Bürokratische Stoßseufzer: Synthesis Report analysiert nationale Berichte "für mehr Verständnis und Wissen über die Jugend"

Die erste Übersicht über die Situation der Jugendforschung in den Mitgliedstaaten bringt sehr unterschiedliche Befunde.

via Europäische Kommission

Offenbar hatte die Kommission ihre liebe Last mit den nationalen Berichten, die die Mitgliedsländer bis zum Ende 2008 zur Umsetzung der Gemeinsamen Zielsetzung "für mehr Verständnis und Wissen über die Jugend" eingereicht haben. Die Berichterstattung war im Zuge des im November 2004 gefassten Beschlusses der Jugendminister über die Gemeinsamen Zielsetzungen verabredet worden. Zwar hatte die Kommission eine Struktur vorgegeben, dennoch, so leitet sie den "Synthesebericht" ein, unterschieden sich die jeweiligen Berichte wohl erheblich. Jedenfalls, so seufzt die Kommission hörbar, war "eine detaillierte, vergleichende Herangehensweise nicht möglich." Darüber hinaus lagen zum Zeitpunkt der Analyse überhaupt erst 24 von geforderten 27 nationalen Papieren vor.

Der Bericht gliedert sich nach den vier vom Rat formulierten Zielen:

  1. Identifizierung des existierenden Wissens in ausgesuchten Feldern des Jugendbereichs und Umsetzung von Maßnahmen, um dieses zu ergänzen, zu aktualisieren und zugänglich zu machen,
  2. Identifizierung und Aufbereitung vorhandener Daten in weiteren Themenfeldern,
  3. die Sicherung von Qualität, Vergleichbarkeit und Relevanz des vorhandenen Wissens durch geeignete Methoden und Instrumente,
  4. die Ermöglichung und Förderung von Austausch, Dialog und Vernetzung, um das vorhandene Wissen bekannt zu machen und den künftigen Bedarf zu erkennen.
Der Bericht bemängelt, dass es in vielen Mitgliedstaaten keine eindeutige Zuständigkeit für Jugendpolitik gebe und unter anderem deswegen die Informations- und Datenlage zu Jugendthemen diversifiziert und unübersichtlich sei. Auch eine Identifizierung bevorzugter Politik- oder Themenfelder, wie von den Ministern für die europäische Zusammenarbeit selbst vorgeschlagen, sei in den Mitgliedstaaten nur schwer bis gar nicht erkennbar. Zwar sei in vielen Ländern Jugendforschung etabliert, oft sei aber eine "Ad-hoc-Berichterstattung" typischer als eine systematische, zentralisierte Sammlung und Kontrolle von Daten und Informationen. Ähnliches beklagt der Bericht für den Bereich Qualitätssicherung (Ziel 3): Nur wenige Länder verfügten über systematische Ansätze und Indikatoren, um die Qualität der Jugendforschung zu evaluieren und zu sichern. Hiermit spiegelt der Synthesebericht die Schwierigkeit, dass Jugendforschung und -politik in vielen Ländern den Prinzipien von Subsidiarität, Pluralität und Meinungsstreit unterliegen, gleichzeitig aber auf europäischer Ebene eine Vergleichbarkeit von Daten - u.a. bezogen auf Themenbereiche, Indikatoren, Reichweiten und Qualitätsansprüche - hergestellt werden soll.

Dennoch lassen sich auch jugendpolitische Erfolge verzeichnen, die eindeutig gerade auf die europäische Zusammenarbeit zurückzuführen sind. So weist der Bericht an verschiedenen Stellen darauf hin, dass die europäische Entwicklung in vielen Mitgliedstaaten das Bewusstsein für die Notwendigkeit von Jugendforschung als Grundlage jugendpolitischer Entscheidungen gefördert habe und Innovationen für eine systematische Forschung angeregt habe. Vielfach führte dies auch zu strukturellen Veränderungen wie zur Gründung von Gremien oder Netzwerken sowie zur Einrichtung von Datenpools, Informationssystemen oder Internet-Portalen für den Daten- und Informationsaustausch.

Für Initiativen auf europäischer Ebene wird das von Europäischer Kommission und Europarat gemeinsam betriebene European Knowledge Centre (EKCYP) genannt, dessen Aufgabe es unter anderem ist, den Transfer von europaweiter Jugendforschung zur Politik zu leisten, den Austausch zwischen Praktikern, Forschern und Politikern zu fördern sowie die Umsetzung der gemeinsamen Zielsetzungen in der OMK zu bewerten. Die Arbeit des EKCYP wie auch der European Youth Information and Counselling Agency (ERYICA) oder des European Network of Youth Knowledge (EUNYK) wird im Übrigen als Beispiel dafür herangezogen, dass die Zusammenarbeit innerhalb der Wissenschaft zwischen einzelnen Ländern, auch unter Einbeziehung von Praktikern und Politikern, sehr gut entwickelt ist.

So zeigt der erste Synthesebericht zur Jugendforschung: Europa ist vielfältig, auch in seiner Jugendforschung und -politik.

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