EU-Gipfel: Barroso forciert Abbau der Jugendarbeitslosigkeit

EU-Kommissionspräsident Barroso hat beim EU-Gipfel einen "Pakt" für mehr Engagement bei der Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit in Europa angeregt. Die Beschlüsse der Mitgliedsländer folgen den eigentlichen Plänen der Kommission von Ende 2011 aber nur bedingt.

Im Blätterwald der internationalen Presse klingt es wie der Ruf eines aufrechten Kämpfers für die Sache der arbeitslosen Jugendlichen: Barroso krempelt die Ärmel hoch und fordert die Mitgliedstaaten auf endlich mitzumachen.

In der Tat hatte die EU-Kommission noch im Dezember 2011 ihre Pläne unter dem Titel "Chancen für junge Menschen" für einen konsequenten Abbau der Jugendarbeitslosigkeit vorgestellt (siehe NEWS). Hier war unter anderem von der sogenannten 4-Monats-Garantie die Rede: Die EU-Kommission beabsichtigte, die Mitgliedstaaten mit 4 Mio. Euro unterstützen, damit diese Garantien abgeben können, dass junge Menschen innerhalb von vier Monaten nach Verlassen der Schule entweder eine Arbeitsstelle oder einen Aus- oder Weiterbildungsplatz erhalten.

Wenn auch bereits damals die Initiative "Chancen für junge Menschen" vor allem deshalb nicht überzeigen konnte, weil die genannten finanziellen Mittel für konkrete Maßnahmen noch nicht einmal den berüchtigten Tropfen auf dem heißen Stein darstellten, einigten sich die Mitgliedstaaten nun auf dem EU-Gipfel am 30.01.2012 auf eine Erklärung, die konkrete Zahlen vollständig vermeidet und jeden Hinweis auf die Initiative der Kommission vermissen lässt.

Der jugendrelevante Text:

Beschäftigungspolitische Impulse, insbesondere für junge Menschen

1. (...)Es müssen unverzüglich besondere Anstrengungen auf nationaler Ebene unternommen werden, um das Arbeitskräfteangebot zu verbessern und die Jugendarbeitslosigkeit zu verringern:

  • Intensivierung der Maßnahmen, mit denen die erste Berufserfahrung junger Menschen und ihre Teilnahme am Arbeitsmarkt gefördert werden; Ziel sollte sein, dass Jugendlichen innerhalb von wenigen Monaten nach dem Verlassen der Schule eine qualitativ hochwertige Arbeitsstelle angeboten wird oder sie eine weiterführende Ausbildung, einen Ausbildungsplatz oder eine Praktikantenstelle erhalten;

  • deutliche Erhöhung der Zahl der Ausbildungs- und Praktikantenstellen, damit diese Angebote den Jugendlichen wirkliche Chancen bieten; diese Maßnahmen sollten in Zusammenarbeit mit den Sozialpartnern erfolgen und nach Möglichkeit in Bildungsprogramme integriert werden;

  • Anstrengungen mit dem Ziel, Schulabbrechern eine Ausbildung zu ermöglichen;

  • umfassende Nutzung des EURES-Internetportals zur beruflichen Mobilität, um die grenzüberschreitende Vermittlung junger Menschen in Arbeitsverhältnisse zu erleichtern, sowie die weitere Öffnung geschützter Sektoren durch Beseitigung ungerechtfertigter Beschränkungen bei den freien Berufen und im Einzelhandelsgewerbe.(...)


2. Die EU wird diese Anstrengungen insbesondere durch folgende Maßnahmen unterstützen:

  • Als Erstes Zusammenarbeit mit den Mitgliedstaaten, die die höchste Jugendarbeitslosigkeit zu verzeichnen haben, damit verfügbare EU-Mittel dafür bereitgestellt werden, dass junge Menschen einen Arbeitsplatz oder einen Ausbildungsplatz bekommen;

  • Förderung der Mobilität von Auszubildenden, indem die Zahl der Stellen, die in Unternehmen im Rahmen des Programms Leonardo da Vinci zur Verfügung stehen, deutlich erhöht wird;

  • Nutzung des Europäischen Sozialfonds (EFS) zur Förderung der Einrichtung von Lehrstellenprogrammen und von Programmen zur Unterstützung von jungen Unternehmensgründern und Sozialunternehmern;(...)

 

 

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