Europäisches Peer-Learning zur Jugendpolitik: "Dieser Prozess findet für die Tschechische Republik zur rechten Zeit am rechten Platz statt.

JUGEND für Europa sprach mit Zdenka Maskova, Abteilung Jugend im Ministeriums für Bildung, Jugend und Sport der Tschechischen Republik, Partnerin im Europäischen Peer-Learning-Projekt zur Jugendpolitik.

JfE: Frau Maskova, was sind gegenwärtig die größten jugendpolitischen Herausforderungen in der Tschechischen Republik?

Zdenka Maskova: Gegenwärtig beschäftigen wir uns mit einer Evaluation der Umsetzung der Jugendpolitik in der Tschechischen Republik zwischen 2007 und 2013 und bereiten ein neues jugendpolitisches Strategiepapier vor, das nach 2013 in Kraft treten soll. Die Ergebnisse der Evaluation sollen in den Nationalen Jugendbericht eingehen, der möglichst bis Ende 2013 fertiggestellt sein soll, und der durch eine Nationale Jugendkonferenz und durch den Strukturierten Dialog mit jungen Menschen in Kooperation mit unserem tschechischen Kinder- und Jugendrat unterstützt wird.  Außerdem haben wir eine „Jugendkammer“ eingesetzt, ein sektorübergreifendes Gremium, das die  Minister berät, die mit Jugendfragen zu tun haben. Mitglieder sind Vertreterinnen und Vertreter unserer Partnerministerien, der Organisationen, die direkt dem Jugendministerium unterstehen, des Kinder- und Jugendrates mit den Jugendorganisationen, der Freizeitzentren sowie der Regionen, Sozialpartner und  Kirchen. Die Kammer wird am 20. November zum ersten Mal zusammentreffen. Wir hoffen, dass diese Jugendkammer zu einem starken Instrument für die Umsetzung der nationalen Jugendpolitik wird.

Zurzeit arbeiten wir eng mit Polen zusammen, um den Bericht zur Situation junger Menschen, den die Visegrád-Gruppe erstellt, vorzubereiten. Und in der Visegrád-Gruppe (eine Kooperation der Staaten Ungarn, Tschechien, Slowakei und Polen) kooperieren wir mit der Europäischen Arbeitsgruppe Eastern Partnership (EaP - Armenien, Azerbaijan, Belarussland, Georgien, Moldovien und Ukraine). Diese Zusammenarbeit mit der EaP und den westlichen Balkanländern soll verstärkt werden.

Die Abteilung Jugend verfolgt außerdem äußerst aufmerksam, was  zurzeit in Sachen „Erasmus for All“ passiert und die Entwicklungen zu einer Ratsempfehlung zur Validierung nicht formalen und informellen Lernens.

Die Nummer-1-Herausforderung für unsere Jugendpolitik auf nationaler Ebene ist allerdings ein Projekt, das „K2“ heißt, aus dem Europäischen Sozialfonds finanziert wird und im Oktober 2012 gestartet ist. Das ist ein landesweites Projekt, das die Qualität und Wettbewerbsfähigkeit im Bereich der nicht formalen Bildung fördern soll, indem Qualitätskontrollinstrumente sowie Weiterbildungs- und Beratungsangebote für Jugendzentren und Jugendorganisationen eingeführt werden.  Das Projekt soll dazu beitragen, die Qualität von Jugendorganisationen und schulischen Freizeitangeboten nachhaltig zu verbessern. Ein wichtiger Teil des Projektes sind Angebote, die die persönlichen und organisatorischen Fähigkeiten von Akteuren der Jugendarbeit fördern soll, auch im Hinblick auf die Anerkennung der Ergebnisse nicht formaler Bildung in Tschechien. Letztendlich ist das Projekt eine Antwort auf die Notwendigkeit, Beschäftigungsfähigkeit und Wettbewerbsfähigkeit von jungen Menschen auf dem Arbeitsmarkt zu verbessern.

Leider erfuhren wir in dieser Woche, dass der Minister für Bildung, Jugend und Sport entschieden hat, unserer „Nationales Institut für Kinder und Jugendliche“ aus Kostengründen zum Ende des Jahres zu schließen.  Das Institut ist eine Einrichtung, die direkt dem Ministerium untersteht, und deren grundlegende Aufgabe es ist, die außerschulische Bildung in Freizeitzentren, in Schulclubs und Schul-Spielzentren sowie die nicht formale Bildung in Nicht-Regierungsorganisationen zu fördern. So ein Entscheidung bedeutet für uns, dass wir neue Möglichkeiten finden müssen, wie wir unsere Errungenschaften im Jugendbereich, auf die wir stolz sind, erhalten können und wie wir mit dem Verlust von Expertinnen und Experten in Jugendbereich umgehen können.

JfE: Wie resümieren Sie den bisherigen Peer-Learning-Prozess? Haben Sie etwas gelernt? Konnten Sie etwas für ihre eigene Jugendpolitik mitnehmen? 

Zdenka Maskova: Für mich persönlich ist der Peer-Learning-Prozess auf europäischer Ebene etwas Neues, das mir Erfahrungen ermöglicht, von denen ich professionell und persönlich profitieren kann, vor allem in Bezug meinen Beitrag für die anstehenden Aufgaben in unserer Jugendabteilung. Ich habe ja schon mehrfach bei den Seminaren in Berlin und Rotterdam gesagt, dass dieser Prozess für die Tschechische Republik zur rechten Zeit am rechten Platz stattfindet – bezogen auf unser nationales jugendpolitisches Konzept, unseren gegenwärtigen Evaluationsprozess und die Entwicklung einer neuen Strategiepapiers nach 2013.  

Darüber hinaus haben wir während der beiden Seminare in Deutschland und Niederlande erkannt, dass die Teilnahme an einem solchen Peerlearning-Prozess außer unserer Expertise und der Fähigkeit, nationale Jugendpolitik zu präsentieren, auch die Fähigkeit erfordert, ein guter Beobachter zu sein und ein guter Zuhörer, der in der Lage ist, offen zu sein und über den nationalen Kontext hinauszuschauen.

JfE: Sie haben nun am zweiten Seminar in Rotterdam teilgenommen. Was hat Ihnen am besten gefallen? Haben Sie etwas vermisst?

Zdenka Maskova: Ich war sehr beeindruckt von der Eingangsrede von Prof. Münchmeier zur „positiven Jugendpolitik“. Seine Befunde und Situationsbeschreibung waren exakt das, womit ich mich beschäftigte, bevor ich nach Rotterdam kam. Aber ich war nicht in der Lage, das klar und in so verständlicher Art zu formulieren wie er. Ich weiß, dass seine Befunde nicht nur für mich neu waren. Und ich war nicht die einzige, die es bedauerte, dass wir nur so wenig Zeit für die Rede und, noch wichtiger, für eine tiefergehende Diskussion hinterher hatten.  

Insgesamt haben die niederländischen Kollegen einen großen Beitrag geleistet, um die DE-NL-CZ Kooperation und den Teamgeist zu stärken. Ich freue mich zu sehen, dass unsere beiden Partnerländer ihre Verantwortlichkeiten ernst genommen haben, ein hochwertiges Seminar zu organisieren, auch in Prag, was uns sehr ermutigt, da die wir das dritte Seminar organisieren müssen.

JfE: Was planen Sie für das nächste Seminar im Frühjahr in Prag?

Zdenka Maskova: Wir haben uns mit den deutschen und niederländischen  Kollegen zu einem Vorbereitungstreffen im Januar verabredet, und wir haben uns darauf geeinigt, dass das Thema des Seminars „Sektorübergreifender Ansatz in der Jugendpolitik" heißen wird. Das Thema soll an die vorausgegangenen Themen von Berlin und Rotterdam anknüpfen. Das Seminar wird Mitte bis Ende April in Prag stattfinden.

Wir planen außerdem, alle beteiligten sieben Länder einzuladen, bevor sie nach Prag kommen, eine kurze Zusammenfassung zu erstellen, ob, und wenn ja wie, ihre nationale Jugendpolitik durch die Teilnahme am Projekt beeinflusst wurde. Und ich möchte jeden versichern, dass wir unser Bestes versuchen werden, so gute Gastgeber zu sein wie die deutschen und niederländischen Kollegen es waren!

(Das Interview führte Dr. Helle Becker im Auftrag von JUGEND für Europa)

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