Gebären und Arbeiten für Europa? Jugendforscher fordern Denkwende für den Jugendpakt

Sechs europäische Jugendforscher haben ein Positionspapier veröffentlicht, mit dem sie eine wissenschaftliche Unterfütterung des Pakts für die Jugend fordern. Das Weißbuch Jugend und der Pakt sollen besser verknüpft werden.

via JUGEND für Europa

Anlässlich des informellen Treffens der Jugendminister im März 2006 verfassten sechs europäische Jugendforscherinnen und -forscher - René Bendit, Lynne Chisholm, Jaana Lähteenmaa, Peter Lauritzen, Andreas Walther, Manfred Zentner - ein Positionspapier, mit dem sie die Einbeziehung der europäischen Forschung in die politischen Entwicklungen zum Europäischen Pakt für die Jugend fordern. Die europäisch geprägte Forschungsgemeinschaft habe in den letzten 15 Jahren zwischen Forschung, Politik und Praxis wertvolles Wissen und Empfehlungen geliefert. Forschung könne - unabhängig von individuellen Interessen und politischen Perspektiven - künftige Bedarfe und Anforderungen definieren. Bezüglich der sich rapide und dramatisch ändernden Lebensbedingungen für Kinder und Jugendliche sei dies besonders wichtig. Dabei hätten sich auch neue Forschungsdesigns herausgebildet. So hätten sich beispielsweise die Grenzen zwischen Grundlagenforschung und anwendungsorientierter Forschung neu definiert.

Ein Grund seien die komplexen Problemlagen, mit denen man es zu tun habe: Gesellschaftliche Veränderungen für Kinder und Jugendliche bezögen sich auf gesellschaftliche, demographische, wirtschaftliche, technologische und psychologische Faktoren und seien das Thema von verschiedenen Disziplinen, sie dürften aber weder in Forschung, noch in Politik oder Praxis getrennt voneinander behandelt werden. Aus diesem Grund müssten auch die Forderungen des Weißbuchs Jugend und die Maßnahmen im Rahmen des Pakts für die Jugend aufeinander bezogen werden.

Darüber hinaus habe es der Pakt für die Jugend mit diversen gesellschaftlichen Widersprüchen zu tun, die sich nur differenziert lösen ließen. So würden Jugendliche mit steigenden Anforderungen bezüglich der formalen Bildung und Ausbildung konfrontiert, müssten aber gleichzeitig feststellen, dass diese längst keine Garantie mehr für eine Erwerbstätigkeit sind. Auch die Forderung nach der Anerkennung nicht-formaler Bildungsleistungen helfe da eher den besser Gebildeten - die weniger qualifizierten liefen dagegen in Gefahr, zusätzlich negativ stigmatisiert zu werden. Überwinden könnten diese Widersprüche nur Maßnahmen, die Bildung, Beschäftigung und Integration als voneinander abhängige Faktoren anerkenne. Deshalb aber dürfe eine kohärente Herangehensweise für die Integration von jungen Menschen nicht allein auf die Integration in den Arbeitsmarkt bauen. Erwerbsarbeit könne und werde nicht länger der einzige Weg zur Autonomie für junge Menschen sein. Diese Verknüpfung könne im Gegenteil den Zugang zu Unabhängigkeit und Wahlfreiheit verstellen. So dürften junge Leute nicht länger als "Gebärmütter und Arbeiter" ("wombs and workers") zum wirtschaftlichen Wohlergehens Europas instrumentalisiert werden.

Die Forscherinnen und Forscher fordern daher eine, wie im Weißbuch Jugend verlangte, stärkere Berücksichtigung von Wissen über die Jugend und mehr Unterstützung für den Austausch innerhalb der Forschungsgemeinde in Europa.

Dokumente

  • A knowledge-based youth pact. Researcher´s Position Paper

    René Bendit, Lynne Chisholm, Jaana Lähteenmaa, Peter Lauritzen, Andreas Walther, Manfred Zentner, Informal Meeting of Youth Ministers and Austria Youth Event 2006: Vienna, Bad Ischl
    Dieses PDF-Dokument mit dem Dateinamen "Researchers Paper.pdf" ist 1,99 MB groß.