26.11.2017EU-Jugendprogramme

Bildungsraum 2025: Die EU-Kommission sieht großen Wachstumsbedarf für Erasmus+ und dem künftigen Europäischen Solidaritätskorps

Während die Debatte um die Zukunft Europas in vollem Gange ist, legte die EU-Kommission Mitte November ihre Vorstellungen von der Einrichtung eines europäischen Bildungsraums bis 2025 vor. Im Jugendbereich bleiben diese inhaltlich vage, allerdings wird eine wesentlich bessere Mittelausstattung der Förderprogramme angedacht.

Nach Auffassung der Kommission sind Bildung und Kultur von wesentlicher Bedeutung bei der Bewältigung großer Herausforderungen wie der alternden Erwerbsbevölkerung, der fortlaufenden Digitalisierung und des künftigen Kompetenzbedarfs sowie im Hinblick auf Förderung von kritischem Denken und Medienkompetenz. Bereits im März 2017 hatten sich die Staats- und Regierungschefs der EU in ihrer Agenda für eine europäische Gemeinschaft ausgesprochen, "in der junge Menschen die beste Bildung und Ausbildung erhalten und auf dem gesamten Kontinent studieren und Arbeit finden können".

Die Vorstellungen zu einem Bildungsraum Europa standen auch beim informellen Treffen der europäischen Staats- und Regierungschefs am 17. November 2017 in Göteborg zur Debatte. Die anwesenden Regierungsvertreter diskutierten darüber, welchen Beitrag Bildung und Kultur leisten können, um die europäische Identität zu stärken. Im Mittelpunkt des Treffens standen unter anderem die Themen Mobilität und Austausch junger Europäerinnen und Europäer.

Tibor Navracsics, EU-Kommissar für Bildung, Kultur, Jugend und Sport, sagte: „Für die Zukunft Europas brauchen wir eine ehrgeizige, gemeinsame Agenda, um die Kultur und die Bildung als Motor für die Einheit zu nutzen. Die Bildung ist von zentraler Bedeutung, denn sie vermittelt uns die Kompetenzen, die wir benötigen, um aktive Mitglieder einer immer komplexeren Gesellschaft zu werden. Bildung hilft uns, uns an eine Welt im raschen Wandel anzupassen, eine europäische Identität zu entwickeln, andere Kulturen zu verstehen und die neuen Fertigkeiten zu erwerben, die wir in einer mobilen, multikulturellen und zunehmend digitalen Gesellschaft brauchen.

Die Kommission plädiert für mehr grenzüberschreitende Vernetzung zwischen Universitäten und Studienangeboten sowie die Einführung einer europäischen Studentenkarte, die Anerkennung von Abschlüssen der Sekundarstufe und anspruchsvollere Bildungsbenchmarks: die Quote frühzeitiger Bildungsabbrecher soll von 10% europaweit auf 5% reduziert werden. Das Ziel ist ehrgeizig, hatte man im Rahmen der „Europa 2020-Strategie “ noch eine Reduzierung von 5% innerhalb von zehn Jahren vorgesehen.

Grenzüberschreitende Mobilität zu Bildungszwecken sollte für alle bzw. viel mehr junge Menschen ermöglicht werden, weshalb eine massive Aufstockung der Mittel u.a. für Erasmus+ und das Europäische Solidaritätskorps für die nächste Förderperiode projektiert wird.

Die Projektion der EU-Kommission:

  • Verdopplung der Zahl junger Menschen in der EU, die an Erasmus + teilnehmen (von 3,7 % auf 7,5 %), was für den Zeitraum 2021-2027 ein Budget von 29,4 Mrd. EUR erfordern würde.
  • Um eine Teilnahmequote von 30 % der jungen Menschen in der EU zu erreichen, müsste die heutige Mittelausstattung versechsfacht werden (90 Mrd. EUR für den Zeitraum 2021-2027).
  • Um eine Teilnahmequote von 50 % der jungen Menschen in der EU zu erreichen, müsste die heutige Mittelausstattung verzehnfacht werden (150 Mrd. EUR für den Zeitraum 2021-2027).
  • Um für das Europäische Solidaritätskorps eine Teilnehmerzahl von 1,5 Mio. jungen Menschen in der EU und darüber hinaus zu erreichen, müsste für den Zeitraum 2021-2027 ein Budget von 6 Mrd. EUR bereitgestellt werden.

(Die Projektion als PDF-Download)

Inhaltlich weisen die Vorstellungen der EU-Kommission für einen Bildungsraum 2025 allerdings auf ein Bildungsverständnis hin, das nicht formales Lernen und den Jugendbereich nicht substantiell berücksichtigt. Soweit erstaunlich, als dass insbesondere die Stärkung der europäischen Identität zentrales Anliegen einer gemeinsamen Bildungs- und Kulturagenda ist. Gerade der Jugendbereich leistet dazu wichtige Beiträge, was seit Jahren hinlänglich nachgewiesen ist.

Ein europäischer Bildungsraum würde nach Meinung der Kommission unter anderem durch folgende Merkmale geprägt sein:

  • Mobilität für alle: aufbauend auf den positiven Erfahrungen des Programms Erasmus+ und des Europäischen Solidaritätskorps sollen noch mehr Personen an diesen Programmen teilnehmen können;
  • Gegenseitige Anerkennung von Hochschulabschlüssen: Einleitung eines neuen „Sorbonne-Prozesses“ auf der Grundlage des „Bologna-Prozesses“, um die gegenseitige Anerkennung von Schul- und Hochschulabschlüssen vorzubereiten;
  • Förderung des Sprachenlernens: Festlegung einer neuen Benchmark, nach der bis 2025 alle jungen Europäerinnen und Europäer beim Abschluss der Sekundarstufe II neben ihrer bzw. ihren Muttersprache(n) über gute Kenntnisse in zwei Fremdsprachen verfügen sollten;
  • Förderung des lebenslangen Lernens: Streben nach Konvergenz und Erhöhung des Anteils der Menschen, die lebenslang weiter lernen, auf 25 % im Jahr 2025;
  • Mainstreaming von Innovation und digitalen Kompetenzen in der Bildung: Förderung innovativer und digitaler Lehrmethoden und Ausarbeitung eines neuen Aktionsplans für digitale Bildung;
  • Investieren in die Bildung: Unterstützung von Strukturreformen im Rahmen des europäischen Semesters, um die Bildungspolitik zu verbessern, Verwendung von EU-Mitteln und EU-Investitionsinstrumenten zur Finanzierung von Bildung und Festlegung einer Benchmark für die Mitgliedstaaten, die 5 % ihres BIP in die Bildung investieren sollen.

Als Auftakt der sogenannten Leaders' Agenda - der im letzten Europäischen Rat im Oktober dieses Jahres verabredeten Agenda der Staats- und Regierungschefs der EU zur gemeinsamen Gestaltung einer zukünftigen EU -  brachte der verantwortliche Ratspräsident Tusk die Themen Bildung und Kultur beim Treffen in Göteborg ein. Diese Agenda legt fest, welche zentralen Bereich in den nächsten zwei Jahren auf höchster politischer Ebene behandelt werden, um ab Mitte 2019 in die strategische Auseinandersetzung um die Zukunft der EU bereits vorbereitet einsteigen zu können. Die Verhandlungen werden ab Herbst 2019 mit dem dann neu gewählten Europäischen Parlament und dem neu bestellten Kollegium der Europäischen Kommission stattfinden.

JUGEND für Europa

Links:

Pressemitteilung der Europäischen Kommission

Vorstellung des Europäischen Bildungsraums bis 2025

Pressemitteilung des Europäischen Rates

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