EWSA: Das Europäische Solidaritätskorps kann Auftakt für eine umfassende europäische Freiwilligenstrategie sein

Das neue Programm der EU-Kommission zum freiwilligen Engagement junger Menschen könnte solidarisches Handeln in Europa fördern, braucht aber zusätzliche Finanzmittel, so der Europäische Wirtschafts- und Sozialausschuss.

Der Legislativvorschlag (siehe NEWS) der EU-Kommission für das Europäische Solidaritätskorps (ESK) sei ein guter Anfang für eine breitere Diskussion, aber einige Elemente, einschließlich der Finanzierung, müssten weiter geklärt und verbessert werden, so der Europäische Wirtschafts- und Sozialausschuss (EWSA) im Oktober auf seiner letzten Plenartagung.

Der Vorschlag sieht Förderlinien vor, die freiwillige Dienste, weitere Solidaritätsprojekte und Jobs sowie Praktika umfassen. Zielgruppe sind hauptsächlich junge Menschen zwischen 18 und 30 Jahren. Nach Ansicht des EWSA zeigt das Programmdesign des ESK grundsätzlich innovative Aspekte und einen klaren Mehrwert, indem es ein Bewusstsein für die Unionsbürgerschaft sowohl bei den jugendlichen Teilnehmern als auch bei Einsatzstellen stärken kann.

In seiner Stellungnahme zu den laufenden Verhandlungen über den rechtlichen Rahmen äußerte der EWSA aber seine Besorgnis über die vorgesehene Überschneidung von Zielsetzungen des ESK mit der Jugendbeschäftigungspolitik und schlägt vor, die im Programm vorgesehene Förderung von Jobs und Praktikumsplätzen zu überdenken.

"Ein solcher Ansatz birgt das Risiko, bezahlte Arbeit durch unbezahlte Arbeit für junge Menschen in Europa zu ersetzen", sagte Berichterstatter Pavel Trantina und fügte hinzu, dass Jobs und Praktikumsplätze besser über andere bereits bestehende EU-Programme gefördert würden. In diesen Programmen sollte man dann allerdings konsequenterweise den Solidaritätsaspekt stärker betonen.

Für den Fall, dass die Förderung von Jobs und Praktikumsplätze im ESK verblieben, schlägt der EWSA vor, die geförderten Teilnehmer gemäß den nationalen Rechtsvorschriften und im Einklang mit den geltenden Tarifverträgen zu entlohnen. Darüber hinaus sollte die Förderung von Praktika auf gemeinnützige Organisationen, Stiftungen und Sozialunternehmen beschränkt werden.

Der Legislativvorschlag sieht eine finanzielle Ausstattung für das ESK in Höhe von 341,5 Millionen Euro bei einer Laufzeit bis Ende 2020 vor. Das Geld hierzu soll nach Willen der EU-Kommission größtenteils aus anderen EU-Programmen umgeschichtet werden. Den Löwenanteil würde der Europäische Freiwilligendienst aus dem Programm Erasmus+ beitragen und dabei gleichzeitig Teil des ESK werden.

Der EWSA bekundet seine Besorgnis über eine solche Umverteilung von Mitteln und betont, dass Investitionen in das Budget des ESK nicht zulasten anderer erfolgreicher - und bereits unterfinanzierter - Programme, wie z.B. Erasmus+, gehen dürften. "Wir bitten darum, mehr "frisches Geld in das neue Programm zu investieren", formulierte es Berichterstatter Trantina.

Der EWSA ist nach wie vor der festen Überzeugung, dass das ESK vielmehr vollständig im Rahmen von Erasmus+ umgesetzt werden sollte und nicht durch die Einführung als völlig neuen Programms. Erasmus+ könne hier besser die Kontinuität nach 2020 gewährleisten.

Trantina hofft, dass das Programm nicht auf 100.000 Teilnehmer beschränkt werde, sondern den Beginn einer viel umfassenderen Freiwilligenstrategie der EU markieren könnte.

Als Teil der EU-Zivilgesellschaft zeigt sich der EWSA erfreut darüber, dass mittlerweile einige der Vorschläge aus der Zivilgesellschaft in die weiteren Verhandlungen zum ESK aufgenommen wurden.

Der EWSA fordert Jugendorganisationen und Sozialpartner auf, sich an der Umsetzung des ESK zu beteiligen und junge Menschen, einschließlich Benachteiligten, vor ihrem Einsatz stärker zu unterstützen. Es wird auch vorgeschlagen, die Altersgrenze der Teilnehmer auf 16 zu senken.

Quelle: EWSA

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