Die Jungen wollten nicht: Eurobarometer untersuchte Gründe der Referenden-Ergebnisse in den Niederlanden und Frankreich

In Frankreich und in den Niederlanden wurden wenige Tage nach den Referenden zur EU-Verfassung zwei Eurobarometer-Umfragen durchgeführt, deren Ergebnisse die Haltung der Bürger und ihre Einstellung zum europäischen Aufbauwerk deutlich werden lassen. Ein Ergebnis ist überdeutlich: die 18 – 24jährigen waren die "Nein-Sager".

via Europäische Kommission

Die Gründe für ein "Nein" zur Verfassung oder für die Weigerung, sich am Referendum zu beteiligen, sind vielfältig und von Land zu Land verschieden. Ein Phänomen lässt sich aber länderübergreifend erkennen: Die Gruppe der stärksten Befürworter findet sich bei den über 55jährigen, nämlich 54 % in Frankreich - 9 % über dem Landesdurchschnitt - und 48 % in den Niederlanden - 10 % über dem Landesdurchschnitt.

In Frankreich liegt die geringste Wahlbeteiligung mit 66% bei der Gruppe der 25-39jährigen, gefolgt von den 18-24jährigen mit 60%. In den Niederlanden ist es umgekehrt: Hier haben 54% der 18-24jährigen nicht gewählt, 48% der 25-39jährigen. In den Niederlanden führen die jüngsten allerdings den Protest an: 74% stimmten mit "nein" (in Frankreich 51%), 66% der 25-39jährigen ebenfalls (in Frankreich 53%). In beiden Ländern sind das die höchsten Anteile der Gegenstimmen.

Die Begründungen der jungen Bürgerinnen und Bürger sind in beiden Ländern ähnlich: In den Niederlanden, wo sich ohnehin jeder zweite der Bevölkerung nicht ausreichend informiert fühlte, erreichte der Grund "Mangel an Information" auch unter den 18-24jährigen den höchsten Wert. In Frankreich sagen 75% der unter 24jährigen, dass sie sich nicht gut genug informiert fühlten. 61% war der Text zu kompliziert. Ansonsten begründeten die Gegner in Frankreich ihre Entscheidung in erster Linie mit wirtschaftlichen und sozialen Aspekten.

Merkwürdig ist: Die Jüngeren liegen auch bei der Befürwortung einer Mitgliedschaft in der Union an der Spitze. Während 88 % aller Franzosen diese für eine gute Sache halten, finden das überwältigende 91% der 18-24jährigen. Und wenn 82 % aller befragten Niederländer der Mitgliedschaft zustimmen, sind darunter 88% der jüngsten Wähler.

Margot Wallström, Vizepräsidentin der Kommission und Kommissarin für Institutionelle Beziehungen und Kommunikationsstrategien, wertete die Ergebnisse aus den Niederlanden und Frankreich als "ernstes Warnsignal". Es stehe außer Frage, dass sich der Dialog zwischen EU-Bürgern und EU-Organen verbessern müsse. Margot Wallström forderte einen "Plan D" für Europa, wobei das "D" für Demokratie und Dialog stehe. Der Dialog mit der Jugend sollte dabei vielleicht ganz oben stehen.

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