Für viele kein guter Start: Jugendarbeitslosigkeit bleibt in OECD-Ländern zentrales Problem

Eine aktuelle OECD-Studie beschreibt detailliert die Situation von Jugendlichen auf dem Arbeitsmarkt. Fundierte Lösungsvorschläge bietet sie nicht, nur eines wird klar: So darf es nicht bleiben.

via OECD

Jugendarbeitslosigkeit bleibt eines der dringendesten Sozial- und Wirtschaftsprobleme der OECD. Dieses Fazit zieht eine aktuelle Studie, die Glenda Quintini, Ökonom im Direktorat für Beschäftigung, Arbeit und Soziales der OECD und Sébastien Martin, Statistiker in der selben Abteilung, vorgelegt haben. Sie untersuchten anhand zahlreicher statischer Befunde die Trends der letzten zehn Jahre auf dem Arbeitsmarkt für Jugendliche.

Obwohl die Gesamtzahl junger Menschen in den OECD Ländern heutzutage geringer ist als früher, sie dafür aber im Durchschnitt besser ausgebildet als die älteren Erwachsenen, tut sich in Sachen Jugendarbeitslosigkeit nicht viel. So fiel zwar zwischen 1995 und 2005 die Arbeitslosenquote von Jugendlichen um 0,8 %. Den Grund dafür stellen jedoch nur gut die Hälfte der OECD-Staaten, wobei sich vor allem der Rückgang der Jugendarbeitslosigkeit in Spanien, Irland und Finnland bemerkbar macht. In der anderen Hälfte der Länder jedoch stieg die Arbeitslosenquote um 5 Prozent an, so in Osteuropa, Österreich, Deutschland und Luxemburg. Jugend ist ein Risikofaktor: 2005 waren 42,3 % aller Jugendlicher in den OECD-Ländern nicht erwerbstätig. Die Jugendarbeitslosigkeit lag damit durchschnittlich 2,7 Mal höher als die der Erwachsenen im besten Erwerbsalter. Dieses Verhältnis hat sich in zwei Dritteln der OECD-Ländern in den letzten Jahren sogar verschlechtert.

Ein besonderes Problem stellen diejenigen Jugendlichen dar, die weder in Ausbildung noch in Arbeit sind: Die so genannten "NEETs" (Neither in education nor in employment or training) gibt es auch in Ländern, die ansonsten eine hohe Jugenderwerbsquote vorweisen. Immerhin 17% aller jungen Menschen zwischen 20 und 24 Jahren sind in den OECD-Ländern davon betroffen. Zwar ist dies für viele eine Übergangszeit. Diese dauerte jedoch beispielsweise 1997 in Italien für 30% und in Griechenland für 20% der Betroffenen bis zu fünf Jahre.

Die Studie nennt etliche Gründe, die die Situation erklären sollen. Einer ist die proportional hohe Zahl Jugendlicher, die die Schule ohne Abschluss verlässt. Mehr als 14% der Jugendlichen im Durchschnitt aller OECD-Länder haben keinen weiterführenden Abschluss. Auch die Bildungs- und Ausbildungssysteme werden kritisiert. Lehrinhalte und Lernziele in der Grundbildung entsprächen nicht immer den Qualifikationen, die der Arbeitsmarkt erfordere, heißt es.

Aber auch diejenigen, die gut ausgebildet sind, haben mit langen Übergangszeiten zwischen Schule und Beruf zu kämpfen: Es dauert im Schnitt zwei Jahre, bis Jugendliche nach der Schule einen festen Arbeitsplatz erhalten. Jugend ist auch dann gleich von mehreren Risiken bedroht: So nahm die Zahl der unbefristeten Arbeitsplätze für Jugendliche in den letzten zehn Jahren zu - die für Erwachsene dagegen leicht ab. Und während in einigen Ländern zu beobachten ist, dass zeitlich befristete Tätigkeiten die Chancen für eine Festanstellung erhöhen, setzt sich in anderen so etwas durch wie die "Generation Praktikum", deren Chancen auf Festanstellung gerade sinken, namentlich in Spanien. Auch die Löhne und Gehälter, die Jugendliche erhalten, wurden den letzten zehn Jahren geringer, während gleichzeitig das Phänomen der "Überqualifizierung" steigt: Einer von fünf jungen Menschen, die einen Arbeitsplatz haben, ist für diesen eigentlich zu gut ausgebildet.

Ein richtiges Rezept, was gegen diese Misere zu tun sei, zieht die Studie aus ihren umfangreichen Beobachtungen allerdings nicht. So wird zwar das duale System der Berufsausbildung gelobt, der deutsche Ausbildungspakt oder der "New Deal" in Großbritannien. Auch die untertarifliche Bezahlung für Jugendliche wird erwähnt. Womit man aber wieder bei der zweischneidigen Praktikums-Frage landet. Und beim "sowohl - als auch." Eines aber ist nach den vielen Zahlen auch klar: So darf es nicht bleiben.

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