08.03.2004Nicht formale Bildung

EU und Europarat arbeiten gemeinsam an Wegen zur Anerkennung des nicht formalen Lernens im Jugendbereich

Die Jugendabteilung der Europäischen Kommission und die des Europarates legten jetzt ein gemeinsames Arbeitspapier mit dem Titel „Wege zur Validierung und Anerkennung von Bildung, Ausbildung und Lernen im Jugendbereich“ vor. Dieses, so wird gewünscht, soll von den verschiedenen Beteiligten u.a. des jugendpolitischen Sektors diskutiert und im Hinblick auf den Beitrag für die soziale Integration, aktive Bürgerschaft, Solidarität, persönliche Entwicklung, freiwilliges Engagement und Selbstvertrauen von jungen Menschen weiterentwickelt werden.

via BBJ EU-NEWS Nr. 5 VOM 8. März 2004

Die Aktion der Europäischen Kommission und des Europarates stellt eine der gemeinsamen Maßnahmen innerhalb des Partnerschaftsprogramms der beiden Institutionen dar, das 1998 für den Themenkomplex „Jugend und Ausbildung“ (European Youth Worker Training) unterzeichnet wurde. Mit dem jetzt vorgelegten Arbeitspapier soll eine breite Debatte zu der Bedeutung der Jugendarbeit im Hinblick auf Werte und lebensbegleitendes Lernen ausgelöst werden, u.a. dem Ziel, die Transparenz und Visibilität dieser Aktivitäten zu vergrößern.

Eine Gemeinsamkeit stellen die Forderungen dar, neben dem formalen Lernen, den gesamten Bereich des non-formalen Lernens stärker in den Mittelpunkt zu bringen und die Anerkennung von Jugendarbeit als nicht formale Bildung und Lernenmöglichkeiten für junge Menschen zu fördern.

Die Europäische Kommission und der Europarat, so heißt es, wollen auf der Vielfalt der bestehenden Systeme aufbauen, es gehe nicht um Standardisierung und Überformalisierung der Anerkennung von non-formalen Lernen. Um die Jugendarbeit in der Debatte ums lebenslange Lernen gut zu positionieren, müssen nach Auffassung der Autoren spezielle Qualitätskriterien eingeführt werden, die sich auf alle Elemente von Jugendarbeit und Lernen beziehen sollen. Qualität wird auch im Zusammenhang mit der Verlässlichkeit und Validierung gefordert, insbesondere in Abgrenzung zum formalen Bildungssystem. Der Text greift hier die kontroverse Diskussion zur Anerkennung nicht-formalen Lernens auf, wo u.a. die Übernahme dieser Form des Lernens durch das formale System befürchtet wird. Auf jeden Fall, so geben die Autoren zu bedenken, sollte non-formales Lernen in Jugendarbeit und Jugendaktivitäten nicht den offenen Charakter verlieren und eine formale Struktur werden. Aber, so wird begründet, sollte sichergestellt werden, dass ein junger Mensch unkompliziert die Möglichkeit erhält, seine non-formal und informell erworbenen Fähigkeiten dann anerkennen zu lassen, wenn es gewünscht und angemessen sei.

Jugendarbeit muss sich positionieren

Europarat und Kommission schlagen vor, nicht einen eigenständigen jugendspezifischen Prozess parallel zu den Initiativen im Bereich Bildung und Berufsbildung zu beginnen, sondern aus jugendpolitischer Sicht zu der Entwicklung von Validierungs- und Anerkennungssystemen beizutragen. Dies bedeutet, sich in die laufenden Prozesse der europäischen Bildungsdebatte und der stärkeren europäischen Zusammenarbeit im Berufsbildungsbereich einzubringen. Die Ergebnisse von non-formalem und informellem Lernen im Jugendbereich regelmäßig sichtbar machen und veröffentlichen; so lautete eine Forderung im Zusammenhang mit der Schaffung eines Raumes des lebensbegleitenden Lernens.

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