06.07.2011Freiwilliges Engagement

Gut für alles: Polnische Ratspräsidentschaft möchte Freiwilligenarbeit zertifizieren

Der Entwurf einer Ratsentscheidung lobt die Freiwilligenarbeit und möchte mehr Vereinheitlichung in Europa.

Wofür Freiwilligenarbeit nicht alles gut ist: für die Beschäftigungs- und Sozialpolitik, für Chancengleichheit, Sozialfürsorge, Bildung und Jugend, Kulturpolitik, Regionalpolitik, Forschung und Entwicklung, Sport und Gesundheitspolitik, Umweltschutz, Verbraucherschutz, Humanitäre Hilfe und Entwicklungspolitik... Natürlich schafft Freiwilligenarbeit Mobilitäts- und Bildungsgelegenheiten, in denen Bürgerinnen und Bürger neue Kompetenzen gewinnen und Zusammengehörigkeitsgefühl erfahren können. Junge Menschen können beschäftigungsrelevante Kenntnisse erlangen und erhalten so einen sanften Übergang in den Arbeitsmarkt. Falls nicht, hält Freiwilligenarbeit in Zeiten der Arbeitslosigkeit aktiv. Womit sie auch – damit war zu rechnen – zu den Zielen der Strategie Europa 2020 beiträgt. Aber: Freiwilligenarbeit kann bezahlte Beschäftigung nicht ersetzen.

Furios beginnt der Entwurf einer Ratsentschleißung, den die polnische Ratspräsidentschaft erstellt hat. Darin wird der Rat für Beschäftigung und Soziales aufgerufen, Freiwilligenarbeit sozialpolitisch abzusichern. Mitgliedstaaten und EU-Kommission sollen den Wert von Freiwilligenarbeit „als eine Form der nicht formalen und informellen Bildung fördern, die dazu beiträgt, neue Fähigkeiten und Kompetenzen in jedem Alter und in jeder sozialen Gruppe hervorzubringen.“ Dafür, so eine Idee, soll ein einheitliches Rahmenwerk zur Anerkennung professioneller Qualifikationen und Kompetenzen, die man durch Freiwilligenarbeit erlangen kann, aufgestellt werden – vergleichbar mit dem Europass oder dem Youthpass. Die Kommission soll ein Weißbuch mit einheitlichen Maßnahmen zur Verbesserung der Freiwilligentätigkeit in Europa erstellen.

Außerdem soll sie ein Indikatorensystem erarbeiten, mit dem die Rolle der Freiwilligenarbeit innerhalb relevanter EU-Politikbereiche bewertet werden kann. Diese wären dann auch eine Grundlage für die Vergleichbarkeit von Daten und für die Identifizierung von bestehenden und neuen Bereichen für Freiwilligenarbeit, die eine engere Kooperation in Europa verlangen. 

Polen macht damit im Europäischen Jahr der Freiwilligentätigkeit einen eigenen Aufschlag, fast so, wie es sich das polnische „Institut für Öffentliche Angelegenheiten“, das unter anderem Politikberatung macht, vor einigen Tagen in einer Stellungnahme „Europäische Partnerschaft für Freiwilligentätigkeit: Eine Gelegenheit für die Polnische EU-Ratspräsidentschaft“ gewünscht hatte. Wie kompatibel die Vorschläge mit den Plänen von Parlament und Kommission sind, wird man sehen.

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