Fachtag zu aktuellen Entwicklungen in der internationalen Jugendarbeit (Sachsen-Anhalt)

Am 12. Juli 2012 hatten das Landesjugendamt, das Ministerium für Arbeit & Soziales Sachsen-Anhalt, GOEUROPE! LKJ Sachsen-Anhalt und IJAB e.V. gemeinsam zum Fachtag „Aktuelle Entwicklungen in der internationalen Jugendarbeit" nach Magdeburg

Mit knapp 30 VertreterInnen aus Kommunal- und Kreisverwaltungen, Vereinen und Verbänden stellte die Tagung eine gelungene Fortsetzung der Veranstaltung „Europa - neue Impulse für die kommunale Arbeit" vom 16.01.2012 dar, um über die EU-Jugendstrategie zu informieren und deren Gestaltung in Sachsen-Anhalt weiterzuentwickeln.

Nach einer kurzen Begrüßung durch Wolf Blümel (Landesjugendamt LSA) referierte Werner Theisen (Abteilungsleiter für Familie, Ministerium für Arbeit & Soziales LSA) über die Teilhabechancen junger Menschen durch die internationale Zusammenarbeit und welche Rolle die EU-Jugendstrategie dabei einnimmt. Er hob dabei die intensive Zusammenarbeit zwischen dem Bund und den Ländern bei der inhaltlichen Ausgestaltung sowie in den verschiedenen Gremien zur Umsetzung der EU-Jugendstrategie in Deutschland hervor. Herr Theisen sieht die zentrale Herausforderung darin, „dass wir diesen Lernort Europa nicht für Jugendliche entdecken, sondern die Basis dafür schaffen, dass Jugendliche selbst motiviert werden diesen Lernort Europa zu entdecken." Um dafür passende Rahmenbedingungen mit vielfältigen Projekten herzustellen, bekräftigte er auch die Unterstützung durch das Ministerium bzw. das Landesjugendamt. Zusätzlich plädierte Herr Theisen auch für einen offensiven Austausch mit vorhandenen Netzwerken, um die existierenden Strukturen und Expertisen zu nutzen.

Im Anschluss folgte eine kurze Diskussion über die Aussichten der finanziellen Unterstützung von internationalen Maßnahmen durch das Land Sachsen-Anhalt. Herr Blümel merkte an, dass die zur Verfügung gestellten Mittel, bei allen Maßnahmen zur Haushaltskonsolidierung, in den letzten Jahren nicht gekürzt worden sind. „In Zukunft werde das Land sogar mehr Geld pro Jugendlichen ausgeben" so Herr Theisen. Dies hängt jedoch mit der rückläufigen Anzahl junger Menschen bei gleichbleibendem Fördervolumen sowie zukünftigen Veränderungen bei der Berechnung von Pauschalbeiträgen (Jugendpauschale und Fachkräfteprogramm) zusammen.

In seinem Beitrag betonte Niels Meggers (Geschäftsbereichsleiter für internationale Jugendarbeit, IJAB e.V.) die einzigartigen Möglichkeiten und Entwicklungschancen für Jugendliche, Fachkräfte und Einrichtungen durch internationale Lernsettings. Im Zentrum seiner Ausführungen stand die Teilinitiative „Kommune goes International (KGI)" von JiVE (Jugendarbeit international - Vielfalt erleben), an der sich bisher deutschlandweit 21 Kommunen beteiligen. Die Ziele von KGI sind u.a. die Verbesserung der Chancengerechtigkeit insbesondere für benachteiligte Jugendliche und Jugendliche mit Migrationshintergrund sowie das Forcieren von Mobilitätsangeboten im Ausland, die Bildungs- und Lernprozesse anstoßen und somit zur Profilierung der Internationalen Jugendarbeit als non-formales Bildungsangebot beitragen. Für Niels Meggers kann internationale Jugendarbeit nicht mehr als Luxus betrachtet werden, sondern sollte sich als integraler Bestandteil eines jeden Arbeitsfeldes der Kinder-, Jugend- und Jugendsozialarbeit etablieren.

Christian Scharf (Leiter GOEUROPE! Sachsen-Anhalt, .lkj) Sachsen-Anhalt e.V.) wies zu Beginn auf eine Studie zur internationalen Jugendarbeit in Sachsen-Anhalt aus dem Jahr 2001 hin, an der sich damals 28 Akteure inklusive 4 Kommunen beteiligt haben. Das Verhältnis zwischen freien und öffentlichen Trägern stellt keine Schwierigkeiten dar, solange nichtstaatliche Einrichtungen durch Kommunen unterstützt werden. Für Ihn wäre es interessant wenn im Jahr 2012 eine ähnliche Studie initiiert würde, um eine aktuelle Bestandsaufnahme von aktiven Organisationen zu bekommen.

In den Mittelpunkt seiner Ausführungen stellte er zwei Aussagen: Zum einen den Unterschied zwischen dem individuellen und dem gesellschaftlichen Mehrwert. Durch die Fokussierung auf die Entwicklungspotenziale des Teilnehmenden wird häufig vergessen, welche Verantwortung wir gegenüber der Gesellschaft und demnach auch gegenüber Europa haben. Er sieht die Beteiligung an Initiativen wie JiVE oder der Gestaltung von Kooperationen- und Städtepartnerschaften als notwendigen Beitrag von Kommunen und Trägern zur Europäischen Integration.

In seinem zweiten Punkt kritisiert er die Reduzierung bzw. einseitige Bewertung von internationalen Maßnahmen auf Beschäftigungsfähigkeit. Welchen Einfluss schulische Rahmenbedingungen und kontinuierliche Angebote im Bereich der internationalen Jugendarbeit auf heranwachsenden junge Menschen bei der Lebensplanung haben können, skizzierten Lydia Barthels (20, Studentin) und Pia Dittmar (18, Bundesfreiwillige). Praktische Einblicke in die regionale Umsetzung des Strukturierten Dialogs als Jugendbeteiligungsinstrument der EU-Jugendstrategie gab Daniel Adler (Koordinator Europa geht weiter, .lkj) Sachsen-Anhalt e.V.). Das landesweite Jugendevent „Europa geht weiter..." wird bereits seit 2005 in Kooperation mit verschiedenen Ministerien durchgeführt. Seit 2011 orientiert es sich an den Themen der EU-Jugendstrategie und versucht verstärkt, durch dezentrale Aktivitäten die Kooperationen mit kommunalen Akteuren zu vertiefen.

Nach der Mittagspause wurde die Tagung in zwei kleineren Gruppen fortgesetzt, die nacheinander an zwei Angeboten teilnehmen konnten. Einen umfangreichen Überblick zu Finanzierungsmöglichkeiten für internationale Maßnahmen präsentierte Robert Helm-Pleuger (eurodesk Deutschland). Neben dem Programm Europa für Bürgerinnen und Bürger stellte er auch verschiedene Stiftungen und alternative Finanzierungsarten vor. Im Anschluss tauschten sich die Teilnehmenden über praktische Erfahrungen bei Antragsstellung und Abrechnung aus. Parallel moderierten Wolf Blümel und Niels Meggers eine Diskussionsrunde zu Unterstützungsmodalitäten sowie lokalen Hindernissen bei der Durchführung von internationalen Maßnahmen.

Die Tagung hat gezeigt, dass es viele motivierte Akteure in Sachsen-Anhalt gibt, die mit unterschiedlichen praktischen und inhaltlichen Erfahrungen internationale Maßnahmen (weiter) durchführen wollen. Um die Wirkung bzw. die Bedeutung dieser Aktivitäten auf die Entwicklung der eigenen Kommune und Region stärker zu verdeutlichen und mehr Partner vor Ort zu binden, wurde eine engere Kooperation zwischen den Einzelakteuren Landkreis übergreifend sowie ein kontinuierliches Angebot an Fachveranstaltungen zur Wissensvermittlung vereinbart.

(Quelle: .lkj) Sachsen-Anhalt e.V., GOEUROPE! Europäisches Jugend Kompetenz Zentrum Sachsen-Anhalt)

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