21.02.2005Soziale Integration

Europaweit ist das Armutsrisiko von Kindern und Jugendlichen besonders hoch

Armut und soziale Ausgrenzung sollen in Europa im Rahmen der Lissabon-Strategie gemeinsam bekämpft werden. Kommission und Rat werden zum kommenden Gipfeltreffen im März einen aktuellen Bericht zur sozialen Eingliederung vorlegen. Die Bilanz 2004 war alarmierend: Kinder und Jugendliche zählen zu den gefährdeten Bevölkerungsgruppen.

via Rat der Europäischen Union

Obwohl sich die Situation seit 1995 insgesamt zum Besseren verändert hatte, waren im Jahr 2001 mehr als 55 Millionen Menschen, 15 % der EU-Bevölkerung, von relativer Einkommensarmut betroffen. Das Armutsrisiko ist innerhalb der Union allerdings sehr unterschiedlich. Es reichte 2001 von 10 % in Schweden bis 21 % in Irland.

Besonders groß waren das Armutsrisiko und das Risiko der sozialen Ausgrenzung für junge

Menschen, deren Qualifikation nicht ausreicht, um auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu

fassen. Im Jahr 2002 hatten fast 19 % der 18- bis 24-Jährigen das Schulsystem vorzeitig

verlassen und machten keinerlei Ausbildung mehr. Circa 18 % aller Jugendlichen zwischen 18 und 24 Jahren verfügten nur über einen Abschluss der unteren Sekundarstufe oder darunter. Die Werte lagen zwischen 10 % oder darunter in Dänemark, Österreich, Finnland und Schweden und 41 % in Portugal.

Auch Kinder sind gefährdet: Sie erfahren oft ein Maß an Einkommensarmut, das über dem der Erwachsenen liegt, 19 % waren es im Jahr 2001. Anlass zu besonderer Sorge besteht, wenn Kinder in arbeitslosen Haushalten leben, und damit praktisch ohne eine Verbindung zur Arbeitswelt sind. 2002 traf dies auf 10 % aller Kinder in der Union zu. Solche Entbehrungen in den frühen Jahren können sich negativ auf ihre Entwicklung und ihre Zukunftschancen auswirken.

Das Fehlen grundlegender Kompetenzen und fachlicher Qualifikationen zählt generell zu den größten Hindernissen für die Eingliederung in die Gesellschaft. Der Bericht 2004 sah daher die Gefahr, dass sich in der Gesellschaft eine neue Kluft auftut zwischen denjenigen, die Zugang zu lebenslangem Lernen haben, das ihrer Beschäftigung und Anpassungsfähigkeit, ihrer Persönlichkeitsentwicklung und ihrem staatsbürgerlichen Engagement förderlich ist, und denen, die weiterhin im Abseits stehen.

Die Mitgliedstaaten wurden daher aufgefordert, in den kommenden zwei Jahren gemeinsame politische Prioritäten zu setzen. Dazu gehören Maßnahmen zur Verhinderung von Schulabbrüchen, die Förderung eines reibungslosen Übergangs von der Schule ins Erwerbsleben und die Beseitigung von Kinderarmut und der sozialen Ausgrenzung von Kindern.

Der Gemeinsame Bericht der Kommission und des Rates für Beschäftigung, Sozialpolitik, Gesundheit und Verbraucherschutz über die soziale Eingliederung vom März 2003 wertete die „Nationalen Aktionspläne gegen Armut und soziale Ausgrenzung 2003-2005 (NAP Eingliederung)“ aus, die die Mitgliedstaaten nach dem Europäischen Rat von Lissabon erarbeitet hatten. Damit sollen die Mitgliedstaaten ihre Strategien auf der Grundlage einer offenen Koordinierungsmethode abstimmen.

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