Bildungsreform in der EU: Viele Fortschritte, aber auch noch viel Handlungsbedarf

Die Leistung der Bildungs- und Berufsbildungssysteme in der EU verbessert sich, aber die meisten der für 2010 festgelegten Reformziele können nicht mehr erreicht werden.

via IP/09/1816

Die Wirtschaftskrise verdeutlicht die Dringlichkeit von Reformen und weiteren gezielten Investitionen in die Systeme der allgemeinen und beruflichen Bildung, um die zentralen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Herausforderungen bewältigen zu können. Dies sind die wichtigsten Erkenntnisse aus zwei Berichten über die Fortschritte der Bildungsreformen und die europäische Zusammenarbeit, die die Europäische Kommission heute vorgestellt hat.

Der für allgemeine und berufliche Bildung, Kultur und Jugend zuständige EU-Kommissar Maroš Šefčovič erklärte: „Die Bildungsreform in der EU ist ein großes Stück vorangekommen, aber wir dürfen jetzt nicht nachlassen. Vor allem muss mehr und gezielter in die Bildungssysteme investiert werden, um die Europäer besser auf den Arbeitsmarkt vorzubereiten, und wir müssen unsere Innovationsfähigkeit langfristig ausbauen.“

Bericht der Kommission über die Lissabon-Ziele: Fortschritte im Bereich allgemeine und berufliche Bildung – Indikatoren und Benchmarks 2009

In diesem jährlichen Bericht werden die Fortschritte der Mitgliedstaaten anhand von fünf Benchmarks im Bildungsbereich für 2010 geprüft.

Es gab zwar Fortschritte, aber vier der fünf Benchmarks für 2010 werden wahrscheinlich nicht erreicht. Es ist lediglich gelungen, wie angestrebt die Zahl der Absolventen in Mathematik, Naturwissenschaften und Technologie anzuheben. Drei Benchmarks wurden trotz einiger Fortschritte nicht erreicht: Teilnahme der Erwachsenen am lebenslangen Lernen, Senkung des Anteils an Schulabbrechern und Steigerung der Zahl der Abgänger mit einem Abschluss der Sekundarstufe II. Bei der Lesekompetenz der 15-Jährigen ist seit 2000 sogar eine Verschlechterung festzustellen.

Auf der Haben-Seite ist die Zahl der Kinder in vorschulischen Bildungsmaßnahmen gestiegen, ebenso wie die Gesamtbeteiligung an der allgemeinen Bildung und das Bildungsniveau in der EU insgesamt. Die Zahl der Erwachsenen im erwerbsfähigen Alter (25-64 Jahre) mit einem niedrigen oder keinem Bildungsabschluss ist seit 2000 jährlich um mehr als eine Million zurückgegangen. Dennoch sind dies noch mehr als 77 Millionen Erwachsene in der EU – fast 30 % der fraglichen Gruppe.

Fortschritte wurden auch erzielt beim Sprachenunterricht an Schulen und der Mobilität von Studierenden in der tertiären Bildung, wo der Anteil seit 2000 um 50 % gestiegen ist.

Entwurf des gemeinsamen Fortschrittsberichts 2010 über die Umsetzung des Arbeitsprogramms „Allgemeine und berufliche Bildung 2010“

In diesem alle zwei Jahre erstellten Bericht, der sich auf die Beiträge der Mitgliedstaaten stützt und vom Rat „Bildung“ und der Kommission gemeinsam verabschiedet wird, werden die Gesamtfortschritte bewertet und Schwerpunkte für die künftige Zusammenarbeit im Bildungsbereich festgelegt. Im Mittelpunkt des Berichts steht die Vermittlung von Schlüsselkompetenzen auf allen Ebenen der allgemeinen und beruflichen Bildung. Die wichtigsten Ergebnisse:

  • Viele Länder benutzen den Europäischen Bezugsrahmen zu Schlüsselkompetenzen für die Reform ihrer Schulsysteme. Bei der Anpassung der Schulcurricula wurden erhebliche Fortschritte erzielt, aber bei der Unterstützung der Kompetenzentwicklung von Lehrkräften, der Aktualisierung von Bewertungsmethoden und der Einführung neuer Organisationsformen für das Lernen bleibt noch viel zu tun. Die große Herausforderung besteht darin, dafür zu sorgen, dass innovative Methoden allen Lernenden zugute kommen, also auch benachteiligten Gruppen sowie Lernenden in der Berufs- und Erwachsenenbildung und an Hochschulen.
  • Weitere Herausforderungen bestehen darin, lebenslanges Lernen durchzusetzen, die Mobilität zu verstärken und die Systeme der allgemeinen und beruflichen Bildung offener zu gestalten und besser auf die Bedürfnisse des Arbeitsmarktes und der Gesellschaft abzustimmen. Ein besonderes Augenmerk sollte auf den Aufbau von Partnerschaften zwischen allgemeiner und beruflicher Bildung und der Arbeitswelt gerichtet werden.
  • Die Investitionen sind bezogen auf die einzelnen Lernenden seit 2000 auf allen Bildungsebenen gestiegen. In der tertiären Bildung sind die Ausgaben pro Student allerdings hinter allen anderen Bereichen zurückgeblieben. In den Mitgliedstaaten müssten jedes Jahr für jeden Studierenden in der Hochschulbildung im Schnitt über 10 000 Euro mehr investiert werden, um an die USA heranzukommen , wo jährlich fast 200 Milliarden Euro mehr ausgegeben werden. Eine Erklärung für diesen großen Unterschied sind die privaten Investitionen in amerikanische Hochschuleinrichtungen.

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