"Es gibt ihnen eine ganz andere Wertschätzung." – Die Stadt Lauenburg goes International

Im Rahmen der JiVE-Teilinitiative „Kommune goes International“ haben rund 20 Kommunen lokale Entwicklungspläne erarbeitet, um zusammen mit lokalen Partnerinnen und Partnern die Internationale Jugendarbeit vor allem als Angebot für Jugendliche mit Migrationshintergrund und benachteiligte Jugendliche zu stärken und zu verbreitern. Die Kommunen werden von einem Beratungsteam von IJAB, transfer e.V. und JUGEND für Europa beraten. Die Teilinitiative wird von IJAB betreut.

Friederike Betge ist Stadtjugendpflegerin der Stadt  Lauenburg und zuständig für das Team Kinder, Jugend, Schule und Sport. Sie erzählte JUGEND für Europa, wie Lauenburg zur JiVE-Teilinitiative ‚Kommune goes International‘ kam.

JfE: Frau Betge, die Stadt Lauenburg hat sich an der JiVE-Teilinitiative ‚Kommune goes International‘ beteiligt. Was haben Sie gemacht?

Betge: Als Erstes haben wir einen kommunalen Entwicklungsplan aufgestellt. Er beschreibt ein Programm und die strategische Ausrichtung der Kommune im Bereich Internationale Jugendarbeit für die nächsten Jahre. Wir haben auf der Grundlage einer Bestandsaufnahme und einer Bedarfsanalyse festgelegt, welche Zielgruppen wir erreichen wollen, was wir damit erreichen wollen, die Erfolgsfaktoren, die wir uns selber auferlegt haben, und wer das Programm koordiniert. Das Programm wurde vom Sozialausschuss der Stadt gebilligt und hat somit eine große Verbindlichkeit.

JfE: Welchen Zeithorizont hat das Programm?       

Betge: Zunächst ist es festgelegt bis Mitte 2014. Aber wir haben in unserem Konzept auch angelegt, dass es auch darüber hinaus wirksam sein soll.

JfE: Welche Punkte setzen sie mit dem Programm auf kommunaler Ebene konkret um?

Betge: Wir wollen die Internationale Jugendarbeit, die es bei uns wirklich nur sehr bruchstückhaft gegeben hat, als einen dauerhaften Bestandteil der Jugendarbeit in der Stadt etablieren. Bisher fand Internationale Jugendarbeit nur sporadisch, in der Verantwortung von einzelnen Projektträgern, statt, oder als Austausch an Schulen, in der Regie von engagierten Personen. Wir wollen also auch systematisch verschiedene Kooperationspartner einbinden.

JfE: Wen zum Beispiel?

Betge: Dazu zählen zum Beispiel die Sportvereine, die Straßensozialarbeit, die türkisch islamische Gemeinde, die Schulsozialarbeit oder das AWO Bildungswerk. Wir haben den Vorteil, dass wir durch die Beteiligung an anderen Förderprogrammen wie ‚Stärken vor Ort‘ und‘ Jugend für Vielfalt‘ schon Netzwerke haben, auf die wir zurückgreifen können. So haben wir sehr schnell eine gute Basis von Aktiven für die Steuerungsgruppe des Programms gefunden.

JfE: Warum haben Sie sich für ‚Kommune goes International‘ beworben?

Betge: Beworben haben wir uns, weil wir eine sehr positive Erfahrung mit einem deutsch- türkischen Projekt in Istanbul gemacht haben. Wir haben gemerkt, dass sowohl die Betreuer also auch die Jugendlichen viel von diesem Projekt hatten. Und wir wollen diesen Austausch mit der Türkei auf jeden Fall etablieren. Wir haben sehr viele Aktive im ehrenamtlichen Bereich, auch in der türkischen Gemeinde, mit denen wir zusammenarbeiten. Außerdem leben halt auch sehr viele türkisch stämmige Menschen bei uns in der Stadt.

JfE: Was bringt in Ihren Augen so ein Austausch?

Betge: Wenn die Jugendlichen mit türkischen Wurzeln uns Istanbul gezeigt haben, waren sie wie ausgewechselt. Sie haben ganz viel erzählt, sie konnten die Sprache, sie haben gedolmetscht, sie haben für uns verhandelt. Das gab ihnen eine ganz andere Wertschätzung. Schon deshalb denke ich, dass es sehr wichtig ist, so etwas weiter zu machen. Es wäre schön, wenn wir auch die anderen Nationalitäten nach und nach mehr erreichen könnten. Aber erst einmal planen wir einen deutsch-türkischen Fachkräfteaustausch für das nächste Jahr, da wir dafür auch schon Kontakte haben.

JfE: Welche Rolle spielt JiVE für Sie?

Betge: Erst einmal hat JiVE uns einen Anstoß gegeben, unsere Rahmenbedingungen zu prüfen und unsere Kräfte zu bündeln. Dann können wir mit der JiVE-Beratung jederzeit Knowhow ran holen. Wir haben an Qualifizierungsangeboten und Förderworkshops teilgenommen. Das ist schon allein deshalb motivierend, weil eine solche Initiative auf kommunaler Ebene sehr viel persönlichen Einsatz erfordert. Außerdem merken wir, dass unsere Arbeit wertgeschätzt wird.

JfE: Hat diese Tagung für Sie etwas gebracht?

Betge: Auf jeden Fall! Ich habe sehr viel zugehört, habe gesehen, in wie vielen verschiedenen Bereichen und mit wie viel unterschiedlichen Formaten, Herangehensweisen, Fokussierungen im Bereich  Internationaler Jugendarbeit gearbeitet wird. Ich habe erfahren, dass man wahrscheinlich für fast alles den passenden Ansprechpartner findet, der einem weiterhilft. Und dafür ist ein solcher Austausch ja da!

(Das Interview führte Dr. Helle Becker im Auftrag von JUGEND für Europa)

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