Erasmus+ im Blick des Europäischen Parlaments: Mehr Gewicht für den Jugendbereich ab 2020

Im zuständigen Ausschuss des EP machte Hans-Georg Wicke, Leiter von JUGEND für Europa, deutlich, welche Folgerungen die zuständigen Nationalen Agenturen aus den ersten drei Jahren der Umsetzung des Jugendkapitels in Erasmus+ ziehen.

Der Ausschuss des Europäischen Parlaments für Kultur und Bildung befasste sich am 13.07.2016 erstmals mit einer Zwischenbilanz des EU-Programms Erasmus+.

Parallel zur anstehenden Zwischenevaluation des Programms durch die EU-Kommission wird das Parlament eine eigene Bewertung der Umsetzung vornehmen. Der zuständige Berichterstatter des Ausschusses, Dr. Milan Zver MEP, wird Anfang Oktober dieses Jahres dazu einen ersten Berichtsentwurf vorlegen. Bis Ende des Jahres wird der Bericht verabschiedet werden und in die weitere Debatte zur Umsetzung des Programms und Gestaltung des Nachfolgeprogramms einfließen.

Um sich ein Bild von der Durchführung des Programms zu machen, hatte der Ausschuss zwei eigene Evaluationen in Auftrag gegeben. Deren Präsentation war Anlass für die erste Diskussionrunde zum Vorhaben im Ausschuss. Dazu wurden - stellvertretend für alle Nationalen Agenturen - Pieter Tratsaert, Direktor der Nationalen Agentur für den Bereich Allgemeine und Berufliche Bildung in Flandern, und Hans-Georg Wicke, Leiter von JUGEND für Europa für den Jugendbereich, angehört.

Wicke unterstrich, dass die Umsetzung von Erasmus+ JUGEND IN AKTION bisher ein Erfolg sei. Das Programm habe sich nach erheblichen Startschwierigkeiten etabliert. Sämtliche Formate würden angenommen, die Antragszahlen stiegen deutlich undd ie zur Verfügung stehenden Fördermittel würden somit komplett ausgeschöpft. Die Probleme würden aufgrund der Anstrengungen auf allen Seiten geringer.
Dabei hob Wicke hervor:

  • Das eigene Jugendkapitel hat einen enormen Stellenwert und ist die unverzichtbare Voraussetzung für eine jugendspezifische Umsetzung des Programms und die Verbindungen mit Jugendarbeit und Jugendpolitik. Diese Spezifik des Jugendsektors ist im integrierten Programm oft schwieriger zu vermitteln. Es ist richtig und war notwendig, dass weitergehende Bestrebungen zur Harmonisierung des Programms angehalten und die notwendige Spezifik (nicht nur) des Jugendsektor verstanden werden.
     
  • Unverzichtbar ist ebenso ein eigenes Budget für den Jugendbereich. Erasmus+ JUGEND IN AKTION hat nur 10% des Budgets, aber 25% aller Teilnehmenden. Das Jugendkapitel verzeichnet die höchste Anzahl der Anträge, der geförderten Projekte und beteiligten Organisationen im gesamten Programm. Bis heute wurden 2016 bereits so viele Anträge eingereicht wie im ganzen Jahr 2014. Gleichzeitig ha Erasmus+ JUGEND IN AKTION aber auch viel zu hohe Ablehnungsquoten. Diese Situation entwickelt sich zunehmend zu einem Problem. Es besteht jetzt und auf lange Sicht der Bedarf für ein sehr viel höheres Budget im Jugendbereich als bisher.
     
  • In Erasmus+ JUGEND IN AKTION sind 37% der Teilnehmenden junge Menschen mit Behinderungen und geringen Chancen. Dies ist ein großer Erfolg und schreibt die inklusive Tradition des der EU-Jugendprogramme fort. Nichtsdestotrotz muss der Fokus auf "Inclusion und Diversity" weiter verstärkt und Einrichtungen noch mehr in die Lage versetzt werden, Projekte mit diesen Zielgruppen durchführen zu können. Dafür benötigt es noch mehr Flexibilität im Programm.
     
  • Trotz aller Fortschritte und Erleichterungen (Einführung von Festbeträgen, Flexibilität zwischen den Formaten u.a.m.) ist die Verwaltung des Programms für alle Beteiligten zu aufwändig. Dies führt zu dazu, dass insbesondere Organisationen und Initiativen ohne hauptberufliches Personal zunehmend Probleme haben, sich am Programm zu beteiligen. Hier müssen der ausreichende Zugang für ehrenamtlich getragene Organisationen und Initiativen sichergestellt und die Komplexität des Programms reduziert werden.
     
  • Unbedingt zu bewahren ist die dezentrale Umsetzung des Programms durch Nationale Agenturen. Sie sichern die Nähe zu dem der verschiedenen Akteure im Jugendbereich und zu den Entwicklung von Jugendarbeit und Jugendpolitik. Die Vielfalt der Nationalen Agenturen (in manchen Ländern nur eine Agentur, in Deutschland vier) ist ein Zugewinn und muss erhalten bleiben um die Anpassung an die nationalen Realitäten und die Sektoren zu gewährleisten. Zudem müssen die Nationalen Agenturen in ihrer Rolle als intermediäre und unterstützende Organisationen weiter gestärkt werden.
     
  • Das europäische Netzwerk der Nationalen Agenturen unterstützt durch seine Zusammenarbeit eine starke europäische Umsetzung des Programms mit einem europäischen Mehrwert. Diese Zusammenarbeit hat insbesondere im Jugendbereich dazu beigetragen, dass immer wieder Akzente und Impulse in Jugendarbeit und Jugendpolitik in Europa eingebracht wurden. Diese Zusammenarbeit der Nationalen Agenturen in einem starken europäischen Programm muss weiter gestärkt werden.

Zum Abschluss legte Wicke den Abgeordnete noch eine der Empfehlungen aus den vorgelegten Evaluationen ans Herz: “Es wird dem Europäischen Parlament empfohlen, sich mit notwendigen Ressourcen, Aktivitäten und Methoden zu befassen, die dazu beitragen könnten, das Jugendkapiel im Nachfolgeprogramm ab 2020 zu stärken.”

JUGEND für Europa

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