Ein Pakt mit Wirkung? Europäisches Jugendforum möchte mehr nicht-formale Bildung im Pakt für die Jugend

"Making it a Pact with impact!" – "Macht den Pakt zu einem Pakt mit Wirkung!" verlangt das Europäische Jugendforum und lobt den "Europäischen Pakt für die Jugend" als Beginn einer neuen Jugendpolitik. Es gibt aber auch Kritik...

via Europäisches Jugendforum

Einen neuen Meilenstein in der europäischen Jugendpolitik nennt das Europäische Jugendforum den Pakt. Noch vor einem Jahrzehnt sei die Rolle der Europäischen Union im Bereich Jugendpolitik auf das Programm „JUGEND für Europa“ beschränkt gewesen. Zwar habe das Jugendprogramm einen enormen Beitrag zur Jugendarbeit geleistet, es habe aber nie das "politische Vakuum" füllen können, das jugendpolitisch bestanden hätte. Auch das Weißbuch JUGEND habe zwar die Notwendigkeit einer Querschnitts-Zusammenarbeit in den Bereichen Bildung, Beschäftigung, soziale Integration betont: nirgends aber sei erläutert worden, wie diese umgesetzt werden sollte.

Deswegen begrüßt das Europäische Jugendforum den "Europäischen Pakt für die Jugend" und die Integration jugendpolitischer Anliegen in die Lissabon-Strategie. Dieser setze erstmals die Sorgen und Bedürfnisse Jugendlicher in das Zentrum der politischen Agenda. Auch die von der Europäischen Kommission vorgelegten Umsetzungsvorschläge - die Kommission hat für die Erneuerung des Lissabonprozesses einen Aktionsplan für gemeinschaftliche Aufgaben, auch jugendpolitischer Art, vorgeschlagen - seien deswegen zu begrüßen.

Das Jugendforum spart jedoch auch nicht mit Kritik. So seien auf Gemeinschaftsebene noch keine konkreten und erreichbaren Ziele formuliert. Mit dem Satz mahnend: "Wenn man nichts will, wird man es auch bekommen" äußert das Jugendforum die Sorge, dass der Prozess nur auf dem Papier stattfinden könnte. Dies sei unter allen Umständen zu vermeiden. Der zweite große Kritikpunkt ist der, dass die Bereiche nicht-formales Lernen, Partizipation und Aktive Bürgerschaft vernachlässigt werden. Der Grund dafür läge im Kontext, in dem der Pakt entstanden sei: zu viel Wert werde auf die ökonomische Rolle der Jugend gelegt und darauf, wie und warum diese dazu beitragen könne, Europa zum dynamischsten und wettbewerbsfähigsten Wirtschaftsraum der Welt (Lissabon-Beschluss) zu machen: "Obwohl wir alle möchten, dass Europa wirtschaftlich erfolgreich ist, ist es doch unser wichtigstes Anlegen, dass die Bedürfnisse und Anliegen der jungen Menschen berücksichtigt werden", heißt es im Papier. Der Erfolg des Pakts müsse sich daran bemessen, wie gut es der Gemeinschaft und den Mitgliedstaaten gelingt, jungen Menschen zu ermöglichen, ihr Potential auszuschöpfen - nicht nur für den Arbeitsmarkt, sondern für ihr ganzes Leben.

Das Europäische Jugendforum erneuert daher seine Forderungen, dass die EU und die Mitgliedstaaten die Jugendlichen und ihre Vertretungen bei der Umsetzung des Pakts einbeziehen. "Kein Pakt für die Jugend ohne die Jugend" war bereits eine frühere Forderung des Jugendforums. Im April 2005 hatte das Jugendforum bereits ein Papier mit konkreten Umsetzungszielen und –Maßnahmen verabschiedet. Es müssten nun strengere Maßnahmen getroffen werden, die Umsetzung auch zu begleiten, zum Beispiel durch jährliche Berichte der Mitgliedstaaten. Das nächste größere Event werde die Konferenz "Youth takes the floor" im Dezember in Brüssel sein, auf der Jugendliche und Jugendorganisationen die Erneuerung der Lissabon-Strategie diskutieren werden. Mit Spannung erwartet werde auch der erste Kommissionsbericht zur Umsetzung des Pakts im Frühjahr 2006.

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