings, so Eurochild, sei Kinderarmut nicht nur ein ökonomisches Problem. Sie ist ein mehrdimensionales Phänomen, das Bereiche wie Wohnen, Gesundheit, Bildung, Sicherheit, Umwelt und gesellschaftliche Teilhabe umfasst.

Auch die Minister für Beschäftigung und Soziales in der EU hoben in ihrer letzten Sitzung hervor, dass "mehr explizite Fein-Ziele die spezifischen nationale Situation besser treffen". Die Aufmerksamkeit auf Kinder jedoch blieb auch hier gering, trotz der wiederholten Beteuerungen in vergangenen Ratsbeschlüssen, die Kinderarmut zu bekämpfen, und trotz der Tatsache, dass die Kinderarmut laut letzter (Vor-Krise-)Daten in der EU wieder gestiegen ist.

Eurochild fordert von den Staats- und Regierungschefs als spezifisches Ziel, die Kinderarmut bis 2020 um 50% zu reduzieren. Die Europäische Kommission wird aufgefordert, eine Empfehlung zu Kinderarmut und -wohlbefinden zu verabschieden. Die Organisation sammelt deshalb 100.000 Unterschriften im Laufe des Europäischen Jahres 2010 gegen Armut und Soziale Ausgrenzung, für eine Aktion gegen Kinderarmut und für Kinder-Wohlergehen. Mehr Informationen dazu gibt es auf den Internetseiten www.endchildpoverty.eu.