19.09.2005Erasmus+ (2014 - 2020)

Diskussion um "JUGEND IN AKTION" geht weiter: Mehr Änderungsvorschläge

Die Änderungsvorschläge am Entwurf des neuen JUGEND-Programms reißen nicht ab: Nun haben sich weitere Mitglieder des Europäischen Parlaments, der Ausschuss für die Rechte der Frau und die Gleichstellung der Geschlechter sowie der Ausschuss für bürgerliche Freiheiten, Justiz und Inneres mit ihren Vorstellungen geäußert.

via Europäisches Parlament

Der Konsultations- und Entscheidungsprozess zum neuen Programm JUGEND IN AKTION geht weiter. Dabei wird viel an Formulierungen gefeilt und um Akzente gestritten. Aber auch neue Aspekte und grundlegende Meinungsverschiedenheiten sind auszumachen. Die bemerkenswertesten Änderungsvorschläge zur Stellungnahme des Ausschusses für Kultur und Bildung (Berichterstatterin: Lissy Gröner) und zur Stellungnahme des Ausschusses für die Rechte der Frau und die Gleichstellung der Geschlechter (Berichterstatterin: Piia-Noora Kauppi) sowie der Entwurf einer Stellungnahme des Ausschusses für bürgerliche Freiheiten, Justiz und Inneres (Verfasser: Luis Francisco Herrero-Tejedor) in Kürze:

Bekämpfung von Diskriminierung

Dass der Bereich der Diskriminierung und Ausgrenzung begrifflich sensibel ist, macht der Streit um Formulierungen deutlich, der vor allem die grundlegenden Zielsetzungen des Programms betrifft. So fordern Mitglieder des Ausschusses für die Rechte der Frau und die Gleichstellung der Geschlechter ein konsequentes "Gendering" und die Berücksichtigung der "Gleichstellung von Frauen und Männern" als Ziel in allen Programmbereichen. Dies geht bis hin zu dem Wunsch, die Nationalagenturen sollten über eine gleiche Anzahl von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern verfügen. Einzelne Parlamentarier verlangen an verschiedenen Stellen des Programmtextes Spezifizierungen der Diskriminierung oder die besondere Berücksichtigung beispielweise von behinderten Jugendlichen oder Jugendlichen aus ländlichen Gebieten.

Jugendorganisationen

Die besondere Berücksichtigung von Jugendorganisationen verlangen MEP Marie Panayotopoulos-Cassiotou und MEP Adamos Adamou. Und MEP Helga Trüpel schlägt vor, Jugendorganisationen auch strukturell und langfristig zu fördern und dafür einen Mindestzuschuss von 2,6 Mio. Euro in der Aktion 4.1 festzuschreiben.

Helga Trüpel macht sich auch stark für die in Lissy Gröners Bericht vorgeschlagene Festschreibung der "Europäischen Jugendwoche" Sie möchte dafür die Beteiligung von jungen Menschen und als Programmelement unter anderem den Dialog zwischen Jugendlichen und Parlamentariern sowie eine Preisverleihung für die besten geförderten Jugendprojekte. MEP Said El Khadraoui möchte eine „Task Force“ einrichten, die alle Mitsprachemöglichkeiten von Jugendlichen bewertet und für deren Kontinuität und Qualitätsverbesserung Sorge trägt.

Unternehmergeist

MEP Adamos Adamou möchte "Unternehmergeist" als Programmziel streichen. Dafür, so meint er, gäbe es andere Programme. Genau gegenteilig argumentiert der Verfasser der Stellungnahme des Ausschusses für bürgerliche Freiheiten, Justiz und Inneres, MEP Luis Francisco Herrero-Tejedor: Er kritisiert, dass die frühere Aktion 3.2 "Future Capital" im Entwurf fehle. Dadurch sei die Übertragung dessen, was im freiwilligen Dienst gelernt wurde, zum Beispiel in Berufs- oder Geschäftsgründungsprojekten sowie Unternehmer- und

Initiativgeist gefördert worden. Die Förderung des Unternehmergeistes und der Eigeninitiative junger Menschen sollten auch im neuen Programm festgelegt werden.

Anerkennung nicht-formaler Bildung

Adamos Adamou schlägt dagegen auch vor, die "Bemühung um eine bessere

Anerkennung der nicht formalen Bildung junger Menschen" sowie "Maßnahmen, um die Anerkennung nicht formaler und informeller Bildungserfahrungen junger Menschen zu fördern, insbesondere durch Ausstellung landes- oder europaweit gültiger Bescheinigungen oder Zeugnisse zur Anerkennung der erworbenen Erfahrung und zur Bestätigung der unmittelbaren Beteiligung der jungen Menschen oder der sozialpädagogischen Betreuer an einer Programmaktion" – bisher Artikel 8 (3) des Entwurfs - zu streichen. Er fürchtet, dass dadurch "formale Qualifikationen durch zweifelhafte "Qualifikationen", erworben mit zweifelhaften Verfahren", ersetzt würden.

Wissen über Europa

Mehrere Abgeordnete unterstützen den Vorschlag der Berichtserstatterin Lissy Gröner aus dem Ausschuss für Kultur und Bildung, "Jugendseminare" zu Jugendthemen, zu politischen Fragen und Themen der Europäischen Integration als Angebotsmöglichkeit in das Programm aufzunehmen. MEP Marie Panayotopoulos-Cassiotou möchte die Vermittlung von Wissen über die Europäische Union als allgemeines Programmziel festschreiben.

Fachkräfte der Jugendarbeit

MEP Bernat Joan i Mari möchte Maßnahmen unterstützen, die "zur Ausbildung sozialpädagogischer Betreuer, zum Austausch bewährter Verfahren und innovativer Maßnahmen, zum Ausbau langfristiger nationaler Partnerschaften und zu den Fertigkeiten der Organisationen der Zivilgesellschaft im Jugendbereich" beitragen. Darüber hinaus verlangt MEP Ivo Belet auch "die Unterstützung der Projekteinreicher bei der Organisation von europäischen Jugendprojekten und die Sicherstellung von Qualität durch Austausch und Ausbildung sowie die Vernetzung der sozialpädagogischen Betreuer" als Programmziel. Konsequent fordert er dann auch, dass die Nationalagenturen nicht auf technische und administrative Fähigkeiten beschränkt werden sollten, sondern über Mitarbeiter verfügen müssten, "die auf dem Gebiet der Jugendarbeit und der Jugendpolitik ausreichend qualifiziert sind, und in der Lage sein, die Unterstützung der Nutzer des Programms zu gewährleisten". Als weiteren Schritt möchte er, dass "Aktivitäten zur Vor- und Nachbereitung, vor allem auf sprachlichem und interkulturellem Gebiet, die die aktive Teilnahme von jungen Menschen an den Projekten verstärken sollen" im Rahmen der Aktion 1 gefördert werden.

Afrika

Noch einmal Adamos Adamou: Dieser möchte die Länder außerhalb Europas, speziell Afrika, als Programmländer sehen und afrikanische Organisationen in die Programmzusammenarbeit einbeziehen. Dafür soll das Programm auch mit dem Entwicklungsausschuss des Europäischen Parlaments und dessen Aktionen kooperieren.

Altersgrenzen und Gewichtung der Aktionen

Nach wie vor umstritten bleiben die Altersgrenzen. So möchten einige Parlamentarier die Alterspanne wieder eingrenzen und vor allem die untere Grenze nur in Ausnahmefällen bei 13 Jahren zulassen. Auch die Gewichtung der Aktionen bleibt ein Thema: Der Berichterstatter des Ausschusses für bürgerliche Freiheiten, Justiz und Inneres verlangt, dass dem Jugendaustausch finanziell mehr Gewicht beigemessen werden solle als dem Europäischen Freiwilligendienst, "da Aktion 1 nicht nur in der Lage ist, eine weit höhere Zahl von jungen Menschen zu erreichen, sondern auch für die stärker benachteiligten jungen Menschen besser zugänglich ist".

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