Bekenntnis: Erziehung zur aktiven Staatsbürgerschaft nun in allen europäischen Ländern auf den Lehrplänen

Alle EU-Mitgliedstaaten haben das Fach "Erziehung zur aktiven Staatsbürgerschaft" in ihre Lehrpläne für Grund- und Sekundarschulen aufgenommen – allerdings mit unterschiedlichen Ansätzen, wie aus einem von der Europäischen Kommission veröffentlichten Bericht hervorgeht.

Die Verbesserung von Kenntnissen und Kompetenzen für das Unterrichten dieses Fachs stellt jedoch eine Herausforderung dar, da bislang nur zwei Länder (England und die Slowakei) eine gezielte Ausbildung für angehende Fachlehrer anbieten.

Außerdem haben zwar mehrere Länder ihre Lehrpläne im Bereich der Erziehung zu aktiver Staatsbürgerschaft in den letzten Jahren reformiert, doch wurden diese Reformen kaum in die Grundausbildung für Lehrkräfte oder in Programme zur beruflichen Weiterbildung aufgenommen.

Standardisierte Methoden, nach denen sich Lehrkräfte bei der Bewertung ihrer Schülerinnen und Schüler richten können, fehlen nach Aussage des Berichts ebenfalls weitgehend.

Laut dem Bericht besteht allgemein Konsens darüber, dass Staatsbürgerkunde darauf ausgerichtet sein sollte, kritisches Denken, analytische Fähigkeiten und Sichtweisen und damit die aktive Teilhabe in Schule und Gesellschaft zu fördern.

Androulla Vassiliou, EU-Kommissarin für Bildung, Kultur, Mehrsprachigkeit und Jugend, kommentierte: „Die Erziehung zur aktiven Staatsbürgerschaft vermittelt Schülerinnen und Schülern die notwendigen Kenntnisse, Kompetenzen und Werte für eine aktive Teilhabe an unserer Gesellschaft. Dies müssen wir fördern, weil die aktive Teilhabe die Basis unserer demokratischen Werte in Europa ist. Auch die Ausbildung der Lehrkräfte in diesem Bereich verdient mehr Aufmerksamkeit, damit junge Menschen inspiriert werden, sich als aktive Staatsbürger zu verhalten.“

Laut dem Bericht haben Schulen in allen europäischen Ländern Regeln und Empfehlungen formuliert, die demokratisches Verhalten und Mitwirkung fördern sollen, beispielsweise durch die Wahl von Klassensprechern, Schülerräten und Schülervertretern in schulischen Gremien. Dies erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass sich junge Menschen auch später aktiv in das gesellschaftliche und politische Leben einbringen werden.

Alle Länder haben Leitlinien aufgestellt, um die Schülerschaft in die Verwaltung ihrer jeweiligen Schulen einzubeziehen, und seit 2007 haben mehr als die Hälfte der Länder wenigstens ein öffentlich finanziertes Programm oder Projekt durchgeführt, um staatsbürgerliche Werte und Verhaltensweisen außerhalb der Schule zu fördern. So gibt es Initiativen, mit denen Schülerinnen und Schüler mit unterschiedlichem ethnischen und sozioökonomischen Hintergrund zu gemeinsamen Tätigkeiten angeregt werden sollen. In anderen Projekten werden Grundschulkinder mit in Altersheimen lebenden älteren Menschen zusammengebracht.

Auch bei der Bewertung von Schülerinnen und Schülern spielt die aktive Mitwirkung eine immer größere Rolle. Mehr als ein Drittel der europäischen Länder berücksichtigen die aktive Teilnahme an schulischen oder gemeinschaftlichen Aktivitäten bei der Bewertung von Schülerinnen und Schülern.

Hintergrund

Der vom Eurydice-Netzwerk für die Kommission zusammengestellte Bericht über die Erziehung zu aktiver Staatsbürgerschaft in Europa erfasst 31 europäische Länder – die EU-Mitgliedstaaten, Island, Norwegen, Kroatien und die Türkei.

Der Bericht soll darüber Auskunft geben, wie Strategien und Maßnahmen im Zusammenhang mit der Erziehung zu aktiver Staatsbürgerschaft sich in den letzten Jahren entwickelt haben. Der Bericht gibt einen Überblick über fünf Hauptthemen:

  1. Lehrpläne und Organisation;
  2. Mitwirkung von Schüler- und Elternschaft in Schulen;
  3. Schulkultur und Mitwirkung von Schülerinnen und Schülern in der Gesellschaft;
  4. Analyse und Bewertung;
  5. Unterstützung für Lehrkräfte und Schulleitung.

Der Bericht beleuchtet auch die Fortschritte, die seit der früheren Eurydice-Studie von 2005 zu diesem Thema gemacht wurden. Bezugsjahr ist 2010/11.

Eurydice

Der Bericht wurde vom Eurydice-Netzwerk erstellt, das Analysen und Informationen zu europäischen Bildungssystemen und -strategien bereitstellt. Es besteht aus 37 nationalen Stellen in allen 33 Ländern, die am EU-Programm für lebenslanges Lernen teilnehmen (EU-Mitgliedstaaten, Kroatien, Island, Liechtenstein, Norwegen, Schweiz und Türkei).

(Quelle: EU-Kommission, IP/12/514)

Dokumente

  • Citizenship Education in Europe

    This document is published by the Education, Audiovisual and Culture Executive Agency (EACEA P9 Eurydice). ISBN 978-92-9201-264-9. Brüssel, May 2012
    Dieses PDF-Dokument mit dem Dateinamen "139EN.pdf" ist 4,61 MB groß.

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