15.09.2010Youth on the Move

Bewegungstherapie: Youth on the Move startet durch

Die Europäische Kommission startet die neue Leitinitiative „Youth on the Move“. Sie soll die Mobilitätserfahrungen junger Menschen fördern. Mit im Zugzwang ist auch ein mögliches Nachfolgeprogramm von JUGEND IN AKTION.

via Europäische Kommission

Mit ihrem Start bekommt die Initiative „Youth on the Move“ (Jugend in Bewegung) endlich ein Gesicht. Sah es zu Jahresbeginn, nachdem Präsident Barroso die Idee von „Youth on the Move“ verkündet hatte, noch so aus, als ob sich die Initiative ausschließlich auf Mobilitätsförderung im Hochschulbereich konzentrieren sollte, mauserte sie sich inzwischen zu einem veritablen Stützpfeiler der neuen EU-Strategie „Europa 2020“.

Diese Nachfolgestrategie der wenig erfolgreichen Pläne von Lissabon beschreibt die Vision einer sozialen Marktwirtschaft für das 21. Jahrhundert in Europa. Ziel ist es, die EU aus der Krise „in eine intelligente, nachhaltige und integrative Wirtschaft zu verwandeln, die sich durch ein hohes Beschäftigungs- und Produktivitätsniveau sowie einen ausgeprägten sozialen Zusammenhalt auszeichnet.“

EU 2020

Eine stärkere Ausrichtung der allgemeinen und beruflichen Bildung an den Bedürfnissen junger Menschen, vor allem mehr Mobilitätserfahrungen, insgesamt ein höheres Bildungsniveau der Jugendlichen und weniger Schulabbrecher werden als Schlüsselfaktoren für die wirtschaftliche Entwicklung der EU angesehen. Ganz konkret sieht „EU 2020“ vor, bis 2020 die Schulabbrecherquote von 15 % auf 10 % zu senken und den Anteil der jungen Menschen mit Hochschulabschluss bzw. vergleichbarem Abschluss von 31 % auf 40 % zu erhöhen. Darüber hinaus sollen mehr junge Menschen mit einem EU-Stipendium für einen Studien- oder Ausbildungsaufenthalt im Ausland begeistert werden.

„Youth on the Move“ spielt dabei als eine von sieben Leitinitiativen eine wichtige Rolle für die Erreichung der Kernziele im Rahmen von Europa 2020. Indem junge Menschen mit den für den Arbeitsmarkt von morgen erforderlichen Fähigkeiten ausgestattet werden, sollen die Maßnahmen im Rahmen der Initiative die Mitgliedstaaten dabei unterstützen, die als Kernziel der EU festgelegte Beschäftigungsquote von 75 % innerhalb der nächsten zehn Jahre zu erreichen.

Gemessen an den bisherigen Versuchen vom „Pakt für die Jugend“ bis zur Lissabonstrategie, jugendpolitische Pflöcke in den Bereichen Sozial- und Arbeitsmarktpolitik einzuschlagen, erhält das Thema Jugend mit der Leitinitiative „Youth on the Move“ erheblich mehr Prominenz in der europäischen Politik, weshalb das Europäische Jugendforum schon jubilierte, es sei nun als Baustein künftiger Globalpolitik ganz oben angekommen. Zumal es in der EU 2020-Strategie neben „Youth on the Move" weitere Leitinitiativen gibt, die sich mit den zukünftigen Bildungsmöglichkeiten junger Menschen in Europa beschäftigen. (siehe NEWS)

Jugend in Bewegung

Gemäß ihres Titels sollen mit der Initiative jedoch bis 2020 vor allem die Möglichkeiten für eine Mobilität zu Lernzwecken ausgeweitet werden. Ambitioniert sprach Kommissarin Androulla Vassiliou bereits davon, „jeder“ junger Mensch in der EU müsse die Gelegenheit erhalten, einmal zu Lernzwecken ins Ausland zu gehen.

Die aktuelle Mitteilung der Kommission „Jugend in Bewegung. Eine Initiative, die das Potenzial junger Menschen freisetzt, um kluges, nachhaltiges und integratives Wachstum in der Europäischen Unon zu erreichen“ sieht dafür 28 unterschiedliche Maßnahmen und Instrumente vor. Diese gehen deutlich über den gewohnten Charakter von Beschwörungen in Richtung der Mitgliedstaaten hinaus. So kündigt die Kommission einige Ratsempfehlungen an, unter anderem zur „Verringerung des Schulabbruchs“ (für 2010), zur „Förderung der Lernmobilität von jungen Menschen“ (2010) und zur „Förderung und Validierung nicht-formalen und informellen Lernens“ (für 2011). Sie will eine „Youth on the move“-Karte einführen, die jungen Menschen Vorteile und Preisnachlässe bieten soll, mit der Europäischen Investitionsbank eine Europäische Studiendarlehensfazilität auflegen, eine spezielle Website zu „Jugend in Bewegung“ einrichten (siehe http://europa.eu/youthonthemove), die eine zentrale Anlaufstelle mit Informationen über Studien- und Arbeitsmöglichkeiten im Ausland sowie Beratung zu EU-Stipendien und individuellen Ansprüchen bietet, eine Machbarkeitsstudie für ein europaweites Hochschulranking in Auftrag geben, einen „Europäischer Monitor für offene Stellen“ in ganz Europa installieren und bis Herbst 2011 einen Europäischen Qualifikationspass („European Skills Pass“) entwickeln, der auf den Europass aufbaut und Qualifikationen transparent und auf vergleichbare Weise erfasst. Außerdem will die Kommission die Mitgliedstaaten zur Einführung einer Jugendgarantie anregen, die gewährleisten soll, dass alle jungen Menschen innerhalb von sechs Monaten nach Verlassen der Schule eine Arbeitsstelle, einen Ausbildungsplatz oder eine Praktikumsstelle erhalten. Und mittels eines „Mobility Scoreboard“ – eines „Mobilitätsanzeigers“ – sollen die Mitgliedstaaten der Kommission alle zwei Jahre über die Fortschritte bei der Beseitigung von Mobilitätshindernissen berichten, und zwar unter anderem im Rahmen der EU-Strategie für die Jugend. Als nächsten Schritt soll der Europäische Rat der von der Kommission vorgeschlagenen Ratsempfehlung zustimmen, die die „Youth on the Move“-Ideen stützt.

Perspektiven?

Viel Bewegung also, die schon jetzt die Pläne für die Förderprogramme nach 2013 erfasst. Für die Kommission steht bereits fest, dass „sie die bestehenden Programme im Hinblick auf die Entwicklung eines integrierten Ansatzes für den nächsten Finanzrahmen (2014-2020) koordiniert überarbeitet, der die Strategie „Youth on the Move“ stützt“. Was das für vor allem für die zurzeit als Aktionen 1 und 3 bestehende Förderung von Jugendbegegnungen im Rahmen des Programms JUGEND IN AKTION heißen soll, kann man nur erahnen. Fest steht, dass Ziel und Zweck von „Youth on the Move“ die Stärkung der Beschäftigungsfähigkeit ist, und „Lernerinteressen“ in den Papieren mit „Wirtschafts-„ oder „Arbeitsmarktanforderungen“ gleich gesetzt werden. Aber davor hat auch die Kommission noch eine öffentliche Konsultation zur Zukunft ihrer Mobilitätsprogramme für die Zeit nach 2013 gesetzt. Diese ist offen für alle Organisationen und läuft bis zum 30. November 2010. Dann wird sich zeigen, ob man sich das Standbein in der europäischen Globalpolitik mit dem Verlust von persönlichkeitsbildenden Erfahrungsgelegenheiten erkaufen muss.

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