Interview vom 19.03.2013Die EU-Jugendstrategie 2010 - 2018

"Es geht um mehr als nur Beschäftigungsfähigkeit"

Die Umsetzung der EU-Jugendstrategie in Deutschland geht voran. Drei Jahre nach ihrer Einführung stellt sich aber die Frage, wie die Kinder- und Jugendhilfe noch stärker europäisch ausgerichtet werden kann.

JUGEND für Europa sprach mit Matthias Köpke, Geschäftsführer von Youth Bank Deutschland.

Herr Köpke, für alle, die es noch nicht wissen, welche Aufgabe haben Youth Banks? 

Youth Banks sind Jugendinitiativen von drei bis zehn Jugendlichen, die an ihrem Ort wie eine eigenständige Stiftung agieren. Sie unterstützen andere Jugendliche bei der Umsetzung von Projektideen mit Know-how, Infrastruktur, Motivation und Geld. Die „Banker“ sind zwischen 15 und 25 Jahre alt und arbeiten ehrenamtlich.

Und da kann die Europäische Jugendstrategie jetzt für zusätzlichen Schwung sorgen? 

Bislang hat die EU-Jugendstrategie noch recht wenig direkte Auswirkungen auf unsere Arbeit. Implizit trägt sie aber Teilhabechancen in die Fachdiskussion und in die Jugendarbeit. Dies nützt natürlich auch kleineren Organisationen wie der Servicestelle Jugendbeteiligung und dem Youth Bank Deutschland e.V., für die das Thema Partizipation Kernaufgabe und Hauptanliegen sind.

Welchen Mehrwert bringt die Strategie? 

Für die Jugendarbeit in Deutschland sind die Anregungen und Folgeaktivitäten gewinnbringend, weil sie einen politischen Prozess in Gang gesetzt haben, der Bund und Länder an einen Tisch bringt und der Jugendpolitik einen höheren Stellenwert einräumt als diese jemals hatte. Schade ist allerdings die derzeit fokussierte Orientierung auf Themen wie Beschäftigungsfähigkeit und Mobilität von Jugendlichen, die ja als reine Reflexreaktion auf die gegenwärtige Krise in Europa zu verstehen ist. Damit werden Jugendliche wieder vom gestärkten Subjekt zum Objekt von Politik gemacht. Statt gemeinsam etwas mit den jungen Menschen auf die Beine zu stellen, wird über bzw. für sie geredet.

Und das EU-Jugendprogramm?

Gerade für die Förderung selbstbestimmten Jugendengagements in Deutschland spielt das Programm JUGEND IN AKTION eine wesentliche Rolle. Mich interessiert sehr, wie es mit einem neuen Programm ab 2014 weitergeht. Ich hoffe, dass Jugenddemokratieprojekte, innovative Ideen im Strukturierten Dialog und Jugendinitiativen auch in den nächsten Jahren ausreichend gefördert werden.

Was plant Youth Bank Deutschland mit Blick auf Europa? 

Wir haben erst kürzlich - auch dank JUGEND IN AKTION - das erste Vernetzungstreffen von Youth Bank Teams aus Europa, der Türkei und Ländern der Nachbarschaftspolitik im Osten umgesetzt. Dabei sind verschiedene Planungen entstanden. So wird es beispielsweise am 25. Mai europaweit einen Youth Bank Tag geben, der Jugendliche anregen wird, ihre Ideen mit Hilfe von Youth Bank in die Tat umzusetzen. Zukünftig wollen mir mit unseren europäischen Partnern Strategien entwickeln, um den länderübergreifenden Erfahrungsaustausch und den Austausch von Aktiven zu ermöglichen.

Und die Jugendarbeitslosigkeit in Europa... 

...können wir mit unserem Youth Bank-Konzept wirkungsvoller bekämpfen als viele reaktive Maßnahmen. Bei Youth Bank unterstützten Jugendliche andere Jugendliche dabei, ihre Ideen umzusetzen und ihr Lebensumfeld mitzugestalten. Wir ermöglichen Selbstwirksamkeitserfahrungen und machen Jugendliche stark, indem sie ihre Kompetenzen und Fähigkeiten steigern. Sie werden unabhängiger und selbstständiger. Die Möglichkeiten derartiger informeller und non-formaler Lernprozesse werden insbesondere in der Diskussion um Beschäftigungsfähigkeit derzeit völlig unterschätzt.

Frustrieren Sie die aktuellen Europa-Debatten?

Ich wünsche mir jedenfalls, dass die ökonomische Sichtweise, die momentan die europäische Diskussion und die europäischen Beschlüsse und Veröffentlichungen dominiert, zeitnah um eine andere wichtige Komponente ergänzt wird. Wir sollten uns alle fragen, wie die Zivilgesellschaft und die innereuropäische Debatte gestärkt werden können. Klappt das alles nicht, könnte die EU hinter die Errungenschaften der letzten Jahre, vielleicht sogar der letzten anderthalb Jahrzehnte, zurückfallen.

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Mehr Informationen zu Youth Bank Deutschland finden Sie unter www.youthbank.de

(Das Interview führte Marco Heuer im Auftrag von JUGEND für Europa)

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