03.08.2006Freiwilliges Engagement

Ehrenamtliches Engagement: zwar unbezahlt, aber nicht umsonst zu haben

Das Europäische Freiwilligenzentrum hat dem Europäischen Parlament ein Manifest mit Forderungen zum Freiwilligendienst in Europa übergeben.

via Europäisches Freiwilligenzentrum (Centre Européen du Volontariat, CEV)

Eingeladen von EU-Parlamentarier Jo Leinen stellten ca. 100 Vertreterinnen und Vertreter von Freiwilligenorganisationen aus 20 europäischen Ländern im EU-Parlament ein Manifest zum freiwilligen Engagement in Europa vor. Das Manifest war vom Europäischen Freiwilligenzentrum (Centre Européen du Volontariat, CEV) erstellt worden, einem europäischen Netzwerk von derzeit 38 Freiwilligenverbänden. Das Netzwerk richtet sich an Entscheidungsträger in den verschiedenen europäischen Institutionen und macht konkrete Vorschläge, wie freiwilliges Engagement in der EU anerkannt, gefördert und erleichtert werden kann.

CEV-Direktor Markus Held stellte im EU-Parlament die wachsende Relevanz des Freiwilligendienstes in Europa heraus. So engagieren sich mehr als 100 Mio. Menschen in Europa in freiwilliger Arbeit. Diese, so hob er hervor, unterstütze Solidarität und soziale Integration, sie fördere eine aktive Bürgerschaft und trüge zum "sozialen Kapital" Europas bei.

Das Manifest fordert die Institutionen der Europäischen Union auf, freiwilliges Engagement gezielt zu fördern und dabei seinem horizontalen Charakter Rechnung zu tragen. EU-Politik müsse "freiwilligenfreundlich" sein, d.h. sie müsse es Menschen ermöglichen, sich ehrenamtlich zu engagieren. Dies könnte über spezielle Freiwilligenprogramme geschehen wie das JUGEND-Programm der EU, jedoch sollte die EU Freiwilligenprogramme breiter angelegen und für alle Altersgruppen zugänglich machen.

Die EU müsse außerdem die Rolle anerkennen, die freiwilliges Engagement bei der Förderung einer aktiven Europäischen Bürgerschaft spielt und EU-Programme dementsprechend gestalten. Freiwillige könnten eine Schlüsselrolle bei der Verbreitung europäischer Werte spielen. Freiwilligenarbeit fördere die Integration und das Empowerment traditionell ausgeschlossener gesellschaftlicher Gruppen und spiele eine wesentliche Rolle beim Erlernen von Fertigkeiten und Kompetenzen, die in einer wissensbasierten Gesellschaft nötig sind. Es müsse dafür gesorgt werden, dass die im Rahmen von freiwilligem Engagement erworbenen Fertigkeiten im Bildungssystem der Mitgliedstaaten anerkannt werden. Dafür benötige man ein europäisches System für die Validierung informellen und nicht formalen Lernens. Wünschenswert sei die Schaffung einer europäischen Auszeichnung für Freiwillige.

Weiterhin fordert das Manifest europaweit vergleichbare Studien, um Aussagen über freiwilliges Engagement, seinen Umfang und seine wesentlichen Kennzeichen in einem europäischen Kontext machen zu können. Es schlägt dazu vor, die Arbeit von Freiwilligen in den Programmen und Projekten der EU als tatsächliche Investition in das Gemeinwesen und als einen Beitrag zur Kofinanzierung anzuerkennen, der einer finanziellen Kofinanzierung gleichgesetzt ist.

Risto Raivio von der Generaldirektion Bildung und Kultur, dort stellvertretender Referatsleiter der Direktion D - Jugend, Sport und Beziehungen mit dem Bürger, begrüßte das Manifest und schlug eine Partnerschaft vor zwischen Entscheidungsträgern auf europäischer Ebene und Netzwerken wie CEV. Diese könnten die an sie herangetragenen "Grasswurzel"-Erfahrungen und Forderungen transportieren.

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