18.10.2010Kinderrechte

Beschützen und Kind sein lassen: Die EU befragte Jugendliche zu Kinderrechten

Die aktuelle qualitative Studie von Eurobarometer offenbart Ängste und Klugheit europäischer Kinder.

via Eurobarometer

Mehr Zutrauen in die Fähigkeiten wünschen sich die Jugendlichen in Europa, größeren Respekt vor ihren Ansichten und eine größere Mitsprache bei Entscheidungen in eigener Sache. Sie möchten, dass Kinder besser gefördert werden, vor allem in Gefährdungssituationen, sie möchten, dass geltendes Recht zum Schutz von Kindern auch umgesetzt wird, und sie möchten eine größere öffentliche Aufmerksamkeit für Kinderechte. Sie beklagen den Leistungsdruck, den Zwang, früh erwachsen zu werden, die Gefahr von Suchterkrankungen, körperliche und mentale Bedrohungen und mangelnde Möglichkeiten, die Freizeit sinnvoll zu gestalten. Dafür sind sie bereit, Verantwortung zu übernehmen, aber sie möchten auch genießen, ein Kind zu sein und eine sorgenfreie Kindheit erleben.

So abgeklärt und vernünftig sind die Antworten, die Jugendliche zwischen 15 und 17 Jahren aus 27 Mitgliedstaaten zum Thema Kinderrechte gaben. Im Februar 2010 führte das Meinungsforschungsinstitut TNS Qual+ eine qualitative Studie durch, in die es 170 Gesprächsgruppen mit 1.445 Jugendlichen aus unterschiedlichen sozioökonomischen und ethnischen Kontexten einbezog - inklusive Jugendliche aus Roma- und Sinti-Familien, aus Familien von Reisenden und Jugendliche mit Behinderungen. Dabei waren mehrheitlich Jugendliche, die in relativ großer Rechtssicherheit, aber auch solche, die in prekären Situationen leben. Die Jugendlichen diskutierten, was ihnen besonders wichtig im Hinblick auf ihre Rechte und die Rechte von Kindern war und berichteten von den Hindernissen, diese Rechte wahrzunehmen. Dabei kamen ganz verschiedene Themen zur Sprache. Was erwarten Jugendliche von Erwachsenen, von Politikerinnen und Politikern? Wem trauen sie? Wie ist es, 2010 ein Kind zu sein? Die Jugendlichen machten Lösungsvorschläge und diskutierten Ideen, wie die "Erwachsenenwelt" besser machten könnte, um die Rechte von Kindern und Jugendlichen besser zu schützen und zu verteidigen.

Einig waren sich alle über die schönen Seiten der Kindheit: die relativ große Freiheit von Verantwortung, die Unterstützung, die sie erhalten, ihre Möglichkeiten, die guten Seiten der Technologie, von der sie profitieren und: die Fähigkeit, Spaß zu haben. Sie wissen es zu schätzen, dass Eltern, Familie, Freunde und Betreuer für sie da sind. Skeptischer fällt das Urteil über Lehrerinnen und Lehrer aus, über Vertreter „des Gesetzes“ einschließlich der Polizei und auch über die Medien - hier gibt es positive und negative Äußerungen.

Dennoch: Wie schon in vorhergehenden Untersuchungen (siehe NEWS) so offenbart auch diese, dass Kinder und Jugendliche wenig über ihre eigenen Rechte wissen. Nur wenige verbinden die Menschrechte mit Kinderrechten. Allerdings nennen die meisten neben dem "Recht auf Bildung" das "Recht ein Kind zu sein". Auch "das Recht zu partizipieren" ist für viele wichtig. Dieses reicht von Wahl des Bildungsweges oder der Berufswahl bis zum Wahlrecht. Aber auch bei Trennung oder Scheidung wollen sie gehört und beachtet werden.

Die Untersuchung, durch die Generaldirektion für Justiz in Auftrag gegeben und koordiniert von der Generaldirektion für Kommunikation, ist eine der (noch) wenigen qualitativen Untersuchungen im Rahmen von Eurobarometer, der in regelmäßigen Abständen von der Europäischen Kommission in Auftrag gegebenen öffentliche Meinungsumfrage in den EU-Ländern. Sie soll dazu beitragen, die Situation von Kindern besser zu verstehen und ihre Lebensbedingungen zu verbessern. Sie wurde parallel zur öffentlichen Konsultation zur EU-Kinderrechtsstrategie erstellt. Ihre Ergebnisse sollen in die neue Mitteilung über Kinderrechte für den Zeitraum 2011-2014 einfließen, die für Ende des Jahres geplant ist (siehe NEWS).

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