12.07.2013Nicht formale Bildung

Erkenne deine Stärken und rede drüber: Gute Noten für den Youthpass

235.000 Nachweise,  ausgegeben von 10.000 Organisationen in  20.000 Projekten – das sind die beeindruckenden Zahlen zum Youthpass. Dieser hilft vor allem, eigene Stärken zu erkennen und zu kommunizieren, sagt eine aktuelle Studie.

Seit 2007 gibt es das Dokument im Rahmen von JUGEND IN AKTION, das Lernerfahrungen in Jugendbegegnungen, im Europäischen Freiwilligendienst, in Jugendinitiativen oder Trainingskursen dokumentiert. Die Wirkung dieses Instruments wurde nun von zwei Forschern, mit Unterstützung unter anderem des SALTO Traing & Cooperation Resource Centre und des Europäischem Jugendforums, im Auftrag der Europäischen Kommission untersucht.

Anhand eines Online-Fragebogens wurden 741 Träger, die den Youthpass in ihren Projekten im Rahmen von JUGEND IN AKTION einsetzen, sowie 1.143 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus diesen Projekten befragt. Von diesen hatten 80% einen Youthpass erhalten, die meisten, 61%, in Austauschmaßnahmen.  Außerdem gab es Interviews in so genannten Fokusgruppen und mit Expertinnen und Experten.

Kommunikationsstütze

Im Idealfall wird der Youthpass in gemeinsamer Reflektion und im Dialog zwischen Maßnahmeverantwortlichen und Teilnehmenden erstellt. Dabei wird den Teilnehmenden während der Maßnahme, mindestens aber an deren Ende, bewusst, welche Erfahrungen sie gesammelt haben, wie sie ihre Talente einsetzen konnten, welche ihrer Stärken zum Tragen kamen und welche Kompetenzen sie entwickelt haben. Einer der wichtigsten Effekte des Youthpass-Einsatzes ist es daher, so ein verbreitetes Argument, dass Jugendliche für ihren eigenen Lernprozess sensibilisiert werden. Und in der Tat: 80% der befragten Teilnehmerinnen und Teilnehmer bestätigten nicht nur, dass sie selbst sensibilisiert wurden, sondern auch, dass sie nun ihre Stärken besser kommunizieren können und ihren weiteren Bildungsweg bewusster planen. Allerdings sei die Referenz auf die acht Schlüsselkompetenzen der EU – diese wird für die Beschreibung der Lernerfahrungen empfohlen – nicht besonders hilfreich. „Zu abstrakt“ und „zu komplex“ sei es, diesen Bogen zu schlagen. Wolle man da mehr erreichen, bräuchte man mehr Anleitung.

Qualitätshebel  

Die pädagogischen Wirkungen des Youthpasses verwundern nicht. Denn der Einsatz des Kommunikationsinstruments führt bei den Verantwortlichen offensichtlich dazu, ihre Maßnahmen zielorientierter zu planen und ihre Methoden bewusster einsetzen.

Mehr als 80% der Befragten sind sich einig, dass das Bewusstsein für Bildungsprozesse in informellen und nicht formalen Kontexten erweitert werde und damit zum Beispiel Diskussionen über die Intentionen eines Projektes angeregt würden. Damit bewirkt der Youthpass also auch auf übergeordneter Ebene Aufmerksamkeit für nicht formale Bildung und Jugendarbeit, davon sind die meisten der Befragten überzeugt. Er wirke oft wie ein „Katalysator“, um über die Qualität von Jugendarbeit ins Gespräch zu kommen.

Beschäftigungshilfe

Und wie steht es um ein Hauptargument, die Nützlichkeit des Nachweises für Ausbildung und Arbeitswelt? 80% der Organisatoren glauben, dass der Youthpass die Chancen junger Menschen bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz oder einem weiterführenden Bildungsweg erhöht. 70% sind der Meinung, dass dies auch für die Jobsuche gilt. Mehr als 70% der Teilnehmerinnen und Teilnehmer geben an, den Youthpass auch tatsächlich für Stellenbewerbungen nutzen zu wollen. Mehr als 40% würden ihn für ihren weiterführenden Bildungsweg einsetzen. Der Glaube daran, dass das auch erfolgreich ist, ist allerdings bei Organisatoren höher als bei den Jugendlichen selbst. In beiden Fällen beruhen die Aussagen eher auf persönlicher Einschätzung. Nur 50% Organisatoren kannten konkrete Beispiele, was die Jugendlichen mit ihrem Youthpass nach der Maßnahme tatsächlich anstellen und unter den befragten Jugendlichen hatten nur 20% Erfahrungen mit einer Weiterverwertung.  

Es soll weitergehen

Insgesamt erhält der Youthpass gute Noten als wichtiges Instrument für direkte Nutznießer wie für die Jugendarbeit insgesamt. Die Forscher wünschen sich daher noch  mehr pädagogische Anleitung und Unterstützung, um vor allem benachteiligte Jugendliche besser berücksichtigen zu können, und noch mehr Werbung, um die Akzeptanz im formalen Bildungsbereich und bei Arbeitgebern zu erhöhen. Vor allem aber: dass der Youthpass auch im kommenden Programm seinen Stellenwert erhält und weiter ausgebaut werden kann.

(Dr. Helle Becker im Auftrag von JUGEND für Europa)

Dokumente

Kommentare

    Bislang gibt es zu diesem Beitrag noch keine Kommentare.

    Kommentar hinzufügen

    Wenn Sie sich einloggen, können Sie einen Kommentar verfassen.