Berufsausbildungsziel "Interkulturelle Kompetenz": Eine Transferstudie

Eine Studie zu einem XENOS-Projekt hat befragt, ob das Lernziel "Interkulturelle Kompetenz" in die reguläre Berufsausbildung übernommen werden kann. Und antwortet mit einem kräftigen "Jein". Bleibt der Erwerb Interkultureller Kompetenz zunächst Sache nicht-formaler Bildung?

Das Ziel des Ausbildungsprojekts der kiezküchen-ausbildungs ggmbh "Interkulturelles Training in der Gastronomieausbildung" lag darin, ein interkulturelles Training zu konzipieren und zu realisieren, das in die praktische Gastronomieausbildung integrierbar ist. Das Projekt wurde gefördert durch das Bundesprogramm "XENOS – Leben und Arbeiten in Vielfalt", das darauf abzielt, Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Diskriminierung in der Gesellschaft nachhaltig entgegenzuwirken.

Interkulturelle Kompetenzen wurden dafür definiert als diejenigen Fähigkeiten, die eine Interaktion zwischen Personen unterschiedlicher kultureller Prägung erfolgreich, d.h. respektvoll für beide Seiten, ermöglichen, aber auch als Fähigkeit zur Mobilität (geistig, physisch, kulturell) im weitesten Sinne. Damit wurden Interkulturelle Kompetenzen auch im Zusammenhang mit internationalen Kompetenzen betrachtet. Es wurden verschiedene Bausteine zur Förderung der Interkulturellen Kompetenz in der Berufsausbildung, aber auch die interkulturelle Weiterbildung des Ausbildungspersonals entwickelt und erprobt.

Die nun erschienene Transferstudie beschäftigt sich mit der Frage, wie die modellhaften Ansätze dieses Projekts nachhaltig in die Normalität der Berufsausbildung übertragen werden können. "Interkulturelle Kompetenz", so lautet eine Schlussfolgerung, "ist dasjenige Element der internationalen Basisqualifikation, welches in der Berufspraxis am meisten gefordert wird, in der inhaltlichen Vermittlung aber am Unbestimmtesten ist." Vor allem aber fehle es an einer konsequenten Verankerung.

Erfolgreiche Modellprojekte, so legt die Transferstudie nahe, können nur zeigen, was unter günstigen Bedingungen möglich wäre. Eine Umsetzung in die Regelpraxis aber ist weitgehend abhängig von einer Übernahme in Ausbildungsordnungen und damit meist abhängig vom jeweiligen Berufsbild. Berufe in der Gastronomie, im Reiseverkehr, Einzel-, Groß- und Außenhandel zum Beispiel haben eine vergleichsweise hohe Affinität zur zunehmenden Internationalisierung. Darüber hinaus muss sich der Transfer gesellschaftspolitisch orientierter Elemente in das Regelsystem mindestens zum Teil immer auch ökonomisch rechtfertigen. "In der rein betrieblichen Ausbildung finden sich daher internationale Ausbildungselemente i.d.R. nur in international agierenden Unternehmen, die solche Qualifikationen als Teil der Personalentwicklung betrachten." Und außerdem verursachen interkulturelle Elemente, wie das Lernen im europäischen Ausland oder auch interkulturelle Trainings und Fremdsprachenlernen zusätzliche Kosten, für die es keine nachhaltigen Finanzierungsmöglichkeiten gibt. Erst Recht wenn, wie die Studie empfiehlt, der Vorbereitung und Nachbereitung zum Beispiel von Auslandspraktika ein wichtiger Stellenwert eingeräumt werden muss.

Die Studie kommt daher zu dem Schluss, dass die "in EU-Programmen entwickelten Berufe und Zusatzqualifikation nur begrenzt transferfähig (sind), da sie außerhalb der etablierten Ordnungsprozesse entwickelt wurden und nicht bundeseinheitlich anerkannt sind. Inwieweit sich daran in absehbarer Zeit etwas ändern kann, hängt davon ab, ob die europäische Dimension in der Berufsausbildung generell gestärkt wird und wie sich die Diskussionen um den Europäischen Qualifikationsrahmen entwickeln."

Wie gut, dass Jugendliche und junge Erwachsene Interkulturelle Kompetenzen auch anderswo – zum Beispiel im Europäischen Freiwilligendienst oder bei internationalen Begegnungsmaßnahmen – erwerben können. "Fremdsprachenkenntnisse", so die Studie, "werden aus langer Tradition heraus als Zusatzqualifikation zertifiziert. Es wäre auch denkbar, ein ähnliches Konzept für den Bereich der Interkulturellen Kompetenz auf den Weg zu bringen."

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