Händeringend: Bildungs- und Jugendrat beraten Maßnahmen zur Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit

Aus unterschiedlichen Blickwinkeln haben sich der Rat der Bildungs- und der Jugendminister der EU in ihren jeweiligen Sitzungen am 10./11. Mai mit Initiativen befasst, die zur Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit beitragen sollen.

Kreativität und Potentiale junger Menschen anerkennen

Der Rat der Jugendminister und –ministerinnen nahm Schussfolgerungen zur Förderung des Kreativitäts- und Innovationspotenzials junger Menschen an und machte deutlich, dass nicht formales und informelles Lernen sowie Jugendarbeit und Jugendorganisationen wichtige Wege zum Erwerb notwendiger Fähigkeiten und Kompetenzen seien. Junge Menschen müssten unbedingt am Arbeitsmarkt beteiligt werden, damit ihr Kreativ- und Innovationspotenzial genutzt und aktiver Bürgersinn und soziale Inklusion sichergestellt werden könnten, formuliert der Jugendrat seine Grundforderung. Er weist hier beispielhaft auf die Jugendinitiativen im Programm JUGEND IN AKTION hin, die gerade den kreativen Unternehmergeist bei jungen Menschen anregten und förderten.

An die Adresse der Mitgliedstaaten empfiehlt der Rat unter anderem,

  • Kreativität und Innovationsfähigkeit junger Menschen durch Angebote der persönlichen und sozialen Entwicklung zu fördern und die Sicherung der Jugendarbeit zu gewährleisten,
  • eine angemessene und nachhaltige Finanzierung der Angebote zu ermöglichen,
  • sich für strategische Partnerschaften zwischen Jugendorganisationen, Behörden auf lokaler, regionaler und nationaler Ebene sowie dem Privatsektor einzusetzen, um Jugendinitiativen anzuregen,
  • die Anerkennung und Validierung von nicht formalem und informellem Lernen zu verbessern.

Für den fachpolitischen Austausch nach Annahme der Schlussfolgerungen hatte die dänische EU-Präsidentschaft den Beitrag der Jugendarbeit bei der Lösung der Jugendarbeitslosigkeit zur Diskussion gestellt. Die präsentierten Beispiele der Mitgliedstaaten zeigten Projekte als auch jugendpolitische Konzepte zur Förderung der Kreativität und Innovation bei jungen Menschen, die arbeitslos sind und keine allgemeine oder berufliche Ausbildung absolvieren. Am Ende wurde deutlich, dass die Stärkung des Freiwilligendienstes und die bessere Anerkennung des nicht formalen und informellen Lernens zwei zentrale Beiträge der Jugendpolitik darstellen.    

Es wurde verabredet, eine Expertengruppe auf Ebene der EU einzurichten mit dem Auftrag, „vorbildliche Verfahren auszutauschen, bei denen die Kreativität und Innovationsfähigkeit junger Menschen dadurch gefördert werden, dass durch nicht formales und informelles Lernen erworbene Kompetenzen und Fähigkeiten, die für die Beschäftigungsfähigkeit von Belang sind, ermittelt werden.“ Der so formulierte Auftrag muss nun von der Europäischen Kommission inhaltlich geschärft und werden.

Benchmark Beschäftigungsfähigkeit festgelegt

Der Bildungsrat der EU befasste sich mit der Benchmark zur Beschäftigungsfähigkeit von Absolventen allgemeinbildender und beruflicher Bildungsgänge. Mit dieser neuen europäischen Benchmark versprechen sich Rat und Kommission die Ermittlung von Bildungs- und Ausbildungsmaßnahmen, mit denen der Übergang von der allgemeinen und beruflichen Bildung ins Erwerbsleben erleichtert und die Beschäftigungserfolge verbessert werden. Beschäftigungsfähigkeit wird als eine Kombination von Faktoren verstanden, die dem Einzelnen ermöglichen, „Fortschritte auf dem Weg ins Erwerbsleben zu machen oder ins Erwerbsleben einzutreten, dort zu  verbleiben und beruflich voranzukommen“. In der Diskussion wurde deutlich, dass Beschäftigungsfähigkeit über die Politik der allgemeinen und beruflichen Bildung hinausgeht und von weiteren Determinanten, wie z.B. Arbeitsmarktregulierungen, aber auch Qualität der Arbeitsplätze, die Struktur der Wirtschaft und die allgemeine Wirtschaftslage beeinflusst wird. Mit der Benchmark liegt der Fokus auf den Leistungen von Bildung und Berufsbildung für die Vorbereitung auf den Arbeitsmarkt, was sicher auch einen gewissen Vergleich der Bildungs- und Berufsbildungssysteme nach sich ziehen wird.

Der europäische Bezugswert sagt aus, dass der Anteil erwerbstätiger Absolventen im Alter von 20-34 Jahren, die das allgemeine und berufliche Bildungssystem seit höchstens drei Jahren vor dem Referenzjahr verlassen haben, bis zum Jahr 2020 mindestens 82 % betragen sollte. Dabei wird die Gruppe von Menschen in den Blick genommen, die mindestens über die Sekundarstufe II (wie Abitur, Abschluss Berufsausbildung Duales System und Berufsfachschulen), eine postsekundäre, nicht-tertiäre Qualifikation (Abschluss Fach-, Berufsoberschulen) oder den Hochschulabschluss verfügen. Der Anteil der erwerbstätigen Absolventen ist in der EU gesunken, von 81 % in 2008 auf 76,5 % in 2010. In Deutschland liegt die Quote aktuell bei 84,7%.

Jugend- und bildungspolitische Schwerpunkte der zypriotischen EU-Präsidentschaft

Die zukünftige EU-Ratspräsidentschaft Zypern nutzte die Sitzungen der Räte, um über ihre politischen Schwerpunkte der zweiten Hälfte 2012 zu informieren. Als übergreifendes Thema wird die „soziale Inklusion“ auf der Tagesordnung stehen. Jugendpolitisch werden zwei Schwerpunkte in die gemeinsame Arbeit eingebracht:

  • die Förderung der Beteiligung junger Menschen und der sozialen Inklusion, mit besonderer Berücksichtigung junger Menschen mit Migrationshintergrund sowie
  • die Förderung der gesellschaftlichen Integration junger Menschen.

Zum erstgenannten Thema sollen Schlussfolgerungen verabschiedet werden. Der Jugendrat der EU wird sich darüber hinaus mit zwei Entschließungsvorschlägen befassen, zum Zwischenstand der Umsetzung des Strukturierten Dialogs und zum zweiten EU-Jugendbericht, die beide im September von der EU Kommission in die Diskussion gebracht werden.

Die bildungs- und berufsbildungspolitischen Prioritäten des zukünftigen EU-Vorsitzes sind die Bekämpfung des  Analphabetismus, die Gleichheit und Exzellenz in der Berufsbildung sowie das Follow-up zur Umsetzung des strategischen Rahmens für die europäische Zusammenarbeit auf dem Gebiet der allgemeinen und beruflichen Bildung.

Ein gemeinsames Thema der Bildungs- und Jugendpolitiker der EU könnte die Beratung einer Empfehlung zur Anerkennung des nicht formalen und informellen Lernens sein. Die Veröffentlichung des Vorschlags wurde von der EU Kommission für Juni dieses Jahres angekündigt.

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