EU-Parlament unterstützt europäische Qualitätsziele in der Bildung

Die Leitlinien der Debatte: Interkulturelle Dimension in der Bildung und die Schaffung eines europäischen Bildungsraumes, in dem die Qualifikationen der Lernenden grenzüberschreitend anerkannt werden.

via EU-Parlament

Obgleich die Bildungssysteme im Verantwortungsbereich der Mitgliedsstaaten liegen, kann die EU Maßnahmen ergreifen und Empfehlungen verabschieden, um die Zusammenarbeit in der Bildungspolitik zu fördern. Das Parlament hat am 25.09.2007 verschiedene bildungspolitische Fragen behandelt: die Mobilität von Lernenden, Bildungsstandards und Schlüssel-Qualifikationen sowie die europäische Dimension im Unterricht standen im Zentrum der Debatten.

Das Parlament setzt sich insbesondere für die interkulturelle Dimension in der Bildung ein und verfolgt das Ziel, einen europäischen Bildungsraum zu schaffen, in dem die Qualifikationen der Lernenden grenzüberschreitend anerkannt werden. Eine wichtige Rolle spielen dabei die EU-Programme Sokrates und Leonardo, die ab 2007 in ein neues Rahmenprogramm zur Förderung des Lebenslangen Lernens integriert werden.

Gemeinsame Strategie in der Bildungspolitik

Im Jahr 2002 hatten sich die EU-Bildungsminister auf drei übergeordnete Ziele geeinigt, die bis 2010 im Rahmen einer gemeinsamen Strategie erreicht werden sollen. Diese drei Hauptziele sind:

  • bessere Qualität der Bildungssysteme in der EU,
  • erleichterter Zugang zur Bildung für alle,
  • Öffnung der Bildungs-Systeme gegenüber der Welt.
Bereits 1999 hatten sich 29 europäische Staaten in der „Erklärung von Bologna“ darauf verständigt, einen gemeinsamen europäischen Hochschulraum zu schaffen, in dem die universitären Lehrpläne und Abschlüsse vergleichbar und kompatibel gemacht werden.

Schlüsselkompetenzen für Lebenslanges Lernen

Im Jahr 2000 hatten die Staats- und Regierungschefs in Lissabon das Ziel formuliert, die EU bis 2010 „zum wettbewerbsfähigsten und dynamischsten Wirtschaftsraum der Welt zu machen“. Um dieses Ziel zu erreichen, soll unter anderem die Weiterbildung von Erwachsenen, das sogenannte Lebenslange Lernen, gefördert werden.

"In der globalen Ökonomie hat Europa nur eine Chance, wenn es seine Menschen besser ausbildet", so die Berichterstatterin des heute verabschiedeten Berichts über Schlüsselkompetenzen für Lebenslanges Lernen, Helga Trüpel (Bündnis 90/ Die Grünen).

Die stellvertretende Vorsitzende des Kulturausschusses erklärte, dass die Schlüsselkompetenzen für das Lebenslange Lernen in ihrem Bericht "definiert sind als eine Kombination von Wissen, Fähigkeiten und Haltungen, die dem jeweiligen Kontext angemessen sind und es den Menschen ermöglichen, sich ein Leben lang weiterzubilden, sich aktiv an gesellschaftlichen Prozessen zu beteiligen und ihre Beschäftigungschancen zu verbessern."

Charta soll Mobilität qualitativ absichern

Nach wie vor sehen sich Lernende oft mit Unzulänglichkeiten und Hindernissen konfrontiert, wenn sie einen Teil ihrer Bildungslaufbahn im Ausland verbringen wollen. Die EU bereitet deshalb eine "Mobilitäts-Charta" vor, die diese Probleme angehen soll.

Die Berichterstatterin für die Mobilitäts-Charta, die SPÖ-Abgeordnete Christa Prets, meint, dass "Qualität bei grenzüberschreitender Mobilität nur dann gewährleistet werden" könne, wenn bestimmte Rahmenbedingungen geschaffen werden, die den „Aufenthalt im Gastland wie auch die Rückkehr zu einer positiven Erfahrung" machen. Dies sei das Ziel der Charta.

Die Charta sieht vor, dass alle, die zum Zweck der Aus- oder Weiterbildung ins Ausland gehen, "umfassende Informationen von den EU-Mitgliedstaaten erhalten. Dazu gehören insbesondere Anrechnungsfragen, logistische Unterstützung, sprachliche Aspekte, Mentoring im Gastland oder die Wiedereingliederung ins Heimatland. Diese Informationen müssen für alle Interessenten leicht zugänglich und verständlich sein", so die österreichische Europa-Abgeordnete, deren Bericht das Plenum am Dienstag mit breiter Mehrheit verabschiedete.

Europäische Dimension in den Lehrplänen

Einer Stellungnahme des konservativen britischen Abgeordneten Christopher Beazley folgend, soll sich das Parlament dafür einsetzen, in Zukunft konkreter auf eine „europäische Dimension" in den nationalen Lehrplänen hinzuarbeiten. Diese europäische Dimension umfasst insbesondere

  • die Vermittlung von Kenntnissen, wie die Organe der Europäischen Union funktionieren,
  • das Wissen über gemeinsame europäische Geschichte und Kultur,
  • den frühen Erwerb von Fremdsprachenkenntnissen - das Parlament fordert schon in der Grundschule mit zwei Fremdsprachen zu beginnen.
Die Beherrschung von Fremdsprachen sei "das sichtbarste und am weitesten entwickelte Beispiel für die europäische Dimension im Bildungswesen", so Beazeley.

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