25.11.2005Nicht formale Bildung

Europäisches Jugendforum: Positionspapier zur Anerkennung nicht-formaler Bildung

Das Europäische Jugendforum plädiert in seinem jüngsten Positionspapier für die Anerkennung nicht-formaler Bildung und informellen Lernens und für die Rolle von Jugendorganisationen beim Erwerb "realer" Kompetenzen.

via Europäisches Jugendforum

Nicht-formale Bildung, so das Europäische Jugendforum, sei geeignet, um bestimmte, andere Werte, Fertigkeiten und Kompetenzen von jungen Menschen zu entwickeln als die, die im formalen Bildungssystem verlangt werden. Diese "Soft Skills" umfassten eine breite Palette von zwischenmenschlichen Kompetenzen, Team- und Führungsfähigkeit, Organisations- und Planungskompetenzen, Konfliktfähigkeit und Problemlösungskompetenzen, interkulturelle Fähigkeiten, Selbstvertrauen, Disziplin und Verantwortlichkeit.

Das Besondere an nicht-formaler Bildung sei es, das Individuen die Akteure ihres eigenen Lern- und Bildungsprozesses seien. "Nicht-formales Lernen" bedeute nicht unstrukturiertes Lernen, sondern solches, in dem der Lernende selbst der "Architekt seiner Entwicklung" sei. Zugleich bringe nicht-formale Bildung nicht nur beschäftigungsrelevante Fähigkeiten hervor, sondern trage überhaupt zur Entwicklung menschlicher Möglichkeiten und zur Motivation für Lernen und Engagement bei.

"Reale Kompetenzen", das heißt Kompetenzen, die das ganze Bild einer Person ausmachten und durch formale, nicht-formale Bildung und informelles Lernen erworben würden, müssten mehr Anerkennung auf politischer und sozialer Ebene erfahren, so das Papier. Dies dürfe jedoch nicht zu einer Formalisierung nicht-formaler Bildung führen. Dennoch müssten Arbeitsmarkt, Verwaltung und Politik konkrete Wege beschreiten, um die Erfolge nicht-formaler Bildung sichtbarer zu machen. Ein Schritt in diese Richtung sei der Europäische Qualifikationsrahmen (European Qualification Frame). Ein weiterer Schritt sei es, die Grenzen zwischen den Bildungsbereichen durchlässig zu machen und vor allem für formale und nicht-formale Bildung Komplementarität und Synergien zu entwickeln. Dafür solle auch das Kompetenztableau der PISA-Studien erweitert werden. Außerdem sei das Europäische Portfolio für Teamer Fachkräfte der Jugendarbeit (European Portfolio for youth leaders and youth workers) ein geeignetes Instrument der Anerkennung. Skepsis wird geäußert gegenüber dem für das Programm JUGEND zu entwickelnde YOUTH-PASS. Er dürfe nicht dazu führen, dass verschiedene Aktivitäten innerhalb des JUGEND-Programms unterschiedlich bewertet würden und auch nicht zu Differenzierungen von Maßnahmen, je nachdem, ob diese durch das Programm JUGEND finanziert seien oder nicht.

Das Europäische Jugendforum schließt mit seinem Papier an die Stellungnahme von 2003 "Youth organisations as non-formal educators – Recognising Our Role" an. Es bekräftigt seine Auffassung, dass Jugendorganisationen die wichtigsten Träger nicht-formaler Bildung seien. Diese Rolle von Jugendorganisationen müsse stärkere Beachtung finden. Sie seien daher auch stärker am Prozess der Entwicklung von Instrumenten für die Anerkennung von Kompetenzen zu beteiligen und müssten mehr Möglichkeiten und Unterstützung erhalten, ihre Tätigkeiten auszuweiten.

Dokumente