Eine neue Jugendpolitik für Europa: Peer Learning-Projekt erfolgreich abgeschlossen

BMFSFJ-Abteilungsleiterin Regina Kraushaar plädierte für eine „Jugendpolitik als gesellschaftliche Zukunftspolitik“.

„Eine neue Jugendpolitik für Europa – Für Befähigung und Einbeziehung aller jungen Menschen“ – Unter diesem Motto stand die Abschlussveranstaltung des Multilateralen Peer Learning-Projektes zur Jugendpolitik am 25. November 2013 in Brüssel. Die litauische Regierung, die zurzeit die EU-Präsidentschaft innehat, hatte in ihre Vertretung eingeladen, und über 60 Interessierte aus Ministerien, Landesvertretungen und EU-Kommission wollten mehr über die Ergebnisse des zweijährigen Peerlearning-Prozesses erfahren.

Die Regierungen von sechs Ländern - der flämischsprachigen Gemeinschaft Belgiens, der Tschechischen Republik, Frankreichs, Litauens, der Niederlande, Schwedens und Deutschlands - wollten 2011 die neue EU-Jugendstrategie beim Wort nehmen und das darin empfohlene Peer Learning-Verfahren für eine gemeinschaftliches Nachdenken über die Herausforderungen einer künftigen Jugendpolitik nutzen.

Auf Initiative des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend traf man sich zu drei thematischen Seminaren: Zur Rolle der Regionen und Kommunen am 13.-14. Juni 2012 in Berlin (siehe NEWS), zum Thema „positive Jugendpolitik“ am 29.-30. Oktober 2012 in Rotterdam (siehe NEWS) und zur sektorübergreifenden Jugendpolitik am 8.-9. April 2013 in Prag (siehe NEWS). In Brüssel wurden nun die mit zahlreichen Stakeholdern aus Jugendpolitik und Jugendarbeit erarbeiteten Ergebnisse dieser Treffen vorgestellt.

Jugendpolitik ist Zukunftspolitik

Die litauische Sozialministerin Algimanta Pabedinskiene lobte die Kooperation in Sachen Jugendpolitik. Sie böte hervorragende Gelegenheiten für eine kontinuierliche Prüfung der eigenen Erfahrungen, sagte sie.

Regina Kraushaar, Abteilungsleiterin Jugend im BMFSFJ, meinte, Jugendpolitik müsse mehr sein als bloße Reaktion auf akute Problemlagen. Das Peer Learning habe „gezeigt, wie wichtig die Neujustierung von Jugendpolitik und ihre Etablierung als gesellschaftliche Zukunftspolitik sowohl in den Mitgliedstaaten als auch auf europäischer Ebene ist, um den gemeinsamen Herausforderungen des demografischen Wandels und den wachsenden Anforderungen an junge Menschen in einer globalisierten Welt wirksam zu begegnen.“ Zwar seien die Lebensbedingungen von Jugendlichen in allen Ländern unterschiedlich. Jedoch sei in allen Ländern die Lebensphase Jugend durch nationale und internationale gesellschaftliche Veränderungen besonders betroffen. Die Jugendphase sei wie keine andere durch eine intensive Auseinandersetzung mit der Welt geprägt und stelle entscheidende Weichen für die Zukunft. Im Rahmen des Multilateralen Kooperationsprojektes sei es daher trotz aller nationalen Unterschiede gelungen, zwar kein Patentrezept, aber doch gemeinsame wichtige Zutaten für nationale und europäische Jugendpolitiken zu finden und Werte und Zielsetzungen einer nachhaltigen und zukunftsorientierten Jugendpolitik zu identifizieren.

Sechs Zutaten für eine neue Jugendpolitik

Diese sechs „Zutaten“, auf die sich die „Peers“ geeinigt hatten, wurden anschließend von Projektkoordinator Claudius Siebel und der General Rapporteurin Helle Becker erläutert:

  1. Jugendpolitik muss für alle sein: Jugendpolitik muss alle Jugendlichen im Blick haben, nicht nur so genannte „Problemgruppen“, da die Jugendphase inzwischen für fast alle einen zunehmend prekären sozialen Status darstellt.
  2. Jugendpolitik muss „positiv“ sein: Jugendpolitik und Jugendarbeit sollte einen „positiven“, ressourceorientierten Ansatz haben. Jugendpolitik darf Jugendliche nicht als Problemfaktor oder nur als Arbeitskräfte betrachten, sondern Jugendpolitik und Jugendarbeit sollten an den Stärken und Interessen von Jugendlichen ansetzen und diese unterstützen.
  3. Jugendpolitik muss partizipativ sein: Partizipation und aktive Bürgerschaft sind unabdingbare Bestandteile und Ziele von Jugendpolitik. Die Interessen, Bedürfnisse und Fragen junger Menschen sollten daher auf allen politischen Ebenen einbezogen werden.
  4. Jugendpolitik muss strukturiert und kooperativ sein: Dafür müsse es bindende Regeln geben, die faire und gleiche Lebensbedingungen für alle Kinder und Jugendlichen sichern und gleichzeitig einen ausreichenden Spielraum für deren Umsetzung auf der regionalen und lokalen Ebene lassen. Das Zusammenspiel von lokalen, regionalen und nationalen Verantwortlichkeiten muss ebenfalls geregelt sein.
  5. Jugendpolitik muss sektorübergreifend arbeiten: Jugendpolitik muss ein eigenständiger Bereich sein, aber gleichzeitig sektorübergreifend mit allen Politikfeldern kooperieren, in denen es um Jugendbelange geht. Umgekehrt muss in allen Politikfeldern regelmüßig geprüft werden, ob und wie Entscheidungen die Belange von Jugendlichen betreffen.
  6. Jugendpolitik muss evidenzbasiert sein: Jugendpolitik muss evidenzbasiert sein, um auf kommende Veränderungen und Herausforderungen proaktiv handeln zu können. Auf der Grundlage eines besseren und größeren Wissens über die Situation Jugendlicher können Entscheidungen abgesichert werden, gleichzeitig dienen valide Daten auch dazu, das Bild von Jugend in Politik und Gesellschaft positiv zu verändern.

Es steht auf der Agenda

Pascal Lejeune, Leiter der Abteilung Jugend bei der Europäischen Kommission, bedankte sich für die Arbeit der Peer-Gruppe. Er freute sich, dass sich Peer Learning als Instrument der EU-Jugendstrategie bewährt habe. Er forderte mehr Aufmerksamkeit für Jugendpolitik und eine bessere Qualität der Jugendarbeit. Der Arbeitsplan der Europäischen Kommission für die kommenden Wochen bringe weitere Aspekte und Themen für noch mehr Peer Learning, sagte er.

Auch Regina Kraushaar bekräftigte, wie wichtig europäisches Peer Learning sei, da sich nationale Jugendpolitiken immer stärker grenzübergreifenden Lebenssituationen von Jugendlichen stellen müssten. Mit dem vorgeschlagenen europäischen Arbeitsplan käme man den heute gehörten Forderungen zur Jugendpolitik „ein gutes Stück näher“.

Nachzulesen sind die Ergebnisse des Multilateralen Peer Learning Projektes zur Jugendpolitik in der Broschüre: A new youth policy for Europe. Towards the empowerment and inclusion for all young people. European Peer Learning on Youth Policy (2011-2013).

Das Video zur Veranstaltung finden Sie in unserem YouTube - Kanal

(Quelle: Service- und Transferstelle EU-Jugendstrategie bei JUGEND für Europa)

Dokumente

  • A new youth policy for Europe

    Towards the empowerment and inclusion for all young people. European Peer Learning on Youth Policy (2011–2013). Documentation. JUGEND für Europa. Bonn 2013.
    Dieses PDF-Dokument mit dem Dateinamen "131128_JfE_MKP_NewYouthPolicy_Screen.pdf" ist 4,14 MB groß.

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