29.04.2008Nicht formale Bildung

Ein Meilenstein: Europäischer Qualifikationsrahmen formal verabschiedet

Am 23. April 2008 haben das Europäische Parlament und der Rat den Europäischen Qualifikationsrahmens (EQR) angenommen. Damit ist der Startschuss zur Durchlässigkeit von formaler, nicht-formaler und informeller Bildung gefallen.

via Europäische Kommission

Eine Empfehlung über die Einrichtung eines Europäischen Qualifikationsrahmens für lebenslanges Lernen (EQR) (siehe NEWS vom 07.09.2006) wurde am 23. April 2008 offiziell vom Europäischen Parlament und vom Rat unterzeichnet. Der EQR ist ein Meilenstein in der Entwicklung hin zur Vergleichbarkeit der Qualifikationen und Kompetenzen in Europa. Denn damit wird ein Referenzsystem eingeführt, das die unterschiedlichen Qualifikationssysteme und -rahmen der einzelnen Länder miteinander verbinden soll. Der EQR wird als „Übersetzungshilfe“ dienen, so dass Abschlüsse für Arbeitgeber, Bürger und Einrichtungen vergleichbarer und verständlicher gemacht werden und Arbeitnehmer und Lernende ihre Qualifikationen in anderen Ländern nutzen können. Damit soll er die Mobilität der Bürger fördern. In diesem Sinne ergänzt und flankiert er die bestehenden Programme und Instrumente wie den Europass mit dem Europäischen Lebenslauf.

Der EQR deckt Kompetenzen und Qualifikationen ab, die in allen Lebensaltern und in allen Bildungsbereichen erworben wurden, darunter allgemeine Bildung, Hochschulbildung und berufliche Bildung, sowohl formale als auch nicht-formale Bildung. Das Kernstück des EQR bilden acht Referenzniveaus vom Abschluss der Pflichtschule (Niveau 1) bis hin zu Spitzenqualifikationen (Niveau 8: Doktorat oder Vergleichbares). Die drei höchsten Niveaus entsprechen den im Rahmen des Europäischen Hochschulraums im Zuge des Bologna-Prozesses definierten Hochschulabschlüssen, wie Bachelor, Master und Promotion. Sie können jedoch auch für hochspezialisierte berufliche Qualifikationen stehen. Damit der EQR auf unterschiedliche Systeme anwendbar ist, basieren die Qualifikationsniveaus auf Lernergebnissen (was ein Lernender weiß, versteht und kann) und nicht mehr auf dem Lerninput (Dauer eines Lernprozesses, Art der Einrichtung usw.).

Konkret sieht die Empfehlung vor, dass die Mitgliedstaaten ihre nationalen Qualifikationssysteme bis 2010 an den EQR koppeln und dass individuelle Zeugnisse und Abschlüsse ab 2012 einen EQR-Verweis tragen sollten, damit Arbeitgeber und Einrichtungen die Kenntnisse, Fertigkeiten und Fähigkeiten von Bewerbern richtig einschätzen können. Die Kommission und die Mitgliedstaaten arbeiten bereits gemeinsam an der praktischen Umsetzung. Eine beratende Gruppe, der Vertreter von Regierungen und Sozialpartnern (Arbeitgeber und Gewerkschaften) angehören, wird die Verfahren koordinieren, die für die Kopplung der nationalen Systeme an den EQR erforderlich sind.

Viele Mitgliedstaaten, darunter auch Deutschland (siehe NEWS vom 31.05.2007), erstellen zurzeit eigene Nationale Qualifikationsrahmen (NQR) entsprechend dem EQR. Die Nationalen Qualifikationsrahmen – einige europäische Länder arbeiten bereits seit einigen Jahren damit – sollen tendenziell die in unterschiedlichen Bildungszusammenhängen erworbenen Kompetenzen beschreibbar und nutzbar machen und damit der horizontalen Bildungsmobilität dienen. Die Idee ist, dass die Bürger ganz unterschiedliche Bildungswege gehen können, indem sie beispielsweise freier zwischen verschiedenen Einrichtungen, wie Universitäten und Berufsbildungsinstituten, wechseln können oder sich ihre nicht formale Bildung anerkennen lassen. Ob und wie Nachweise der nicht-formalen Bildung – wie zum Beispiel der Youthpass - in dieses System integrierbar sein wird, ist noch offen.

Weitere Informationen zum EQR und NQR in Deutschland gibt es beim Bundesinstitut für Berufsbildung und beim Bundesbildungsministerium.

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