Für eine neue EU-Jugendstrategie ab 2019: EU-Kommission eröffnet das Jahr des Zuhörens

Man sei an allen Ideen interessiert, um die beste EU-Jugendstrategie aller Zeiten zu gestalten, so der Jugendkommissar der EU.

Im Rahmen der Europäischen Jugendwoche 2017 hatte die EU-Kommission junge Menschen, Jugendorganisationen, Nationalagenturen und Jugendministerien eingeladen, Ideen und Erwartungen für eine jugendpolitische Zusammenarbeit ab 2019 zu formulieren. In seinem Auftakt verwies Kommissar Tibor Navracsics dazu auf einige zentrale Herausforderungen.

In der EU gebe es noch immer 6,6 Mio. junge Menschen ohne Arbeit, ohne Ausbildung und Bildungsangebote, was 6,6 Mio. frustrierte junge Menschen bedeute. Eines der größten Probleme sei das bestehende Missverhältnis zwischen Qualifikation und Arbeitsmarktnachfrage. Es gelte, eine Jugendorientierung in den anderen Politikbereichen zu verankern und gleichzeitig eine sektorübergreifende Jugendpolitik auszubauen. Erasmus+, aber auch weitere EU-Förderinstrumente wie das Europäische Solidaritätskorps, wertete Navracsics als wesentliche finanzielle Beiträge zur künftigen EU-Jugendstrategie.

Denen Zuhören...

Die EU-Kommission als Gastgeberin hatte sich vorgenommen, in erster Linie zuzuhören. Gut ausgestattet mit Hintergrundpapieren, den Ergebnissen der Zwischenevaluierung zur EU-Jugendstrategie und der Kommissionsinitiative „New Narrative for Europe“ setzten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sehr konkret mit zentralen, aber auch komplexen Fragestellungen auseinander. Einige Beispiele aus der Debatte:

  • Wie können gesetzte Ziele einer neuen EU-Jugendstrategie besser erreicht werden?
  • Wie muss der Strukturierte Dialog verändert werden, um diesen relevant für junge Menschen und Politik zu machen?
  • Wie kann eine EU-Jugendstrategie ehrenamtliches Engagement und Solidarität junger Menschen stärken?
  • Wie können mehr relevante Akteure und schwerer erreichbare Jugendliche an der Entwicklung und Umsetzung beteiligt werden?

...die etwas zu sagen haben...

Mit einem eher kritischen Blick auf die Ergebnisse der aktuellen EU-Jugendstrategie riet die Vorsitzende des Kultur- und Bildungsausschusses im Europ. Parlament, Petra Kammerevert, zu weniger und dafür umso ehrgeizigeren Zielen und entsprechenden Benchmarks, was dann auch Druck für die Mitgliedstaaten zum Handeln erzeugen würde. So könne reale Politik auch verändert werden. Die Digitalisierung der Lebens- und Arbeitswelt sei für sie ein wichtiges Thema. Die Digitalisierung berge Chancen und sollte mitgestaltet werden.

Luis Alvaro, Präsident des Europäischen Jugendforums schloss sich der Überzeugung an, dass die nächste EU-Jugendstrategie besser werden müsse. Insbesondere müssten junge Menschen einbezogen werden, lokal und vor Ort und vor allem raus aus der Brüsseler Blase. Aber auch die traditionellen Parteien müssten mehr auf junge Menschen zugehen, das täten aktuell vor allem die populistischen Parteien.

Die Vertreterin des aktuellen EU-Vorsitzes, Miriam Teuma, vom maltesischen Jugendministerium, fand, dass zu viel sektorübergreifend geschaut und darüber die Einzigartigkeit des Jugendbereiches vergessen würde. Deshalb plädiert sie für mehr Investitionen in zivilgesellschaftliche Strukturen, in Youth Work, weil hier junge Menschen direkt erreicht würden. Dialog, Zusammenarbeit und eine gemeinsame Entwicklung zwischen den Mitgliedstaaten stellten für sie die wichtigsten Elemente einer EU-Jugendstrategie dar.

...und Liefern

Nun ist die Kommission wieder am Zug, die vielfältigen Empfehlungen und Ideen aus der sehr ergebnisorientierten Arbeit der Workshop-Mitglieder zu verarbeiten. Europäischer Jugendcheck, Jugendbudgets in allen EU-Förderprogrammen, ein EU-Jugendstrategie-Zertifikat für alle Aktiven, Co-Management von Jugend und Politik in allen Phasen, sind nur einige Beispiele dafür, dass auch „out of the box“ gedacht wurde.  

Wie die Leiterin des Referates „Jugend“ der EU-Kommission, Flore van Houdt, am Schluss bestätigte, bedeute „Zuhören“ in erster Linie Aufnehmen und Verarbeiten. Der Austausch mit Stakeholdern werde weiter gehen. Den Kommissionsvorschlag zur Erneuerung der EU-Jugendstrategie ab 2019 kündigte sie für das Frühjahr 2018 an.

Hintergrundmaterial zur Veranstaltung finden Sie hier

(JUGEND für Europa)

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