Interview vom 27.05.2013Peer Learning und EU-Transfer

Daniel Adler (Deutschland): "Wir müssen Wege finden, die Akteure in der Jugendhilfe für Jugendpolitik und Europa zu begeistern!"

jugendpolitikineuropa sprach mit Daniel Adler, freier Mitarbeiter bei der Landesvereinigung kulturelle Kinder- und Jugendbildung Sachsen-Anhalt e.V. und aktiv bei „GOEUROPE!“, dem Europäischen Jugend Kompetenz Zentrum Sachsen-Anhalt, über das Multilaterale Peer Learning-Projekt zur Jugendpolitik.

JfE: Herr Adler, warum sind Sie hier in Prag dabei?

Daniel Adler: Das Bundesjugendministerium hat die Anregung des ersten Peer-Learning Seminars aufgenommen, junge Leute an diesem Projekt zur Jugendpolitik zu beteiligen. Man konnte sich für zwei Plätze in der Delegation bewerben, einmal über das Jugendbeteiligungsinstrument „Ich mache Politik“ im Rahmen der Eigenständigen Jugendpolitik und dann über den Strukturierten Dialog, der ja auch Teil der Umsetzung der EU-Jugendstrategie ist. Ich bin also als Jugendlicher und Vertreter des Strukturierten Dialogs hier, der in Sachsen-Anhalt ressortübergreifend umgesetzt wird. Ich engagiere mich außerdem für die Europäisierung der Jugendhilfe in Sachsen-Anhalt.

JfE: Was erwarten Sie von diesem Peer-Learning Projekt?

Adler: Es ist das erste Mal, dass so etwas stattfindet und es ist ziemlich spannend, bei so einem Prozess dabei zu sein. Hoffentlich wird es künftig mehr Peerlearning-Prozesse geben, auf nationaler und auch auf regionaler Ebene. Ich kann mir das für Sachsen-Anhalt gut vorstellen. Ich wollte daher schauen, inwieweit Peer-Learning auf einer politisch- administrativen Ebene funktionieren kann. Das wäre in meinem Bundesland dann gleichzeitig auch ein Beispiel für sektorübergreifende Zusammenarbeit.  Sachsen-Anhalt will die Verwaltung europäischer aufstellen, daher wären dann auch unterschiedliche Ressorts – die typischen Ressorts des Sozialministeriums, das Kultusministerium, die Staatskanzlei als „Europaministerium“ und andere Bereiche – beteiligt.

JfE: Was nehmen Sie konkret aus diesem Peer-Learning-Prozess mit?

Adler: Ganz konkret nehme ich das Beispiel aus der Flämischen Gemeinschaft in Belgien mit. Deren Vertreterin hat hier ein Netzwerk „Kinder- und  jugendfreundlicher Städte“ vorgestellt. Das Netzwerk ist ein sehr konkretes Beispiel, wie man Schritt für Schritt dafür sensibilisieren kann, sich einer jugendlichen Perspektive zu öffnen und zu schauen, wie weit die Stadt sich diesbezüglich verbessern kann. Wir haben in Sachsen-Anhalt auch einige Kommunen, die sich dem Thema Jugend stärker widmen wollen. Außerdem gibt es bei uns Vorüberlegungen für landesweite und örtliche „Allianzen für Jugend“.  In diesem Zusammenhang werde ich das Netzwerk, das ich hier kennengelernt habe, vorstellen. Für meine persönliche Arbeit habe ich eine noch stärkere Motivation erhalten, die europäische Jugendstrategie und Jugendpolitik auf regionaler Ebene besser zu verbinden. Aber da muss man noch ganz viel lesen und schauen, wie man das möglichst einfach kommuniziert, damit die Leute vor Ort nicht überfordert sind.

JfE: Bot dieses Peerlearning-Projekt die richtigen Themen, Methoden und Zugänge?

Adler: Man muss die Themenauswahl vor dem Hintergrund bewerten, das hier zum ersten Mal Mitgliedsstaaten in einen Peerlearning-Prozess einstiegen und sich fragen: Was haben wir gemeinsam? Wo sehen wir die Schwerpunkte? Ich fand die Themenauswahl gut. Das Thema des Seminars in Rotterdam hat sich mir allerdings nicht ganz erschlossen, vielleicht, weil wir in der Jugendarbeit in Deutschland ohnehin ressourcenorientiert arbeiten. Das Thema „sektorübergreifende Zusammenarbeit“ hier in Prag war spannend. Aber ich hätte gern konkreter durchgespielt, wie eine Kooperation gelingen kann. Welche Ansätze können in der Zusammenarbeit von Ministerien funktionieren und welche nicht, wie kann man das Thema Jugendpolitik innerhalb der unterschiedlichen Bereiche der Jugendhilfe platzieren und wie gewinnt man andere Akteure wie Wirtschaft oder Medien? Es gab dazu viel Input, aber die Beispiele weitergehend zu diskutieren, dazu fehlte einfach die Zeit.

JfE: Wie sollte es weitergehen? Was sollte mit den Ergebnissen dieses Peerlearning Projektes passieren?

Adler: Auf europäischer Ebene  hat man damit jetzt begonnen, eine Art Netzwerk aufzubauen mit Ländern, die ein bestimmtes gemeinsames Verständnis von Jugendpolitik haben. Dies sollte man gegenüber der EU und anderen Mitgliedstaaten kommunizieren und stärken. Und dann hoffe ich, dass die Ergebnisse in Deutschland ankommen, also nicht nur bei den Personen bleiben, die mitgemacht haben. Es wäre ein Anlass, die EU-Jugendstrategie in Deutschland stärker in die Fachwelt zu bringen. Wir haben hier darüber diskutiert, wie man Akteure aus anderen politischen oder gesellschaftlichen Bereichen für Jugendpolitik interessieren kann. Aber wir müssen vor allem Wege finden, die Akteure in der Jugendhilfe für Jugendpolitik und Europa zu begeistern!

(Das Interview führte Dr. Helle Becker im Auftrag von JUGEND für Europa)

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