Gewisse Grundsätze: Kommission will Ratsempfehlung zu Qualitätskriterien für Praktika in der EU

Nachdem sich europäische Gewerkschaften und Arbeitsgeberverbände nicht auf eine gemeinsame Initiative zur Definition von Qualitätskriterien für Praktika in der EU verständigen konnten, kümmert sich die EU-Kommission jetzt selbst darum.

In ihrem Vorschlag vom 4.12.2013 empfiehlt sie den EU-Ländern, gewisse Grundsätze - insbesondere bezogen auf Lerninhalte und Arbeitsbedingungen von Praktika - in nationalen Rechtsvorschriften und nationaler Praxis zu berücksichtigen. Sie nimmt dabei die zwei zentralen Probleme in den Blick, die sich hier durch Studien und Umfragen herauskristallisiert haben:

  • Unzureichender Lerninhalt wurde von vielen beklagt, weil Praktikantinnen und Praktikanten oft untergeordnete Aufgaben verrichten müssen;
  • Unangemessene Arbeitsbedingungen zeichnen sich durch Überstunden, nicht zufriedenstellende Abdeckung von Gesundheits-, Sicherheits- oder Berufsrisiken, durch geringe oder keine Bezahlung oder Aufwandsentschädigung sowie eine unklare rechtliche Situation, aber auch eine zu lange Dauer aus.

Dabei werden Praktika als wichtiges Angebot bei der Realisierung der EU-Jugendgarantie gesehen, weil sie einerseits den Einstieg in das Arbeitsleben erleichtern helfen, andererseits eine Alternative für junge Menschen bei fehlenden Arbeitsplätzen darstellen. Praktika würden immer mehr zu einem Standard in unseren Arbeitsmärkten, angesichts dieser weiten Verbreitung wachse die Sorge hinsichtlich Lerninhalten und Arbeitsbedingungen, so die Kommission.

Zu den Grundsätzen für einen Qualitätsrahmen gehörten deshalb, laut Vorschlag, gerade solche Kriterien, die diese Schwächen beseitigen helfen:

  • eine schriftlichen Praktikumsvereinbarung,
  • beschriebene Lernziele,
  • festgelegte und transparente Arbeitsbedingungen,
  • Festlegung von Rechten und Pflichten,
  • angemessene Dauer,
  • angemessene Anerkennung von Praktika.

Praktikumsanbieter sollten bereits in den Praktikumsanzeigen detaillierte Angaben zu diesen Punkten machen.

Was die Dauer eines Praktikums angeht, so sollte es nach Meinung der Kommission nicht länger als sechs Monate sein, außer wenn eine längere Dauer gerechtfertigt ist, "z. B. bei unternehmenseigenen Schulungsprogrammen zur späteren Einstellung oder Praktika in einem anderen Mitgliedstaat". Letzteres sollte durch die Mitgliedstaaten gefördert werden, unter anderem durch Klärung des nationalen Rechtsrahmens für Praktika auf dem freien Markt, durch Festlegung klarer Regelungen für die grenzübergreifende Aufnahme und Endsendung von Praktikanten und durch Abbau der Verwaltungsformalitäten.

Die Empfehlung soll für alle Praktika auf dem freien Markt gelten, aber nicht für Praktika, die Bestandteil von formalen Bildungs- und Ausbildungsmaßnahmen oder Berufsbildungskurse sowie national als Teil der Ausbildung durch Rechtsvorschriften geregelt sind.

Die EU-Kommission schlägt einen straffen Zeitplan vor. Der Qualitätsrahmen soll schnellstmöglich, spätestens jedoch Ende 2014 umgesetzt sein, eine zuständige Behörde benannt und Arbeitsverwaltungen, Bildungseinrichtungen und Berufsbildungsanbietern eingebunden sein. Nun wird sich der Rat mit der Initiative befassen müssen.

(Quelle: JUGEND für Europa - Service- und Transferstelle EU-Jugendstrategie)

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