05.07.2006Freiwilliges Engagement

Freiwilliges Soziales und Ökologisches Jahr – Evaluationsbericht zum FSJ-Förderungsänderungsgesetz liegt vor

Im Auftrag der Bundesregierung hat das Institut für Sozialforschung und Gesellschaftspolitik e.V. die Erfahrungen mit der Änderung des Gesetzes zur Förderung eines freiwilligen sozialen Jahres - FSJ-Förderungsänderungsgesetz - evaluiert.

via BMFSFJ

Seit über 40 Jahren gibt es für junge Menschen in der Bundesrepublik gesetzlich geregelte Freiwilligendienste. Dazu gehören das in den 1960er Jahren entstandene freiwillige soziale Jahr (FSJ) und seit über 10 Jahren das freiwillige ökologische Jahr (FÖJ). Die Freiwilligendienste haben sich seit ihrer Einführung kontinuierlich weiterentwickelt. Neue Akzente wurden insbesondere durch die im Sommer 2002 in Kraft getretenen Novellierungen der Fördergesetze des FSJ und FÖJ gesetzt. Das in den letzten Jahren wachsende Interesse der Jugendlichen und jungen Erwachsenen an einem gesetzlich geregelten Freiwilligendienst zeigt sich in einer zunehmenden Zahl an Bewerberinnen und Bewerbern bzw. an steigenden Teilnehmerzahlen im FSJ und FÖJ. Im Jahr 2005 haben fast 32.000 Jugendliche einen Freiwilligendienst absolviert.

Der Deutsche Bundestag hatte die Bundesregierung aufgefordert, einen Evaluierungsbericht vorzulegen, der Aufschlüsse gibt über die Erfahrungen mit der neuen Rechtslage auf Grund des Gesetzes zur Änderung des Gesetzes zur Förderung eines freiwilligen sozialen Jahres - FSJ-Förderungsänderungsgesetz - im Jahre 2002. Die Gesetzesänderung betraf im Wesentlichen Vorschriften des Gesetzes zur Förderung eines freiwilligen sozialen bzw. ökologischen Jahres und des Zivildienstgesetzes durch Einführung des § 14c ZDG. Mit der Untersuchung wurde im August das Institut für Sozialforschung und Gesellschaftspolitik e.V. (ISG) betraut.

Mit einer umfassenden Bestandsaufnahme sollte ein systematischer Überblick über Strukturen und Veränderungen dieser Freiwilligendienste, ihre institutionellen und individuellen Rahmenbedingungen, ihre Zielgruppen, auch im Hinblick auf neue Schwerpunktsetzungen, die Variabilität der Einsatzfelder sowie Wirkung und Erfolg der beiden Gesetzesnovellierungen gegeben werden. Darauf aufbauen sollten Möglichkeiten aufgezeigt werden zur weitergehenden Flexibilisierung der beiden Gesetze sowie zur Attraktivitätssteigerung der beiden Dienste.

Ferner sollte geprüft werden, wie die bildungspolitisch wichtigen Instrumente der Freiwilligendienste optimal eingesetzt werden können auch im Hinblick auf die Zukunft der bürgerschaftlichen Engagementförderung und die Zukunft der gesellschaftlichen Inklusion benachteiligter Personengruppen. Dafür wurden quantitative (Erfassung und Auswertung von Berichten der Träger, Einsatzstellen, Teilnehmenden und Landesbehörden) und qualitative Erhebungsmethoden (Gespräche und Vor-Ort-Besuche) angewendet.

Der 297 Seiten starke Bericht, der nun vorliegt, gibt einen umfassenden Einblick in Bedingungen, Teilnehmerstruktur und Bewertung des Freiwilligen Dienstes in Deutschland. Hier einige Ergebnisse:

  • Die Mehrzahl der Teilnehmenden im FSJ und FÖJ sind junge Frauen, die überwiegend nach dem Abschluss der Realschule oder des Gymnasiums einen Freiwilligendienst leisten.
  • Die meisten Teilnehmenden (mehr als 90 %) bleiben mindestens 6 Monate im Freiwilligendienst, zwei Drittel durchlaufen die gesamte Zeit von 12 Monaten. Abgebrochen wird er nur in wenigen Fällen (7% und dann, weil die Freiwilligen einen Ausbildungs- oder Studienplatz fanden.
  • Insgesamt repräsentieren die Einsatzstellen einen breiten Querschnitt der Berufs- und Arbeitswelt im sozialen Bereich sowie im Bereich Umwelt- und Naturschutz.
  • Die pädagogische Begleitung – unterteilt in individuelle Betreuung, fachliche Anleitung und Seminararbeit – ist für Träger und Einsatzstellen ein wesentlicher Bestandteil der Arbeit mit den jungen Freiwilligen. Die Teilnehmenden bewerten Form, Gestaltung und Inhalt der Seminare in der großen Mehrzahl sehr positiv.
  • Die Träger, Einsatzstellen und die Teilnehmenden der beiden Freiwilligendienste bewerten den Nutzen der Freiwilligendienste sehr positiv. Für die Mehrheit der Träger haben drei Aspekte des gesellschaftlichen Nutzens eine besonders große Bedeutung: den Jugendlichen werden durch den Freiwilligendienst neue Handlungsräume eröffnet, der berufliche Nachwuchs wird durch FSJ und FÖJ gefördert und das freiwillige Engagement wird gestärkt. Die Teilnehmenden bewerten ihre Situation während des Freiwilligendienstes ebenfalls sehr positiv: Sie fanden ihre Tätigkeit interessant, fühlten sich im Team der Einsatzstelle wohl, lernten inhaltlich viel Neues und viele interessante Menschen kennen und konnten anderen Menschen helfen. Die Teilnahme an einem Freiwilligendienst wollen sie anderen Jugendlichen auf jeden Fall empfehlen.
Die Evaluatoren machen eine Reihe von Verbesserungsvorschlägen. So sollten die Einsatzfelder des FSJ und FÖJ um weitere gesellschaftliche Bereiche erweitert werden. Um Jugendliche mit niedrigem Bildungsabschluss oder mit Migrationshintergrund stärker einbeziehen zu können, müssten deren individuelle Voraussetzungen bei der pädagogischen Begleitung berücksichtigt sowie Einsatzstellen bei der Schaffung geeigneter Tätigkeitsbereiche unterstützt werden. Außerdem sollte die Partizipation der Freiwilligen an der Weiterentwicklung der Freiwilligendienste unterstützt werden, z.B. durch mehr Mitwirkung bei der Seminargestaltung, Verbreitung entsprechender Positivbeispiele und Einrichtung von "Ehemaligennetzwerken". Zeugnisse sollten als ein Kompetenznachweis ausgelegt und von allen Bildungseinrichtungen anerkannt werden. Entsprechend der großen Nachfrage sollten die geförderten Plätze für das FSJ bzw. FÖJ im Ausland aufgestockt, die Förderpauschalen für die pädagogische Begleitung angehoben und eine pädagogische Begleitung im Gastland ermöglicht werden.

Das Bundesjugendministerium plant nun bereits eine Erweiterung auf die Bereiche Schule, Selbsthilfe und Benachteiligte und stellt ab 2007 ein Programm für benachteiligte Jugendliche auf, das durch Mittel des Europäischen Sozialfonds kofinanziert werden soll. Zugesagt ist auch der Ausbau der Förderung für Auslandsdienste.

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