Besser gemeinsam: Jugendministerrat verabschiedet Papier zur ressortergreifenden Zusammenarbeit

Die Lösungskompetenz sozioökonomischer Probleme junger Menschen liegt nicht bei der Arbeitsmarkt- und Wirtschaftspolitik, sagt der Jugendministerrat. Jugendarbeit und Youthpass werden eine größere Rolle zugesprochen.

Es geht nur gemeinsam. So oder ähnlich könnte die Losung heißen, nach der der Jugendministerrat am 18./19. Mai 2015 seine Schlussfolgerungen „zur Verstärkung der bereichsübergreifenden politischen Zusammenarbeit, um die sozioökonomischen Probleme junger Menschen wirksam anzugehen“, verabschiedet hat. Darin werden die Mitgliedsaaten aufgefordert, „die institutionelle Zusammenarbeit, einschließlich einer wirksameren Kommunikation und eines wirksameren Informationsaustauschs, auf nationaler, regionaler und lokaler Ebene zu verstärken, damit Jugendfragen bei der Konzipierung, Umsetzung und Bewertung der politischen Maßnahmen in anderen Politikbereichen, wie beispielsweise allgemeine und berufliche Bildung, Beschäftigung, Gesundheit und Wohlbefinden, Sozialpolitik, Stadtplanung, Sport und Kultur in vollem Umfang berücksichtigt werden.“ Bei der Ausarbeitung jugendpolitischer Maßnahmen auf lokaler, regionaler und nationaler Ebene sollen alle einschlägigen Sektoren, sowohl in die horizontalen als auch in die vertikalen Verwaltungsstrukturen, einbezogen werden.

Die Betonung einer ressortübergreifenden Zusammenarbeit ist nicht neu und wird beispielsweise schon in der EU-Jugendstrategie gefordert; im Arbeitsplan für die Jugend 2014-2015 ist die bereichsübergreifende Zusammenarbeit eine der Hauptprioritäten. Im neuen Beschluss des Jugendministarrats werden nun die ohnehin guten Argumente, warum Jugendbelange in verschiedenen Politikfeldern berücksichtigt werden sollten, im Hinblick auf die „anhaltenden sozioökonomischen Schwierigkeiten, denen junge Menschen in der Europäischen Union gegenwärtig gegenüberstehen und zu denen auch die hohen Jugendarbeitslosigkeitsquoten und deren soziale Folgen gehören“ wiederholt.

Jugendarbeit hat die Schlüsselrolle

Dabei spiele die Jugendarbeit  eine Schlüsselrolle: „Im Vergleich zu anderen Bereichen kann der Jugendsektor die Probleme auf ganz besondere Weise angehen. Er kann Fakten und Wissen über die unterschiedlichen Probleme junger Menschen bieten, eine größere Anzahl junger Menschen, einschließlich jener mit geringeren Chancen, erreichen und einen flexiblen, jugendgerechten, nicht-stigmatisierenden, ganzheitlichen und innovativen Ansatz in Bezug auf die Bedürfnisse junger Menschen bieten.“ Folgerichtig sollen andere Politikbereiche mit der Jugendpolitik zusammenarbeiten. Maßnahmen sollen auf jugendpolitischen Daten basieren („fakten- und wissensgestützte Maßnahmen“) und sinnvoll verknüpft werden. Jugendliche sowie Jugendorganisationen sollen in die politischen Prozesse einbezogen werden. Die zielgerichtete Zusammenarbeit zwischen formalen Bildungseinrichtungen und Trägern nichtformalen Lernens gelte es zu intensivieren, um das Problem des Schulabbruchs anzugehen und eine ganzheitliche Entwicklung von Fertigkeiten zu fördern, auch unter Rückgriff auf flexible, jugendgerechte Konzepte.

Ansonsten beschwören die Jugendministerinnen und -minister die Jugendarbeit auch als Dreh- und Angelpunkt für wirksame bereichsübergreifende und interinstitutionelle politische Maßnahmen und konkretisieren die bisher eher vagen Aufforderungen. So sollte die Zusammenarbeit zwischen den Diensten für Jugendarbeit und den Sozialdiensten gefördert werden, um gemeinsam das Problem der sozialen Inklusion junger Menschen anzugehen und erforderlichenfalls ein frühzeitiges Eingreifen zu gewährleisten. Auf EU-Ebene sollen dafür die Finanzierungsmittel des Europäischen Strukturfonds und von ERASMUS+ herangezogen werden. ERASMUS+ bietet vor darüber hinaus Möglichkeiten zur Unterstützung politischer Reformen im Hinblick auf bereichsübergreifende Zusammenarbeit, hier legt das Papier „die volle Ausschöpfung“ nahe.

Anerkennung über Youthpass

Das alles muss nach der Vorstellung der Jugendminister und -ministerinnen einhergehen mit der weiteren Anerkennung von Jugendarbeit und nicht formalem Lernen. Dafür solle die Anerkennung und der Einsatz des Youthpass auch in anderen Bereichen wie Beschäftigung, Bildung, Ausbildung und Kultur sowie bei anderen relevanten Akteuren, gegebenenfalls als nationales Anerkennungsinstrument, geprüft und gefördert werden. Die Kommission wird aufgefordert, die Mitgliedstaaten in all dem zu unterstützen.

Ein sektorübergreifendes Vorgehen soll schließlich einer der Durchführungsgrundsätze in der künftigen Jugendpolitik auf EU-Ebene sein; ein eventueller künftiger Arbeitsplan der EU für die Jugend soll konkrete bereichsübergreifende Maßnahmen für die Zeit nach 2018 vorsehen.

(Quelle: JUGEND für Europa)

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