Gegen "die fehlende Anerkennung der internationalen Arbeit": Bundesbildungsministerium und Kultusministerkonferenz nehmen Stellung zum Grünbuch Mobilität

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und die Kultusministerkonferenz (KMK) haben sich im Rahmen der öffentlichen Konsultation zum Grünbuch der EU-Kommission "Die Mobilität junger Menschen zu Lernzwecken fördern" geäußert.

via BMBF

Die Förderung der Mobilität zu Lernzwecken sei ein zentrales Element der bildungspolitischen Zusammenarbeit in Europa, so BMBF und KMK. Auslandsaufenthalte junger Menschen zu Lernzwecken trügen dazu bei, Fähigkeiten auszubauen, Wissen zu vertiefen und die persönliche Entwicklung zu fördern. Ebenso erführen die teilnehmenden Personen den Wert der Zusammenarbeit über nationale Grenzen hinaus und verstünden sich stärker als europäische Bürger. Im Allgemeinen könnten darüber hinaus Verbesserungen bei den Sozialkompetenzen, bei den Sprachkenntnissen, beim Kulturbewusstsein und bei den beruflichen Kompetenzen der mobilen Personen festgestellt werden.

Dieses offensichtlich breite Bildungsverständnis setzt sich fort. So bietet die Stellungnahme eine Bestandaufnahme der derzeitigen mobilitätsfördernden Aktivitäten und Programme im Schul- und Hochschulbereich in Deutschland, und berücksichtigt, wenn auch lückenhaft und teilweise oberflächlich, die internationale und europäische Jugendarbeit sowie den Europäischen Freiwilligendienst. In Anbetracht der Tatsache, dass die (internationale) Jugendarbeit nach wie vor darum kämpfen muss, als "bildend" verstanden zu werden, ist man damit aber auf einem guten Weg.

Die Beispiele, wie Mobilitätsbarrieren herabgesetzt werden, informiert und beraten werden kann, werden von der Bundesebene und aus den Bundesländern berichtet. Als Informationsquellen werden unter anderem die Datenbank für Internationale Jugendarbeit (DIJA) erwähnt oder die bilateralen Jugendwerke bzw. Koordinierungsbüros des Jugendaustausches. EuroPeers wird als erfolgreicher Weg, Jugendliche anzusprechen, gelobt, ebenso wie Informationen und Erfahrungsberichte auf einschlägigen Websites wie www.youthreporter.eu.

Auch in Sachen Sprachförderung werden positive Beispiele aus der Jugendarbeit angeführt: die Sprachmittler bei internationalen Jugendbegegnungen und Workcamps, Sprachkurse im Rahmen des Europäischen Freiwilligendienst (EFD) oder der bilateralen Jugendwerke bzw. Koordinierungsbüros. Fragen der Qualitätssicherung oder des Mentoring und der Integration in die Gastumgebung scheint dagegen ein noch unterbeleuchtetes Gebiet zu sein. So wird zwar erwähnt, dass "im Rahmen des Europäischen Freiwilligendienstes Mentoring und Hilfestellungen für die Integration der Jugendlichen Voraussetzungen" sind, nicht jedoch erkannt, dass man davon eventuell auch lernen könnte. Statt dessen wird ausführlich auf die rechtlichen und organisatorischen Schwierigkeiten im Europäischen Freiwilligendienst (insbesondere die Antragsstellung für einen Freiwilligendienst in oder aus Drittländern) eingegangen.

Auch an Verbesserungsideen fehlt es in der Stellungnahme nicht. Ein Anliegen von BMBF und KMK ist die Altersgrenze: "Der im Grünbuch vorgegebene Altersrahmen von 16-35 Jahren ist vor dem Hintergrund der bereits bestehenden Austauschmöglichkeiten für jüngere Schüler/-innen und der erforderlichen Unterstützung der Mobilität von Lehrer/-innen, Bildungsfachleuten und sonstigen begleitenden Personen nach unten wie nach oben zu eng gefasst." Es sei wichtig, Jugendliche früh an sprachliche und interkulturelle Begegnungen heranzuführen. Auch der bestehenden Nachfrage von unter 18-jährigen Jugendlichen nach einem Europäischen Freiwilligendienst würden die Altersgrenzen nicht gerecht.

Vorgeschlagen wird darüber hinaus ein einheitliches Nachweissystem auf europäischer Ebene für alle internationalen Maßnahmen. Ein wenig unterbelichtet wird dabei die Tatsache, dass es mit Youthpass bereits ein funktionierendes System gibt, allerdings nur im Rahmen von JUGEND IN AKTION. Nicht zuletzt denkt man darüber nach, wie mehr Jugendliche für Mobilitätsmaßnahmen interessiert werden können. So könnten "Mobilitätsberater" und Multiplikatoren sowohl direkt in den Einrichtungen und Schulen als auch auf kommunaler und regionaler Ebene tätig werden.

Die Stellungnahme spiegelt ein offenbar wachsendes Bewusstsein dafür, dass die unterschiedlichen Arbeitsbereiche Schule, Hochschule und internationale Jugendarbeit einen besseren Informationsaustausch benötigen. Auch wenn einem da noch viele andere Möglichkeiten der Vernetzung einfielen - die gemeinsame Betrachtung ist ein Anfang. Das Papier formuliert selbst die Einsicht in die Voraussetzung für eine gelungene Zusammenschau: "Diesem Konzept entgegen stehen in der Schule (...) die fehlende Anerkennung des Stellenwerts der internationalen Arbeit (...) für die Erreichung von Lernzielen." Hoffen wir, dass sich auch das bald ändert.

Dokumente