Während die Debatte um die Zukunft Europas in vollem Gange ist, legte die EU-Kommission Mitte November ihre Vorstellungen von der Einrichtung eines europäischen Bildungsraums bis 2025 vor. Im Jugendbereich bleiben diese inhaltlich vage, allerdings wird eine wesentlich bessere Mittelausstattung der Förderprogramme angedacht.
Nach Auffassung der Kommission sind Bildung und Kultur von wesentlicher Bedeutung bei der Bewältigung großer Herausforderungen wie der alternden Erwerbsbevölkerung, der fortlaufenden Digitalisierung und des künftigen Kompetenzbedarfs sowie im Hinblick auf Förderung von kritischem Denken und Medienkompetenz. Bereits im März 2017 hatten sich die Staats- und Regierungschefs der EU in ihrer Agenda für eine europäische Gemeinschaft ausgesprochen, “in der junge Menschen die beste Bildung und Ausbildung erhalten und auf dem gesamten Kontinent studieren und Arbeit finden können”.
Die Vorstellungen zu einem Bildungsraum Europa standen auch beim informellen Treffen der europäischen Staats- und Regierungschefs am 17. November 2017 in Göteborg zur Debatte. Die anwesenden Regierungsvertreter diskutierten darüber, welchen Beitrag Bildung und Kultur leisten können, um die europäische Identität zu stärken. Im Mittelpunkt des Treffens standen unter anderem die Themen Mobilität und Austausch junger Europäerinnen und Europäer.
Tibor Navracsics, EU-Kommissar für Bildung, Kultur, Jugend und Sport, sagte: „Für die Zukunft Europas brauchen wir eine ehrgeizige, gemeinsame Agenda, um die Kultur und die Bildung als Motor für die Einheit zu nutzen. Die Bildung ist von zentraler Bedeutung, denn sie vermittelt uns die Kompetenzen, die wir benötigen, um aktive Mitglieder einer immer komplexeren Gesellschaft zu werden. Bildung hilft uns, uns an eine Welt im raschen Wandel anzupassen, eine europäische Identität zu entwickeln, andere Kulturen zu verstehen und die neuen Fertigkeiten zu erwerben, die wir in einer mobilen, multikulturellen und zunehmend digitalen Gesellschaft brauchen.“
Die Kommission plädiert für mehr grenzüberschreitende Vernetzung zwischen Universitäten und Studienangeboten sowie die Einführung einer europäischen Studentenkarte, die Anerkennung von Abschlüssen der Sekundarstufe und anspruchsvollere Bildungsbenchmarks: die Quote frühzeitiger Bildungsabbrecher soll von 10% europaweit auf 5% reduziert werden. Das Ziel ist ehrgeizig, hatte man im Rahmen der „Europa 2020-Strategie “ noch eine Reduzierung von 5% innerhalb von zehn Jahren vorgesehen.
Grenzüberschreitende Mobilität zu Bildungszwecken sollte für alle bzw. viel mehr junge Menschen ermöglicht werden, weshalb eine massive Aufstockung der Mittel u.a. für Erasmus+ und das Europäische Solidaritätskorps für die nächste Förderperiode projektiert wird.
Die Projektion der EU-Kommission:
(Die Projektion als PDF-Download)
Inhaltlich weisen die Vorstellungen der EU-Kommission für einen Bildungsraum 2025 allerdings auf ein Bildungsverständnis hin, das nicht formales Lernen und den Jugendbereich nicht substantiell berücksichtigt. Soweit erstaunlich, als dass insbesondere die Stärkung der europäischen Identität zentrales Anliegen einer gemeinsamen Bildungs- und Kulturagenda ist. Gerade der Jugendbereich leistet dazu wichtige Beiträge, was seit Jahren hinlänglich nachgewiesen ist.
Ein europäischer Bildungsraum würde nach Meinung der Kommission unter anderem durch folgende Merkmale geprägt sein:
Als Auftakt der sogenannten Leaders’ Agenda – der im letzten Europäischen Rat im Oktober dieses Jahres verabredeten Agenda der Staats- und Regierungschefs der EU zur gemeinsamen Gestaltung einer zukünftigen EU – brachte der verantwortliche Ratspräsident Tusk die Themen Bildung und Kultur beim Treffen in Göteborg ein. Diese Agenda legt fest, welche zentralen Bereich in den nächsten zwei Jahren auf höchster politischer Ebene behandelt werden, um ab Mitte 2019 in die strategische Auseinandersetzung um die Zukunft der EU bereits vorbereitet einsteigen zu können. Die Verhandlungen werden ab Herbst 2019 mit dem dann neu gewählten Europäischen Parlament und dem neu bestellten Kollegium der Europäischen Kommission stattfinden.
JUGEND für Europa
Links:
Pressemitteilung der Europäischen Kommission
Vorstellung des Europäischen Bildungsraums bis 2025
Pressemitteilung des Europäischen Rates
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