21.07.2008Nicht formale Bildung

Das Superding: Europäisches Jugendforum schlägt einen "Qualitätssicherungsrahmen" für nicht-formale Bildung vor

Eine Road-Map bis 2015 soll einen umfangreichen Diskussions- und Einigungs-Prozess organisieren.

via Europäisches Jugendforum

Das Europäische Jugendforum macht mit seinem im Mai verabschiedeten „Politik-Papier zu nicht-formaler Bildung: Ein Rahmenwerk für die Definition und Sicherung von Qualität“ (Policy Paper on Non-Formal Education: A framework for indicating and assuring Quality) einen großen Aufschlag. Das Papier schließt an die bisherigen Bemühungen des Jugendforums an, die Anerkennung nicht-formaler Bildung voranzutreiben. Der Prozess, zu dem auch der Europäische Qualifikationsrahmen, der Europass und der Youth Pass und von Seiten des Europarates das Europäische Portfolio für Jugendarbeiter beitragen sollen, muss nach Ansicht des Jugendforums durch einen umfassenden Qualitätsprozess unterstützt werden.

Nicht-formale Bildung in Jugendorganisationen solle besser definiert und beschrieben und die Reflexion der eigenen Qualitäten befördert werden, so das Papier. Das Verständnis für nicht-formales Lernen soll erhöht und die Sichtbarkeit und Anerkennung nicht-formaler Bildung durch die Gesellschaft sowie die eigene Anerkennung innerhalb der Organisationen wie auch der betroffenen Individuen erhöht werden.

Deswegen schlägt das Jugendforum die Entwicklung eines „Rahmenwerks für Qualitätssicherung“ nicht-formaler Bildung in Jugendorganisationen vor. Das Rahmenwerk soll einen internen Qualitätsprozess, eine externe Qualitätssicherungskomponente und ein Set von Qualitätsindikatoren beinhalten. Den Qualitätsrahmen will das Jugendforum verstanden wissen als Übereinkommen zwischen allen Betroffenen (Stakeholdern), wie Qualitätssicherung organisiert werden soll. Diese Übereinkunft sollte Standards, Verfahren und Leitlinien der Qualitätssicherung enthalten und in Form einer Charta von allen unterzeichnet werden. Nichtsdestotrotz sollen die Unterschiede zwischen den Organisationen und die unterschiedlichen Kontexte und spezifischen Situationen der Jugendorganisationen berücksichtigt werden. Ausdrücklich wird auch darauf hingewiesen, dass es nicht darum gehe, Qualitätssicherung für die gesamte Jugendarbeit zu definieren.

Das Europäische Jugendforum macht auch schon einen Vorschlag: Es geht davon aus, dass die Qualität nicht-formaler Bildung bestimmt wird „durch den Grad, in dem sie ausgewählte Bedürfnisse der Gesellschaft und der Lernenden befriedigt und anspricht.“ Für die Bewertung der Qualitäten schlägt es die Einigung auf Indikatoren vor, die dann als Maßstäbe für die Qualitätskontrolle dienen sollen. Die Qualitätskontrolle sollte feststellen, inwieweit gesetzte Ziele erreicht wurden. Sie sollte auf Evaluation und konstruktivem Feedback der Teilnehmer („Peer Feedback“) als einer wichtigen Komponente des Qualitätssicherungsprozesses basieren. Allerdings, so das Papier, könnten nicht alle Lernergebnisse ohne weiteres oder wenn, dann nur über einen langen Zeitraum hinweg gemessen werden. Auch wäre es nicht nötig, jedes Programm und jeden Teilnehmer zu testen; eher seien periodische Studien notwendig, um Veränderungen zu erkennen und die Praxis zu überprüfen. Daneben gehört es nach Ansicht des Jugendforums zu einem Qualitätssicherungsprozess, dass die Lernenden auch in die Lage versetzt werden, die Angebote daraufhin zu beurteilen, ob sie ihren Interessen entsprechen und sie sollten – unterstützt durch die Organisatoren – ihren eigenen Lernprozess reflektieren können.

Für die Bildung von Indikatoren schlägt das Jugendforum eine vorläufige Strukturierung (die geplante Charta soll dann eine endgültige Liste enthalten) vor. Die Einteilung der Indikatoren betrifft verschiedene Ebenen (Ressourcen, Personal, Inhalte, Lernprozess) und bleibt zunächst formal ("Notwendige Ressourcen müssen vorhanden sein"; "Lehrende müssen vorbereitet sein"; "Methoden sollten passend zum Lernprozess gewählt werden".) Die einzelnen Jugendorganisationen sollen die Indikatoren dann für sich jeweils unterschiedlich spezifisch definieren.

Eines aber stellt das Jugendforum jetzt schon klar: Um die Qualität nicht-formaler Bildung in Jugendorganisationen sicherzustellen, sie es notwendig, dass nicht-formale Bildung im Bereich der Jugendarbeit vor allem vielfältig sei und die Bedürfnisse der Individuen entspreche. Außerdem müssten Innovationen zugelassen werden, um neue Projekte für neue Zielgruppen entwickeln zu können. Die entsprechenden Charakteristika nicht-formaler Bildung - Freiwilligkeit der Teilnahme, Intentionalität bzw. absichtsvoll gestaltete Aktivitäten, Partizipation der Teilnehmenden, deren Bewusstsein davon, etwas zu lernen, und Prozessorientierung - seien unbedingt zu beachten.

Das ambitionierte Vorhaben, dass sicher von umfangreichen Diskussion begleitet werden wird, soll in den nächsten Jahren vorangetrieben werden. Dafür schlägt das Europäische Jugendforum eine Road Map bis 2015 vor, mit der der politische Prozess der Anerkennung nicht-formaler Bildung organisiert werden soll. Als ein Teil des Prozesses sollen auf europäischer, nationaler wie lokaler Ebene Expertisen erstellt und Erkenntnisse gesammelt werden. Der Prozess, so das Jugendforum, sei abgeschlossen, wenn:

  • Jugendorganisationen anerkannt werden als Anbieter einer qualitätsvollen Bildung;
  • die Bedingungen für die Anbieter nicht-formaler Bildung, Qualität anzubieten, erfüllt sind;
  • alle relevanten Betroffenen (Stakeholder) klare Rollen und Verantwortlichkeiten haben;
  • alle Stakeholder mit den definierten Rollen zufrieden sind und
  • externe Akteure – z.B. potenzielle Lerner – leicht an Informationen zum Qualitätssicherungs-Rahmen gelangen können.

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