EU definiert Schlüsselkompetenzen für Lebenslanges Lernen

Als weiteren Schritt im Arbeitsprogramm "Allgemeine und Berufliche Bildung 2010" hat die Europäische Kommission dem Rat und dem Parlament einen Vorschlag für die Definition von Schlüsselkompetenzen für Lebenslanges Lernen vorgelegt. Das Papier soll als "Europäischer Referenzrahmen" für den Kompetenzerwerb dienen.

Im Rahmen des Arbeitsprogramms "Allgemeine und berufliche Bildung 2010", einem Teil der Lissabon-Strategie, sollten ursprünglich "Grundfertigkeiten" ermittelt und der Frage nachgegangen werden, wie diese gemeinsamen mit den traditionellen Fertigkeiten in die Lehrpläne integriert, erworben und ein Leben lang bewahrt werden können. Die mit dem Arbeitsprogramm befasste Arbeitsgruppe entschied sich im Verlauf ihrer Arbeit für den Begriff "Kompetenzen", da dieser sich auf eine Kombination aus Kenntnissen, Fähigkeiten und Einstellungen bezieht, und für den Begriff „Schlüsselkompetenzen“, um die von allen benötigten Kompetenzen zu definieren. Der Begriff schließt also die Grundfertigkeiten ein, geht jedoch über sie hinaus. Er schließt außerdem an die Begrifflichkeit der einschlägigen internationalen Bildungsstudien an.

Der von der Kommission nun zur Beratung vorgelegte Vorschlag präsentiert diesen europäischen Referenzrahmen für Schlüsselkompetenzen. Die Arbeit will alle wesentlichen Kompetenzen zusammenführen und einen Kontext für weitere Schritte im Arbeitsprogramm und für die Bildungs- und Berufsbildungsprogramme der Gemeinschaft, einschließlich der Validierung von Kompetenzen und der Vergleichbarkeit von Bildungsergebnissen, liefern. Die Arbeit ist eng mit den laufenden Arbeiten zum Europäischen Qualifikationsrahmen und mit Initiativen, die die Transparenz und die Anerkennung von Qualifikationen und Kompetenzen stärken sollen (z. B. Grundsätze für die Validierung nicht formalen und informellen Lernens, Leistungspunktesysteme) verbunden.

Das Papier definiert acht Schlüsselkompetenzen, die "notwendig für den sozialen Zusammenhalt, die Beschäftigungsfähigkeit und die persönliche Entfaltung" sein sollen:

  1. Muttersprachliche Kompetenz
  2. Fremdsprachliche Kompetenz
  3. Mathematische Kompetenz und grundlegende naturwissenschaftlich-technische Kompetenz
  4. Computerkompetenz
  5. Lernkompetenz („Lernen lernen“)
  6. Interpersonelle, interkulturelle und soziale Kompetenz und Bürgerkompetenz
  7. Unternehmerische Kompetenz
  8. Kulturelle Kompetenz
Besonders interessant sind die "interpersonelle, interkulturelle und soziale Kompetenz und Bürgerkompetenz", die den gesamten Bereich interkulturellen Lernens und politischer Bildung umfassen. Die Kompetenzen sollen "alle Formen von Verhalten betreffen, die Personen ermöglichen, in effizienter und konstruktiver Weise am gesellschaftlichen und beruflichen Leben teilzuhaben, insbesondere in zunehmend heterogenen Gesellschaften, und gegebenenfalls Konflikte zu lösen. Bürgerkompetenz rüstet den Einzelnen dafür, umfassend am staatsbürgerlichen Leben teilzunehmen, ausgehend von der Kenntnis der gesellschaftlichen und politischen Konzepte und Strukturen und der Verpflichtung zu einer aktiven und demokratischen Beteiligung."

Der vorliegende Vorschlag ist zwar rechtlich nicht verbindlich, dennoch ist eine Umsetzung auf nationaler, regionaler und/oder lokaler Ebene vom Rat beschlossen. Die Kommission fordert die Mitgliedstaaten daher auf, dafür zu sorgen, dass alle Menschen bis zum Ende ihrer Grund(aus)bildung Schlüsselkompetenzen erwerben, und ermutigt sie, im Lichte der europäischen Referenzniveaus an der Beseitigung von Bildungsbenachteiligungen zu arbeiten. Es bleibt abzuwarten, welche Auswirkungen das Rahmenwerk auch in Bezug auf die Ausgestaltung der Europäischen Förderprogramme haben wird.

Dokumente

  • Schlüsselkompetenzen für lebenslanges Lernen.

    Vorschlag für eine Empfehlung des Europäischen Parlaments und des Rates zu (von der Kommission vorgelegt), KOM(2005)548 endgültig
    Dieses PDF-Dokument mit dem Dateinamen "schluesselkomlebensllernen.pdf" ist 214,15 kB groß.